KP BREHMER – Kunst # Propaganda

Neues Museum, Nürnberg | bis Februar 2019 // Hamburger Kunsthalle ab 29. März 2019

KP Brehmer - Auswahlbeutel No.18 (Deutsche Kultur), 196769 
Photo: Hamburger Kunsthalle / bpk Elke Walford

Aus Anlass des 80. Geburtstags des „kapitalistischen Realisten“ KP Brehmer (1938–1997) zeigt das Neue Museum eine umfassende Ausstellung zum Werk des bildenden Künstlers, der sich in seinem Schaffen sehr konkret mit soziopolitischen Themen beschäftigte und in komplexer Weise mit den Bildmedien der Bundesrepublik Deutschland und den Bedingungen der kapitalistischen Bildproduktion und -rezeption auseinandersetzte.


Dabei hat er ein vielfältiges, experimentelles, analytisches und zugleich humorvolles Œuvre hinterlassen, das in seinen Fragestellungen an Aktualität gewinnt. Denn KP Brehmers künstlerisches Selbstverständnis, mit seiner Kunst einen dezidiert politischen Anspruch zu verfolgen, erscheint in unserer Zeit von besonderer Relevanz.

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Brehmer begann seine Ausbildung als Reproduktionstechniker, das Prinzip der maximalen Vervielfältigung und Verbreitung haben sein theoretisches Denken und künstlerisches Agieren maßgeblich geprägt. Er selbst nannte sich einen „ideologischen Kleptomanen“, der keine Scheu vor dem Zitieren anderer hatte.

Dem Kult des individuellen Autors stellte er partizipative und interdisziplinäre Methoden gegenüber, um das Kollektive zu Wort kommen zu lassen. Musik, Film, Werbung, Pop-Kultur und Medien-Entertainment waren ihm willkommene und vertraute Sprachformen – die er zugleich einer scharfen kritischen Analyse unterzog. All das hat ihn zu einer singulären Erscheinung in der Kunst der 1960 Jahre gemacht – in einer Zeit, in der sich andere Künstler oder auch Weggefährten vielfach bereits den Weg in den immer mächtiger werdenden Kunstmarkt bahnten.

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Neues Museum, Nürnberg | bis Februar 2019
Hamburger Kunsthalle | ab 29. März 2019

KP BREHMER – Kunst # Propaganda

Pressetext: Neues Museum, Nürnberg www.nmn.de
Kuratoren:
Eva Kraus, Neues Museum Nürnberg
Petra Roettig, Hamburger Kunsthalle
Daniel Koep, Gemeentemuseum Den Haag
Selen Ansen, Arter Istanbul

KATALOG | KP BREHMER KUNST (UNGLEICH) PROPAGANDA

Taschenbuch, broschiert
240 Seiten
240 Abbildungen
Verlag: König
Sprache: Deutsch
21 x 28 cm

Der Titel der Ausstellung „Kunst ? Propaganda“ greift den zentralen Gedankengang KP Brehmers auf: Wie kann, darf oder soll sich politische Kunst einer politischen Rhetorik bedienen, um ihr Ziel zu erreichen – ohne sich dabei selbst instrumentalisieren zu lassen? Allein schon sein Signet steht für diese subversive Strategie: KP – diese beiden charakteristischen Versalien (das Kürzel seines Doppelnamens Klaus Peter) sind als eine Widmung an die Kommunistische Partei zu lesen, deren Mitglied er jedoch nie gewesen ist.

Über die Grafik und Malerei hinaus umfasst Brehmers Werk komplexe multimediale Installationen. Durch das konstante Verschieben der Motive seines Werks zwischen verschiedenen Medien wie Bild, Text, Musik und Film thematisierte er auch ihre mediale Konstruktion. KP Brehmer hat zudem ein etwa 30 Arbeiten umfassendes filmisches Werk hinterlassen.

KP Brehmer - Das Gefühl zwischen Fingerkuppen, 1967

Seit den frühen 1960er Jahren bis zu seinem Tod hinterfragte Brehmer in komplexer Weise die Wirkmacht medialer Bilder in ihrer gesellschaftlichen Zirkulation und massenhaften Produktion. Dazu verwendete er Bildmaterial aus Werbung und politischer Propaganda in Form von Plakaten, Bildern des öffentlich-rechtlichen Fernsehens und der illustrierten Presse.

Auch eignete er sich die Ästhetik von Werbeaufstellern in Kaufhäusern, von Briefmarken als staatliche Editionen sowie von Diagrammen und Statistiken als Informationsmedien an. Durch das konstante Verschieben der Motive seines Werks zwischen verschiedenen Medien wie Bild, Text, Musik und Film thematisierte er auch deren mediale Konstruktion.

KP Brehmer - Druckfarbenmuster Ideale Landschaft, 1968
Modell Ideale Landschaft (Ausschnitt), 1968
Neues Museum Nürnberg, Leihgabe Sammlung Block
Foto: Neues Museum Nürnberg (Birgit Suk) © VG Bild-Kunst, 2018

Mit all diesen Herangehensweisen nimmt Brehmer in der Generation der Künstler, die in Deutschland mit den Mitteln der amerikanischen Pop Art einen kritischen „kapitalistischen Realismus“ entwickelten – wie Sigmar Polke, Gerhard Richter, Wolf Vostell – eine Sonderrolle ein.

Er selbst nannte sich einen „ideologischen Kleptomanen“, der keine Scheu vor dem Zitieren anderer hatte. Dem Kult des individuellen Autors stellte er partizipative und interdisziplinäre Methoden gegenüber, um das Kollektive zu Wort kommen zu lassen. Angesichts des derzeit verstärkten Interesses an einer Kunst, die sich bewusst mit den Möglichkeiten und Grenzen ihrer politischen Verantwortung auseinandersetzt, hat Brehmers Schaffen, zumal im Zeitalter von „fake news“, an Aktualität und Brisanz gewonnen.

Die Ausstellung wird vom Neuen Museum Nürnberg, der Hamburger Kunsthalle (29. März 2019 bis 23. Juni 2019), dem Gemeentemuseum Den Haag und ARTER, Istanbul gemeinsam produziert.


VIDEO | Kunst als Kapitalismuskritik

 


Neues Museum, Nürnberg
Eingang Klarissenplatz
90402 Nürnberg

ÖFFNUNGSZEITEN
Dienstag bis Sonntag: 10-18 Uhr
Donnerstag: 10-20 Uhr
Montags ist das Museum geschlossen.

ÖFFNUNGSZEITEN AN FEIERTAGEN
DAS MUSEUM IST AN FOLGENDEN FEIERTAGEN
VON 10-18 UHR GEÖFFNET:
Neujahr, Heilige Drei Könige, Faschingsdienstag, Ostersamstag, Ostersonntag, Ostermontag, Maifeiertag, Christi Himmelfahrt, Pfingstsonntag, Pfingstmontag, Fronleichnam, Tag der Deutschen Einheit, Allerheiligen, 2. Weihnachtsfeiertag

DAS MUSEUM IST AN FOLGENDEN TAGEN GESCHLOSSEN:
Rosenmontag, Karfreitag, Heiligabend, 1. Weihnachtsfeiertag, Silvester

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