OSKAR KOKOSCHKA Retrospektive

Leopold Museum Wien | bis 08. Juli 2019

Oskar Kokoschka - Selbstbildnis als „entarteter Künstler“, 1937 
© National Galleries of Scotland, Edinburgh. On loan from a private collection, 
© Fondation Oskar Kokoschka/ Bildrecht, Wien, 2018

Im Sommer 2019 präsentiert das Leopold Museum Wien Oskar Kokoschka, den Expressionisten, Migranten und Weltbürger, in einer großen Retrospektive. Highlight unter den rund 200 Werken ist das monumentale Triptychon «Prometheus».


Mit rund 260 Exponaten, darunter Schlüsselwerke aus internationalen Sammlungen wie auch selten oder nie Gezeigtes, beleuchtet Kuratorin Heike Eipeldauer Kokoschkas vielseitiges Œuvre aus sämtlichen Schaffensperioden und Wirkungsstätten wie Wien, Dresden, Prag, London und schließlich Villeneuve.

Kokoschka, dessen Biografie einem Parallellauf durch die Geschichte des 20. Jahrhunderts gleicht, wird dabei zugleich als radikaler Erneuerer und Multitalent präsentiert – als Maler, Zeichner, Druckgrafiker, Literat, Dramatiker und Theatermacher wie auch als Humanist, überzeugter Europäer und durchaus ambivalenter Homo politicus. Zahlreiche Dokumente zeichnen Kokoschkas wechselvolle Beziehung zu seiner „Heimat“ Österreich nach, der er wiederholt abhandengekommen war. Andere Schwerpunkte bilden Kokoschkas gewandeltes Frauenbild – vom Geschlechterkampf bis zur Beschwörung der Mutter als Friedenstifterin –, seine psychologischen, eine Innenschau ermöglichenden Porträts, sowie sein nachhaltiges Eintreten für figurative Kunst, durch das er nachfolgende Künstlergenerationen prägte.

Oskar Kokoschka erhält mit dieser Ausstellung des Leopold Museum, als einer der wichtigsten österreichischen Vertreter der Moderne, die längst überfällige Würdigung jenseits aller Jubiläen und Gedenkanlässe. Als radikaler Neuerer und unbeugsamer Humanist ist Kokoschka zweifellos eine künstlerische Schlüsselfigur, auf die sich nachfolgende Generationen an KünstlerInnen bis heute beziehen. Im Kontext „Wien um 1900“ steht der „Schwierige“ bisweilen zu Unrecht im Schatten von Klimt und Schiele, obwohl gerade Oskar Kokoschka die Wiener Kunstszene und das Bürgertum aufrüttelte und das Feld für Österreichs endgültigen Sprung in die Moderne ebnete.

Zeitzeugen belegen, dass Kokoschka die Diffamierung seiner Kunst als «entartet» während des Nationalsozialismus einigermassen aufrecht überstand: Auftragsarbeiten berühmter Persönlichkeiten aus Literatur, Architektur und Politik sicherten sein Überleben.

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Kunsthaus Zürich | bis 10. März 2019
Leopold Museum Wien | 06. April bis 08. Juli 2019

OSKAR KOKOSCHKA Retrospektive

Expressionist, Migrant, Europäer

Pressetext: Kunsthaus Zürich kunsthaus.ch
Pressetext: Leopold Museum Wien www.leopoldmuseum.org
Kunsthaus Zürich | Kuratorin: Cathérine Hug
Leopold Museum Wien | Kuratorin: Heike Eipeldauer

KATALOG

LESEPROBE

Gebundene Ausgabe
304 Seiten
500 Farbabbildungen
Verlag: KEHRER
Sprache: Deutsch
22,2 x 2,7 x 27,4 cm

Oskar Kokoschka (1886 – 1980) gehört mit Francis Picabia und Pablo Picasso zu jener Malergeneration, die an der gegenständlichen Malerei festhielt, als die Abstraktion nach dem Zweiten Weltkrieg ihre Dominanz etablierte. Dass heute die gegenstandslose Malerei und die Figuration ohne ideologische Grabenkämpfe nebeneinander praktiziert werden können, ist auch ihr Verdienst.

Künstler der Gegenwart berufen sich insbesondere auf Kokoschka. Seine expressionistische Malweise nehmen Nancy Spero, Georg Baselitz, Herbert Brandl und Denis Savary ex- oder implizit zur Inspirationsquelle. Sie schätzen die gestische Artikulation seines Pinselstrichs, loben den weltoffenen Charakter des Wieners oder teilen die pazifistische Haltung, die Kokoschkas Werk, sein Leben und Vermächtnis prägen.

Nach seiner letzten grossen Einzelpräsentation 1986 macht das Kunsthaus nun neue Besuchergenerationen mit dem Werk bekannt, dessen Schöpfer 1980 am Genfersee starb und von dessen Nachlass sich bedeutende Bestände in Vevey und Zürich befinden.

MIGRANT UND EUROPÄER
Im Exil wird Kokoschka zum unbeugsamen Kämpfer für Freiheit, Demokratie und Menschenrechte; ein Humanist, der in seinen Werken Landschaften und Kindern ebenso einen Platz einräumt wie mythologischen Gestalten und Metaphern, die gegen Kriegsgräuel und für die Kraft der Liebe und die Schönheit der Natur stehen. Es ist diese eigenständige, künstlerische Sprache des politischen Protests, die ihn unverwechselbar macht.

Oskar Kokoschka - Die Prometheus Saga 
(Hades und Persephone, Apokalypse, Prometheus), 1950 (Detail),
Öl und Mischtechnik auf Leinwand, 
Hades und Persephone: 239 x 234 cm,
Apokalypse: 239 x 349 cm,
Prometheus: 239 x 234 cm, 
The Samuel Courtauld Trust, The Courtauld Gallery, London, 
© Fondation Oskar Kokoschka / 2018 ProLitteris, Zürich

TRIPTYCHEN ERSTMALS AUSSERHALB ENGLANDS VEREINT
Zwei großformatige, je rund acht Meter breite und über zwei Meter hohe dreiteilige Gemälde – «Prometheus» (1950, The Courtauld Art Gallery, London) und «Thermopylen» (1954, Universität Hamburg) stellen den Höhepunkt von Kokoschkas reifem Werk dar. Und von dieser Retrospektive.

Erst einmal, 1962 in der Tate, waren beide Wandbilder gemeinsam zu sehen. Sie entstanden in einer Transitionsphase: nach einem Jahrzehnt im Londoner Kriegsexil übersiedelte der Künstler 1953 nach Villeneuve in die Schweiz, wo er bis zu seinem Tod 1980 leben sollte.

Das imposante «Prometheus»-Triptychon – ursprünglich eine Innendekoration für einen adligen Auftraggeber in London – war seit 1952, als es an die Biennale von Venedig reisen durfte, nie ausserhalb der Britischen Inseln ausgestellt. Die Darstellung des Prometheus, Urheber der menschlichen Zivilisation, ist wie das «Thermopylen»-Triptychon ein Appell an die Menschen, sich als Brüder und Schwestern in Frieden und Freiheit zu vereinen.

Neben der inhaltlichen Dimension kann an diesen Exemplaren auch der Schaffensprozess abgelesen werden, mit dem sich Kokoschka von anderen Zeitgenossen unterschied. Pinselstriche und Farbverläufe lassen den Betrachter die Bewegung des Künstlers, einen für die figurative Malerei unüblichen performativen Produktionsprozess, erkennen.

Der an der Figuration festhaltende Expressionist, der eine Schule des Sehens gründete, die bis heute in Salzburg fortbesteht, galt damals vielen als antimodern – tatsächlich kämpfte er für einen demokratischen Zugang zu Bildung und für eine offene Gesellschaft.

Oskar Kokoschka - Das rote Ei, Detail, 1940–1941, 
Öl/Lw, 61 x 76 cm (National Gallery in Prague)
© Fondation Oskar Kokoschka, Vevey / 2017 ProLitteris, Zürich)

PRESSESCHAU

Er war Europäer, Emigrant, Humanist – und warnte vor der Gefährdung von Menschlichkeit und Freiheit

Philipp Meier für die NZZ | Artikel lesen

Was uns heute Oskar Kokoschka mit seinen politischen Bildern sagt, ist hoch aktuell, wie das Kunsthaus Zürich in einer umfassenden Retrospektive zeigt.

„Ist diese Malerei noch von Relevanz? Eine berechtigte Frage in Anbetracht eines so zeittypischen Künstlers wie Oskar Kokoschka, der doch heute längst aus der Mode geraten zu sein scheint. Kokoschka aber ist in seiner Kunst Europäer. Das klingt nach nichts Besonderem. Genau hier aber lässt sich ansetzen. Denn Kokoschka, das ist das europäische Dilemma, wie wir es heute erleben. Kokoschka, das sind wir. Dieser Maler verkörpert in seiner Person wie in seiner Kunst, was Europa heute umtreibt.“


Über Stilgrenzen hinweg

Carsten Probst für Deutschlandfunk Kultur | Artikel lesen

„… die traumatische Beziehung zu Alma Mahler einschließlich der Abtreibung des gemeinsamen Kindes durch Alma Mahler. Die Beziehung war ein Wendepunkt im Leben Kokoschkas und zeichnete sich deutlich in seinem Werk ab

Die legendäre Alma-Puppe aber, die Kokoschka 1918 bei der Puppenmacherin Hermine Moos bestellte und die er zwei Jahre lang als malerisches und seelisches Werkzeug benutzte, ist hier als wirklich kuriose Kopie zu sehen. Das Original wurde 1920 symbolisch vom Kokoschka enthauptet und auf den Müll geworfen. Trotz seiner Depressionen in der Zeit nach dem Ende des Ersten Weltkrieges: Finanziell und künstlerisch erlebte er mit seiner Malerei danach vor allem in seiner Dresdner Zeit eine Blüte. Nur wenige Künstlerfiguren haben die Zeitenwenden der Weltkriege hinweg so intensiv-persönlich in ihrem Werk aufnehmen und spiegeln können.“

VIDEO | Kokoschkas Puppenmacherin

Das Leben von Hermine Moos / BR, 11 Min

Die Puppe, die sich Oskar Kokoschka von seiner Geliebten Alma Mahler anfertigen ließ, ist berühmt. Doch über die Puppenmacherin Hermine Moos weiß man fast nichts. Die Journalistin Justina Schreiber wollte das ändern. Eine schwierige und spannende Spurensuche.


Im Sturm der Geschichte

Sabine Altorfer für die Aargauer Zeitung | Artikel lesen

Erst vor den Originalwerken offenbart sich Oskar Kokoschkas malerische Wucht. In Zürich bietet eine Retrospektive (fast) den ganzen Maler: Klug und grosszügig angerichtet, offenbart sich ein Jahrhundertwerk.

„Die Schau ist logisch-chronologisch aufgebaut, erzählt in 8 Kapiteln von 80 Jahren OK. Interessant ist ein Gang rückwärts durch dieses Labyrinth, das mit grünen und blauen Wänden eine dunkle Atmosphäre schafft, in der die hell erleuchteten Figuren der Gemälde umso krasser hervortreten. Quasi von heute aus immer tiefer in die Vergangenheit einzutauchen, zeigt eindrücklich, wie das 20. Jahrhundert Kokoschka durchgeschüttelt hat.“


VIDEO | Der Maler Oskar Kokoschka (1886-1980) erzählt von seinen Einflüssen, Reisen, Begegnungen, Überzeugungen, wichtigen Einschnitten in seinem Leben und seiner künstlerischen Entwicklung (Doku 1966)


Leopold Museum-Privatstiftung
MuseumsQuartier Wien
Museumsplatz 1
1070 Wien

ÖFFNUNGSZEITEN
Täglich: 10–18 Uhr, Donnerstags: bis 21 Uhr
Dienstags geschlossen
Juni, Juli, August täglich geöffnet

EINTRITT: 14,-

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