CHAGALL | Jahre des Durchbruchs 1911-1919

Kunstmuseum Basel | bis 21. Januar 2018

Das gelbe Zimmer (La chambre jaune),
1911 Öl auf Leinwand, 84,2 x 112 cm
© Fondation Beyeler, Riehen, Basel / ProLitteris, Zürich

Die Ausstellung widmet sich dem Frühwerk Marc Chagalls. Gezeigt werden ca. 120 Gemälde aus den Sammlungen des Kunstmuseums Basel und der Stiftung Im Obersteg sowie hochkarätige Leihgaben aus Schweizer und internationalen privaten und öffentlichen Sammlungen, ergänzt durch dokumentarische ethnografische Fotografien des russischen Künstlers Solomon Judowin.


Marc Chagalls künstlerischer Durchbruch vollzog sich zwischen zwei gegensätzlichen Polen. Von 1911–1914 lebte Chagall in Paris. In dieser Zeit kombinierte er in seinen Gemälden Erinnerungen aus dem russischen Provinzleben mit ikonischen Bruchstücken aus dem Leben in der Metropole. Reminiszenzen an die russische Volkskunst wurden ebenso verarbeitet wie neueste stilistische Experimente, denen er durch das Leben im Mittelpunkt der künstlerischen Avantgarde und durch die Bekanntschaft mit vielen der progressivsten Künstler, darunter Picasso, Robert und Sonja Delaunay sowie Jacques Lipchitz, ausgesetzt war.

Aus diesen Pariser Jahren zeigt die Ausstellung Schlüsselwerke wie À la Russie, aux ânes et aux autres (1911), die den Erfolg Chagalls auf dem Salon des Indépendants 1912 begründeten, und Hommage à Apollinaire (1913), das von seiner Verbindung zum französischen Dichter und der Pariser Avantgarde zeugt. Daneben präsentiert das Kunstmuseum Basel zahlreiche Gemälde und Arbeiten auf Papier, in denen sich Chagall mit dem jüdischen Schtetl und dem ländlichen Leben seiner weissrussischen Heimat befasste.

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Kunstmuseum Basel / Neubau | bis 21. Januar 2018

CHAGALL. Die Jahre des Durchbruchs 1911 – 1919

Pressetext: Kunstmuseum Basel
Kurator: Josef Helfenstein

KATALOG | MARC CHAGALL: DIE JAHRE DES DURCHBRUCHS 1911 – 1919

Gebundene Ausgabe
294 Seiten
mit 237 (217 farbigen) Abbildungen
Bibliographie
Sprache: Deutsch
22,4 x 27,5 cm

Der Band enthält eine repräsentative Auswahl von Werken aus dieser künstlerisch, biographisch und politisch bewegten Zeit.

Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges überraschte Chagall während einer Reise in seine Heimat und zwang ihn zu einem achtjährigen Aufenthalt in Russland. Es folgte eine Phase intensiver Selbstreflexion, von der viele Gemälde und Arbeiten auf Papier um 1914 Zeugnis ablegen.

In Witebsk setzte eine Phase intensiver Selbstreflexion ein, von der viele Gemälde und Arbeiten auf Papier Zeugnis ablegen. Einen Höhepunkt in Chagalls Werk aus den russischen Jahren stellt die Gruppe der sogenannten «vier grossen Rabbiner» – von denen sich drei in der Sammlung Im Obersteg befinden – dar, die in kurzer Folge 1914–1915 entstanden und nun erstmals gemeinsam zu sehen sein werden. In den Gemälden gelingt dem Künstler eine überzeugende Synthese zwischen aus dem eigenen Erlebnis gespeister intensiver Emotion einerseits und der Suche nach neuen formalen Lösungen andererseits. Die Jahre nach Chagalls Rückkehr nach Russland sind zudem von den Kriegshandlungen geprägt, die auch seine Heimatstadt betreffen und die er unter anderem in den Tuschezeichnungen Le départ pour la guerre (1914) festhält.

In diesen acht Jahren entstanden ausserdem zahlreiche Selbstportraits, Darstellungen des jüdischen Lebens und zuletzt Entwürfe für das Bühnenbild zur Jahresfeier der Oktoberrevolution 1918, die er in seiner Funktion als Kommissar für Künste und Leiter der Kunstschule von Witebsk ausrichtete.

 


PRESSESCHAU

Eine Kuh als Tischgenossin

Joseph Croitoru für die FAZ | Artikel lesen

„Die prägenden Jahre vor dem Weltruhm: Das Kunstmuseum Basel zeigt das Frühwerk von Marc Chagall und stößt dabei auf erfrischend kitschfreie Bilder. Dass Marc Chagall seine erste große Retrospektive 1933 in der Basler Kunsthalle hatte, gehört zu den weniger bekannten Fakten über den weltberühmten Maler, dessen farbenfroh märchenhafte Bilder fast jedem vertraut sind.“

Die Jahre des Durchbruchs

Christian Gampert für Deutschlandfunk | Artikel lesen

„Die großartige Basler Ausstellung holt den Besucher tief herein in Chagalls Welt des ostjüdischen Volksglaubens. Und sie überzeugt vor allem deshalb, weil sie mit feinen historischen Fotos von Salomon Judowin, Filmen von der Oktoberrevolution und jüdischen Kultgegenständen belegt, aus welcher Armut und kriegsbedingter Härte sich da ein Künstler emanzipierte. Gerade diese kulturhistorische Grundierung der Ausstellung ist ein großes Plus.“


 

Die Baseler Kunstschau wird ergänzt durch dokumentarische ethnografische Fotografien des russischen Künstlers Solomon Judowin.

Die historische Fotografie bildet einen weiteren Schwerpunkt der Ausstellung und ergänzt und kommentiert Chagalls Frühwerk oft auf überraschende Art und Weise. Fotografien des russischen Künstlers Solomon Judowin, die im Rahmen der von Semen An-Ski organisierten ethnografischen Expeditionen 1912–1914 in russischen Schtetl entstanden sind, können als Versuch betrachtet werden, eine von Pogromen, politischen Umwälzungen und sozialen Dynamiken gefährdete Welt für nachfolgende Generationen festzuhalten. Erstmals sind sie im Kunstmuseum Basel auch einem Schweizer Publikum zugänglich.

Die revolutionären Umbrüche der Jahre 1917–1920 werden durch Reportagefotografien von Viktor Bulla (1883–1944), Jakow Steinberg (1880–1942) und Pawel Schukow (1870–1942) vergegenwärtigt, die dem Kunstmuseum durch die Fotosammlung Ruth und Peter Herzog im Jacques Herzog und Pierre de Meuron Kabinett Basel zur Verfügung gestellt werden. Die im Rahmen der Ausstellung gezeigten unterschiedlichen fotografischen Bestände besitzen eine über das Dokumentarische hinausgehende künstlerische Bedeutung.


Kunstmuseum Basel / Neubau

CHAGALL – Die Jahre des Durchbruchs 1911 – 1919

Ausstellung bis 21. Januar 2018

ÖFFNUNGSZEITEN
Die – So |  10 – 18 Uhr
Do 10 – 20 Uhr
Montag geschlossen

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