EDWARD HOPPER – Amerikanische Landschaften

Fondation Beyeler, Riehen/Basel | bis 26. Juli 2020
Hopper Cape Cod Morning 700 EDWARD HOPPER 8211 Amerikanische Landschaften
Edward Hopper - Cape Cod Morning, 1950
Öl auf Leinwand, 86,7 x 102,3 cm
Smithsonian American Art Museum, Gift of the Sara Roby Foundation
© Heirs of Josephine Hopper / 2019, ProLitteris, Zürich
Foto: Smithsonian American Art Museum, Gene Young

In ihrer Frühjahrsausstellung 2020 zeigt die Fondation Beyeler Werke von Edward Hopper (1882–1967), einem der bedeutendsten amerikanischen Maler des 20. Jahrhunderts. Den Schwerpunkt der Ausstellung in der Fondation Beyeler bilden Hoppers ikonische Darstellungen der unendlichen Weite amerikanischer Landschaft und Stadtlandschaft. Es handelt sich dabei um ein Thema, das bisher kaum in den Fokus von Ausstellungen zu Edward Hopper gerückt wurde, aber von zentraler Bedeutung für das Verständnis und die Rezeption seines Werks ist.


Die Ausstellung umfasst Aquarelle und Ölgemälde der 1910er- bis 1960er-Jahre und gewährt damit einen umfänglichen und spannenden Einblick in den Facettenreichtum der Hopper’schen Malerei.

Hopper wurde in Nyack, New York, geboren. Nach einer Ausbildung zum Illustrator studierte er bis 1906 Malerei an der New York School of Art. Neben der intensiven Beschäftigung mit deutscher, französischer und russischer Literatur boten besonders Maler wie Diego Velázquez, Francisco de Goya, Gustave Courbet und Édouard Manet dem jungen Künstler wichtige Orientierungspunkte.

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Fondation Beyeler, Riehen/Basel | bis 26. Juli 2020

 

EDWARD HOPPER

Pressetext: Fondation Beyeler, Riehen/Basel
Kurator: Ulf Küster
Hopper landschaften katalog EDWARD HOPPER 8211 Amerikanische Landschaften

KATALOG | Edward Hopper.
Ein neuer Blick auf Landschaft

Gebundene Ausgabe
148 Seiten
110 Abbildungen
Hatje Cantz Verlag (30. Januar 2020)
Sprache: Deutsch
30,50 x 27,40 cm

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Der Katalog versammelt alle in der Ausstellung gezeigten Gemälde, Aquarelle und Zeichnungen der 1910er- bis 1960er-Jahre und ergänzt sie durch Textbeiträge mit dem Schwerpunkt auf Landschaftsdarstellung.


Edward Hopper (1882–1967) gilt als einer der bedeutendsten Künstler des 20. Jahrhunderts. In Europa vor allem für die Ölgemälde mit Szenen des städtischen Lebens bekannt, die er in den 1920er- bis 1960er-Jahren schuf und von denen einzelne Werke außerordentlich populär wurden, ist es verwunderlich, daß seine Landschaftsbilder bisher weniger beachtet wurden.

Überraschenderweise gab es bisher noch keine Ausstellung, die sich umfassend mit Hoppers Blick auf die amerikanische Landschaft auseinandergesetzt hat. Vom 26.1. bis 17.5.2020 präsentiert die Fondation Beyeler nun eine umfangreiche Ausstellung mit ikonischen Landschaftsgemälden in Öl sowie einer Auswahl an Aquarellen und Zeichnungen. Erstmals werden zudem Hoppers Werke in einer Ausstellung in der deutschsprachigen Schweiz gezeigt.

Obwohl Hopper lange Zeit hauptsächlich als Illustrator arbeitete, erlangte er vor allem Berühmtheit mit seinen Ölgemälden, die von seinem großen Interesse an Farbwirkung und seiner Virtuosität in der Darstellung von Licht und Schatten zeugen. Darüber hinaus vermochte Hopper es, aus seinen Beobachtungen, eine Ästhetik zu begründen, die nicht nur die Malerei, sondern auch die Populärkultur, die Fotografie und den Film stark beeinflusst hat.

Als mit Cape Ann Granite ein Landschaftsbild von Edward Hopper aus dem Jahr 1928 als Dauerleihgabe Eingang in die Sammlung der Fondation Beyeler fand, entstand die Idee zu dieser Ausstellung. Das Werk war jahrzehntelang Teil der berühmten Rockefeller-Sammlung und entstammt einer Zeit, als Hopper seitens der Kritiker, Kuratoren und der Öffentlichkeit zunehmend Aufmerksamkeit entgegengebracht wurde. Dies manifestierte sich 1929 nicht zuletzt auch in der Einladung zur Teilnahme an der zweiten Ausstellung des Museum of Modern Art in New York mit dem Titel Paintings by Nineteen Living Americans.

In der kunsthistorischen Tradition bedeutet „Landschaft“ ein Bild der Natur im Gegensatz zu der sich ständig verändernden „Natur“, die als solche nicht als Bild fixiert werden kann. Landschaft gibt immer den Einfluss des Menschen auf die Natur zu erkennen, und Hoppers Bilder spiegeln dies auf subtile und vielfältige Weise wider. So eröffnete er einen ausgeprägt modernen Zugang zu einem altehrwürdigen Genre der Kunstgeschichte. Im Unterschied zur akademischen Tradition muten Hoppers Landschaften unbegrenzt an; sie sind – gedanklich – unendlich und scheinen immer nur einen kleinen Teil eines enorm großen Ganzen zu zeigen.

Hoppers amerikanische Landschaften sind geometrisch klare Kompositionen. Hauptelemente sind Häuser, welche menschliche Besiedlung versinnbildlichen. Eisenbahnen strukturieren die Bilder horizontal und stehen für das Streben des Menschen, die Weite des Raumes zu durchmessen. Ein ausgedehnter Himmel ebenso wie besondere Lichtstimmungen, strahlendes Mittagslicht und das Licht der Dämmerung machen die Größe der sich stetig wandelnden Natur auch in einem eigentlich statischen Landschaftsbild anschaulich. Ein Leuchtturm etwa wird dabei zu einem Bezugspunkt in der Weite von Meer und Küste.

Edward Hopper Lighthouse Hill 700 EDWARD HOPPER 8211 Amerikanische Landschaften
Edward Hopper - Lighthouse Hill, 1927
Öl auf Leinwand, 73,8 x 102,2 cm
Dallas Museum of Art, Schenkung Mr. und Mrs. Maurice Purnell
© Heirs of Josephine Hopper / 2019, ProLitteris, Zürich
Foto: Dallas Museum of Art, Photo by Brad Flowers

Hoppers Landschaftsgemälde evozieren den Eindruck, es ginge eigentlich um etwas Unsichtbares, das sich außerhalb der Darstellung ereignet. Beispielhaft dafür ist sein Gemälde Cape Cod Morning von 1950: Die aus einem Erker blickende Frau, auf deren Gesicht sich Sonnenlicht abbildet, sieht etwas, das vom Betrachter nicht gesehen werden kann, weil es sich außerhalb des Bildraums befindet. Den sichtbaren Landschaften Hoppers stehen immer unsichtbare, im Inneren des Betrachters erscheinende subjektive Landschaftsbilder gegenüber.

Die Landschaften von Edward Hopper sind, wie alle seine Gemälde, von Melancholie und Einsamkeit bestimmt. Oft vermitteln sie das Gefühl von Unheimlichkeit und Bedrohung. Hopper macht in seinem Werk auch das manchmal brutale Eindringen des Menschen in die Natur sichtbar, indem er Landschaft zu Stadtlandschaft in Beziehung setzt. Hopper trug wesentlich dazu bei, die Idee eines melancholischen, auch von den dunklen Seiten des Fortschritts geprägten Amerikas zu etablieren – als riesiger unbegrenzter Raum, der vor allem durch seine Entwicklung im Kino enorm populär werden sollte, von Alfred Hitchcocks Der unsichtbare Dritte (1959) über Wim Wenders’ Paris, Texas (1984) bis hin zu Kevin Costners Dances with Wolves (1990).

Als besonderes Highlight der Ausstellung hat der Filmregisseur Wim Wenders einen 3D-Kurzfilm mit dem Titel Two or Three Things I Know about Edward Hopper realisiert, der in einem eigenen Screeningraum gezeigt wird. Der Film ist Wenders’ persönliche Hommage an Edward Hopper, der ihn nachhaltig beeindruckt und sein filmisches Schaffen beeinflusst hat. Auf der Suche nach dem „Hopper Spirit“ reiste er durch die USA. Was Wenders dort aufnahm, hat er zu diesem eigens für die Ausstellung konzipierten Film verdichtet. Sein Film wird bei der Eröffnung unserer Ausstellung seine Premiere feiern. Er macht auf poetische und anrührende Weise deutlich, wie viel das Kino Edward Hopper verdankt, wie sehr aber Hopper auch vom Kino beeinflusst wurde.

Die Ausstellung umfasst 65 Werke des Künstlers aus den Jahren 1909 bis 1965 und wird organisiert von der Fondation Beyeler in Kooperation mit dem Whitney Museum of American Art, New York, in dessen Beständen sich die weltweit größe Hopper-Sammlung befindet.


PRESSESCHAU

VIDEO | Hopper | ZDF, Aspekte, 3 Min.

Video verfügbar bis 24.01.2021


Die unbeherrschbare Weite Amerikas

Rudolf Schmitz für deutschlandfunkkultur | Artikel lesen

Beitrag anhören

„Edward Hopper als Landschaftsmaler – das ist originell und wurde selten präsentiert. Edward Hopper und sein Einfluss auf Filmemacher wie Alfred Hitchcock und Wim Wenders – das allerdings zeigt den ungewöhnlich langen Atem dieser immer etwas unheimlichen Bilder.“


VIDEO | Trailer „Zwei oder drei Dinge, die ich über Edward Hopper weiß“ von Wim Wenders für die Ausstellung.

„Das ist ja wie bei Hopper!“

Interview von Carola Padtberg für den Spiegel | Artikel lesen

Tristesse an Tankstellen: In einem neuen Kurzfilm erweitert Wim Wenders die Gemälde von Edward Hopper. Im Gespräch erzählt der Filmemacher, warum ihn die düstere Leere des US-Malers lebenslang beeinflusst hat.

„SPIEGEL: Geht es um die Geschichten hinter seinen Figuren? Davon gibt es ja nur wenige.

Wenders: Auch menschenleere Landschaften können Fragen aufwerfen: Was ist hier gerade passiert? Was geschieht als nächstes? Das ist ja gerade das spezifische „Hopper-Gefühl“! Nehmen Sie das Bild „Gas“ mit diesem Tankwart, der sich an einer Zapfsäule zu schaffen macht. Man sieht ihn nicht einmal ganz, aber man wüsste gerne mehr von ihm. Dabei sieht es nicht so aus, als würde da bald jemand vorbeikommen. Der düstere Wald, das merkwürdige Licht… Die Stimmung macht, dass man mehr über die Situation wissen will. Diese Neugier erschafft sonst nur das Kino. Bei manchen Einstellungen meiner Filme habe ich gedacht: „Thanks, Edward, ohne Dich hätte ich das jetzt so nicht gemacht.““


Kurzstatement Wim Wenders

Als mich die Einladung der Fondation Beyeler erreichte, einen Beitrag zu HOPPER zu liefern, war ich sehr dankbar. Schon viele Ausstellungen habe ich in diesem traumhaften Museum gesehen, aber diese hier liegt mir besonders am Herzen. Ich hatte den großen amerikanischen Maler Edward Hopper für mich selbst als Inspiration entdeckt, in den Siebziger Jahren, als er in Europa noch so gut wie unbekannt war. Er hatte eine Affinität zum Film wie kaum ein anderer, sowohl in seinen Themen – wie der amerikanischen Landschaft oder der existentiellen Ausgesetztheit des Menschen im 20. Jahrhundert – als auch in seinem Licht oder seinen Kadrierungen. Außerdem ging Hopper selbst sehr häufig ins Kino, oft wochenlang jeden Tag, vor allem dann, wenn er nichts mehr zu malen wusste, wie ein Freund berichtete. Von diesem Kreislauf – ein Maler ist von Filmen beeindruckt, und hat Bilder gemalt, die ihrerseits Filmemacher beeinflusst haben – handelt meine 3D Installation Two or Three Things I Know about Edward Hopper. Ich wollte den Zuschauer in die Welt Hoppers eintauchen lassen, der zugleich ein Schöpfer ikonischer Bilder und auch Erzähler von Schicksalen und Geschichten ist.


FONDATION BEYELER

www.fondationbeyeler.ch

 

EDWARD HOPPER

bis 26. Juli 2020

Öffnungszeiten:
Täglich 10-18 Uhr, mittwochs bis 20 Uhr

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