FEMINISTISCHE AVANTGARDE der 1970er Jahre

ZKM | Zentrum für Kunst und Medien, Karlsruhe | bis 08. April 2018
Rosenbach1 700x527 FEMINISTISCHE AVANTGARDE der 1970er Jahre
Ulrike Rosenbach (*1943) - Art is a criminal action No. 4, 1969 
S/W-Photographie auf Barytpapier 
©Ulrike Rosenbach / VG Bild-Kunst, Bonn 2015 / SAMMLUNG VERBUND, Wien

Mit Werken von mehr als 30 Künstlerinnen zeigt das ZKM | Zentrum für Kunst und Medien in einer umfassenden Ausstellung einen Überblick über die Anfänge der internationalen feministischen Kunstbewegung. Anhand von über 150 Arbeiten aus der SAMMLUNG VERBUND, Wien stellt die Ausstellung dar, wie Künstlerinnen in den 1970er Jahren zum ersten Mal in der Kunstgeschichte kollektiv ein eigenes „Bild der Frau“ kreieren.


Erstmals ist es den in den Kriegs- und Nachkriegsjahren geborenen Künstlerinnen möglich in nennenswerter Zahl an den Akademien zu studieren und sich damit von der Rolle der Muse und des Modells zu emanzipieren. In ihren Werken stellen sie radikal neue Fragen an die Gesellschaft und den Kunstbetrieb, brechen mit einer männlichen Wirklichkeit. Vor dem Hintergrund von Bürgerrechts- und Frauenbewegung werden Anliegen von Frauen erstmals öffentlich diskutiert; das Private wird politisch.

Innerhalb kürzester Zeit beginnen Frauen sich in der Öffentlichkeit Gehör zu verschaffen, versammeln sich zu Aktionen, halten Demonstrationen ab und organisieren eigene Ausstellungen. In ihren Werken gehen die Künstlerinnen der „Feministischen Avantgarde“ der Frage nach, wie das traditionelle „Bild der Frau“ die Wahrnehmung der Frau sowie die Konstituierung der eigenen Identität in unserer Gesellschaft bestimmt. Dabei stehen Themen wie eindimensionale Rollenzuweisungen als Mutter, Haus- und Ehefrau, weibliche Sexualität, der eigene Körper, Schönheit und Gewalt gegen Frauen im Fokus.

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ZKM, Karlsruhe | bis 08. April 2018 | zkm.de

FEMINISTISCHE AVANTGARDE der 1970er Jahre

Werke aus der SAMMLUNG VERBUND, Wien

Pressetext: Hamburger Kunsthalle
Kurator(innen): 
Gabriele Schor, SAMMLUNG VERBUND, Wien
Peter Weibel

Viele Künstlerinnen eint die Ablehnung stereotyper Rollenbilder. Martha Rosler etwa überzeichnet die Rolle der für Heim und Herd verantwortlichen Frau. Birgit Jürgenssen hängte sich für ihre Arbeit „Hausfrauen-Küchenschürze“ einen Herd wie eine Küchenschürze um, bildete mit dieser eine Symbiose. Es ist das Spiel mit der Kamera, die Maskerade und das Kostüm als Mittel der Selbstdarstellung, mit denen die Künstlerinnen Vorstellungen von Identität und Weiblichkeit als gesellschaftliches Konstrukt hinterfragen. Cindy Sherman, Suzy Lake, Hannah Wilke und Martha Wilson nahmen für ihre Photographien verschiedenste Rollen ein, untersuchen alltägliche und historische Klischees. Ähnlich Lynn Hershman-Leeson, die mit „Roberta Breitmore“ eine fiktive Person kreierte, als welche sie mehre Jahre lebte. Auch Ideale von Schönheit und Makellosigkeit spielen in den Werken der zuvor Genannten eine wichtige Rolle, ganz gezielt befragt werden sie jedoch in den Werken von Rita Myers und Ewa Partum.

Zahlreiche Künstlerinnen wenden sich ganz bewusst neuen, historisch unbelasteten Medien wie der Photographie, dem Film und dem Video zu, nutzen die Performance und die Aktion als künstlerisches Ausdrucksmittel. VALIE EXPORT etwa lud auf dem Münchner Stachus Passanten ein, ihr „Tapp- und Tastkino“ zu besuchen, was bedeutete, dass diese ihre Hände in einen Kasten stecken konnten, den die Künstlerin vor ihrem nackten Oberkörper trug. Oftmals ist es der eigene Körper, der zum Material der Kunst wird. Dabei gingen Künstlerinnen wie Ana Mendieta oder Gina Pane bis an die Grenzen ihrer körperlicher Belastbarkeit. Humorvoll und ironisch, subtil und provozierend dekonstruieren die Künstlerinnen der „Feministischen Avantgarde“ die traditionelle Ikonographie des Weiblichen.

Während VALIE EXPORT, Cindy Sherman oder Martha Rosler einem breiten Publikum bekannt sind, liegt das Besondere der Ausstellung in der Möglichkeit weitere bedeutende, jedoch bislang weniger bekannte Vertreterinnen der „Feministischen Avantgarde“ kennenzulernen und für sich zu entdecken.

Die SAMMLUNG VERBUND wurde 2004 in Wien von der VERBUND AG gegründet, Österreichs führendem Stromerzeuger aus Wasserkraft. Die Ausrichtung der Sammlung liegt auf internationaler zeitgenössischer Kunst von 1970 bis heute. Einen einzigartigen thematischen Sammlungsschwerpunkt bildet die „Feministische Avantgarde der 1970er Jahre“. Um die Pionierleistung der Künstlerinnen hervorzuheben, hat Gabriele Schor, Direktorin der SAMMLUNG VERBUND, den Begriff der „Feministischen Avantgarde“ geprägt.


VIDEO | SAMMLUNG VERBUND, Wien



Künstlerinnen
: Helena Almeida (*1934, Portugal), Eleanor Antin (*1935, USA), Lynda Benglis (*1941, USA), Renate Bertlmann (*1943, Österreich), Teresa Burga (*1935, Peru), Lili Dujourie (*1941, Belgien), Mary Beth Edelson (*1933, USA), Renate Eisenegger (*1949, Deutschland), VALIE EXPORT (*1940, Österreich), Esther Ferrer (*1937, Spanien), Lynn Hershman-Leeson (*1941, USA), Alexis Hunter (1948—2014, Neuseeland, England), Sanja Ivekovic (*1949, Kroatien), Birgit Jürgenssen (1949—2003, Österreich), Ketty La Rocca (1938—1976, Italien), Leslie Labowitz (*1946, USA), Suzanne Lacy (*1945, USA), Suzy Lake (*1947, USA), Karin Mack (*1940, Österreich), Ana Mendieta (1948—1985, Kuba/USA), Rita Myers (*1947, USA), ORLAN (*1947, Frankreich), Gina Pane (1939—1990, Frankreich), Ewa Partum (*1945, Polen), Ulrike Rosenbach (*1943, Deutschland), Martha Rosler (*1943, USA), Carolee Schneemann (*1939, USA), Cindy Sherman (*1954, USA), Penny Slinger (*1947, England), Annegret Soltau (*1946, Deutschland), Hannah Wilke (1940—1993, USA), Martha Wilson (*1947, USA), Francesca Woodman (1958—1981, USA), Nil Yalter (*1938, Ägypten/Frankreich).


VIDEO | „Feministische Avantgarde“ in Hamburg | ARD


Provokativ, radikal, authentisch: Die Pionierinnen der feministischen Kunst

Die Künstlerinnen der »Feministischen Avantgarde der 1970er-Jahre« haben wie keine künstlerische Bewegung davor das über Jahrhunderte mit Projektionen, Stereotypen und männlichem Wunschdenken aufgeladene ›Bild der Frau‹ dekonstruiert. Erstmals in der Geschichte der Kunst haben diese Künstlerinnen mit kollektivem Bewusstsein die ›Repräsentation der Frau‹ in der bildenden Kunst gemeinsam in die Hand genommen. Indem sie selbstbestimmt eine Vielzahl von weiblichen Identitäten entfalteten: provokativ und radikal, poetisch und ironisch.

Die Publikation vereint über 500 Werke aus der SAMMLUNG VERBUND von 34 Künstlerinnen. Es enthält drei Überblickstexte und ein Essay zu jeder der 34 Künstlerinnen und deren Biografien, eine Chronologie von 1968—1980 und eine Bibliografie feministischer Publikationen von 1970—2015. Feministische Avantgarde. Kunst der 1970er-Jahre aus der SAMMLUNG VERBUND fungiert als Nachschlagewerk für die feministische Kunstbewegung.

KATALOG Feministische Avantgarde der 1970er Jahre 400 FEMINISTISCHE AVANTGARDE der 1970er Jahre

KATALOG | Feministische Avantgarde der 1970er Jahre.
Werke aus der Sammlung Verbund, Wien

Leseprobe

Gebundenes Buch
Leinen mit Schutzumschlag
512 Seiten
200 farbige Abbildungen,
500 s/w Abbildungen
Sprache: Deutsch
23,5 x 28,0 cm

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In der Geschichte der Kunst fungierte die Frau meist als Projektionsfläche männlicher Fantasien, Vorurteile und Beziehungsmuster. In den 1970er-Jahren begannen Künstlerinnen jedoch, sich mit dem Bild des weiblichen Selbst auseinanderzusetzen.

Sie erkundeten ihren eigenen Körper und schufen eine Bildsprache selbstbewusster weiblicher Identität. Die Werke der Pionierinnen des Feminismus in der Kunst waren provokativ, radikal und poetisch, ironisch und zynisch, zornig und authentisch. Alles Vorherige wurde verworfen, neu definiert und mit der Fotografie, Performance, Film und Videokunst wurden neue Ausdruckswege gefunden.

Der Band vereint Werke von Cindy Sherman, Ana Mendieta, Ulrike Rosenbach, Eleanor Antin, Birgit Jürgenssen, Renate Bertlmann, Francesca Woodman und anderen entschieden feministischen Künstlerinnen.

Das Buch erscheint anlässlich der Ausstellungstour: Hamburger Kunsthalle (2015), The Photographers´ Gallery, London (2016), Museum für moderne Kunst Stiftung Ludwig, Wien (2016), ZKM | Zentrum für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe (2017), Haus der Kunst der Stadt Brünn (2017/2018), Stavanger Konstmuseum, MUST, Norwegen (2018).


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Erster umfassender, internationaler Überblick über die dynamische Beziehung von Kunst und Feminismus zwischen 1965 und 1980.

In den 1970er Jahren veränderten Frauen die Art und Weise, wie Kunst gemacht und über sie gesprochen wurde, für immer. WACK! Art and the Feminist Revolution ist eine lang erwartete internationale Studie, die die Auswirkungen der feministischen Revolution auf die Kunst zwischen 1965 und 1980 dokumentiert und bahnbrechende Werke von Künstlerinnen wie Chantal Akerman, Lynda Benglis, Theresa Hak Kyung Cha und Valie Export vorstellt, Mary Heilman, Sanja Ivekovic, Ana Mendieta und Annette Messager, die in dieser Zeit volljährig wurden, sowie andere wie Louise Bourgeois, Judy Chicago, Sheila Levrant de Bretteville, Lucy Lippard, Alice Neel und Yoko Ono, deren Karrieren gut etabliert waren.

Die in „WACK!“ untersuchte Kunst umfasst Werke von mehr als 120 Künstlerinnen und Künstlern aus allen Medien – von Malerei und Skulptur über Fotografie, Film, Installation und Video – nicht chronologisch, sondern thematisch geordnet: Abstraktion, „Autophotographie“, Körper als Medium, Familiengeschichten, Gender-Performance, Wissen als Macht, Kunstgeschichte schreiben und andere.

Das Buch beginnt mit einem reichhaltigen, vollfarbigen Tafelteil, in dem Werke von über 120 Künstlerinnen und Künstlern nach Themen gruppiert sind, darunter Abstraktion, Körper als Medium, Familiengeschichten, Gender-Performance, Wissen als Macht und Kunstgeschichte schreiben. Zu den Höhepunkten gehören die figurativen Gemälde von Joan Semmel, die Performance- und Filmkollaborationen von Sally Potter und Rose English, die unbetitelten Filmstills von Cindy Sherman und die großformatigen, handwerklich gefertigten Skulpturen von Magdalena Abakanowicz. Schriftliche Einträge zu jeder Künstlerin bieten wichtige biografische und beschreibende Informationen, während begleitende Essays von führenden Kritikern, Kunsthistorikern und Wissenschaftlern einen frischen Blick auf die feministische Kunstpraxis aus einer kulturübergreifenden Perspektive bieten. Themen wie die Beziehung zwischen amerikanischem und europäischem Feminismus, Feminismus und New Yorker Abstraktion, Frauenkunst unter der Pinochet-Diktatur und die Darstellung eines globalen Feminismus bieten einen breiten sozialen Kontext für die Kunstwerke selbst.

P.S.1 Contemporary Art Center, New York

MOCA The Museum of Contemporary Art, Los Angeles


ZKM | Karlsruhe

zkm.de

FEMINISTISCHE AVANTGARDE der 1970er Jahre

bis 08. April 2018

Öffnungszeiten

Montag–Dienstag geschlossen
Mittwoch und Freitag 10–18 Uhr
Donnerstag 10–18 UhrSamstag 14–18 Uhr
Sonntag 11–18 Uhr

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