Ferdinand KRIWET – yester and today

Ferdinand Kriwet | U-Bahn, New York, 1969 [Kriwet-Box: Cover]

Im Frühjahr 2011 widmet die Kunsthalle Düsseldorf dem Gesamtwerk des gebürtigen Düsseldorfers Ferdinand Kriwet (geb. 1942) als weltweit erste Institution bis zum 01.05.2011 eine umfassende retrospektiv angelegte Schau. Ferdinand Kriwet ist ein Pionier der Medienkunst.

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Pressetext Kunsthalle Düsseldorf

Hörtexte – Sehtexte

Seiner Zeit voraus, beschäftigte er sich bereits in den 1960er Jahren in Ausstellungen, Bühnenauftritten und Hörspielen mit unseren von der Reizüberflutung der Massenmedien beeinflussten Sehgewohnheiten und analysierte die Sprache von Fernsehen, Werbung und Fotografie.

Analog zur Bildenden Kunst, die sich seit den 1950er Jahren mehr und mehr von den traditionellen Disziplinen wie Skulptur und Malerei löste, wurde in der Nachkriegszeit auch in der Literatur nach neuen, zeitgemäßen Ausdruckformen gesucht. Kriwet, dessen Wurzeln in der konkreten Poesie liegen, beschreibt sich selbst als visuellen Poet. Sein Interesse gilt der Sprache, die für ihn nicht nur Wort, sondern auch Bild ist.

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Der Sprachmonteur

Jochen L. Stöckmann
für DEUTSCHLANDRADIO Kultur
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„… Buchstabengestöber der Großstadt, etwa die Plakatwerbung, liefert Rohstoff für seine Experimente. Franz Mon, Nestor der Konkreten Poesie und Förderer des jungen Künstlertalents, schärft ihm ein: „Es gibt nichts sichtbares, was nicht auch lesbar wäre.“ Kriwet hält sich daran, lässt mit typografischem Geschick die Lettern tanzen, tippt auf der DIN-A3-Schreibmaschine wie aus dem Unbewussten heraus endlos lange „Leseblätter“, verfremdet Slogans zum kreisrunden „Scheibentext“. Ganze Museumswände sind damit bedeckt: ein Panorama aus Alltagsfragmenten und Realitätspartikeln, komponiert nach dem Muster von Kriwets Radioarbeiten.“

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Bereits im Alter von 19 Jahren veröffentlichte er ROTOR, seine erste Publikation im Kölner DuMont Verlag. Mit der in den frühen 1960er Jahren entstandenen Werkgruppe „Rundscheiben“, entwarf er Texte ohne Anfang und Ende mit mehrdeutigem und unbestimmtem Inhalt, die keine Leserichtung vorgeben und den Betrachter selbst zur Bedeutungsproduktion auffordern.

In den Folgejahren eroberten seine Neonschriften, Wandbemalungen und Leitsysteme den öffentlichen Raum. Er produzierte etliche Rundfunkbeiträge und gestaltete Kunst-am-Bau-Projekte, wie beispielsweise das Wappen für den Landtag in Nordrhein-Westfalen oder eine Licht-Text-Säule für ein Essener Postamt, bevor er sich Ende der Achtziger Jahre allmählich aus dem Kunstbetrieb zurückzog.

In seiner Heimatstadt Düsseldorf war der Künstler zuletzt 1975 mit einer Ausstellung im Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen und im Rahmen des legendären Aktionsraums Creamcheese präsent. Gut 35 Jahre später zeigt die retrospektiv angelegte Schau in der Kunsthalle Düsseldorf erstmalig einen umfassenden Überblick über Kriwets vielschichtiges Œuvre. Neben den ersten Rundscheiben und Poem Paintings werden die Hör- und Sprechtexte, Publikationen, Film- und Fernsehbeiträge, Neonarbeiten und Mixed-Media-Installationen vorgestellt sowie neue und eigens für die Schau konzipierte Arbeiten gezeigt.

Damit präsentiert die Kunsthalle Düsseldorf das Werk eines Künstlers, der sich bereits zu Beginn der Massenmedialisierung unserer Gesellschaft mit der Bedeutung von Medienkompetenz auseinandersetzte und dessen Arbeiten heute, im Zeitalter des Internets, aktueller sind denn je.

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KRIWET – yester ´n´ today

Kunsthalle Düsseldorf
19.02.11 – 01.05.11

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Ferdinand Kriwet (*1942)

begann seine Radioarbeit 1961 mit dem Sprechtext Offen. Es folgten Sehtexte, die das traditionelle Medium Buch verließen und in Ausstellungen und auf Plakatwänden veröffentlicht wurden. Parallel dazu entwickelte Kriwet theoretische Manifestationen zur akustischen Literatur, die die Grundlage für seine Radioarbeiten wurden. Bild und Ton hat er in „Textfilmen“ komponiert für Mixed-Media-Shows in Kunsthallen, Kirchen und Kinos.

Für seine vielfältigen Aktivitäten wurde er mit internationalen Preisen ausgezeichnet. Seine zumeist auf Medienzitaten aufbauenden „Hörtexte“ werden nach musikalisch-rhythmischen Strukturen komponiert. Über zehn seiner Hörcollagen entstanden in Zusammenarbeit mit dem Studio Akustische Kunst, u.a. One Two Two, Voice of America, Apollo America, Campaign, Modell Fortuna, Ball, Radioball (Karl-Sczuka-Preis) und Radio (Premio Ondas).

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KATALOG KRIWET. Yester ’n‘ Today

Werküberblick der letzten vierzig Jahre

LESEPROBE

288 Seiten,
mit 196 farbigen Abbildungen
und 140 s/w Abbildungen
H 29 x B 22,5
Hardcover

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Begleitend zur Ausstellung erscheint erstmalig eine umfassende Publikation mit zahlreichen Farbabbildungen. Texte: Einleitung von Gregor Jansen; Kurzessays u. a. von Sven Beckstette, Konrad Boehmer, Marc Matter, Franz Mon, Werner Ruhnau, Klaus Schöning, Christoph B. Schulz und Jan Wenzel sowie ein Interview von Helga Meister mit Ferdinand Kriwet.

Ferdinand Kriwet (*1942) veröffentlichte bereits im Alter von 19 Jahren ›ROTOR‹, seine erste Publikation im DuMont Buchverlag. Sein Werk umfasst Malerei, Musik, Texte, Poesie und Mixedmedia. Er lebt in Dresden.

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Bild-Ton-Collagen | Konkrete Poesie | Apollovision

Ferdinand Kriwet beschrieb 1969 wenige Wochen vor der Realisierung seines Hörtextes Apollo Amerika sein Projekt:

„Zwischen dem 10. Juli und 10. August werde ich in Amerika sein. Und es begibt sich zu dieser Zeit (voraussichtlich), daß die amerikanischen Astronauten Edwin Aldrin, Neil Armstrong und Michael Collins als die ersten Menschen der uns bekannten Menschheitsgeschichte mit dem Raumschiff APOLLO 11 den Mond umkreisen und mit dem Lunar Module, der Mondlandefähre oder ‚Spinne‘, auf ihm landen und von ihm wieder zur good earth zurückkehren werden.

Thema meines sechsten Hörtextes Apollo Amerika ist die Wahrnehmung all dessen, was ich im Radio, Fernsehen oder sonstwie vermittels technischer oder menschlicher Information von oder über das Projekt APOLLO 11 höre.“

Der XXL-Radiohörer

TAZ – Björn GottsteinArtikel lesen

„Hörtexte“ nannte der heute in Dresden lebende Künstler seine akustischen Collagen, in denen er die Sprache der Massenmedien zu einer „poetischen Analyse“ verdichtete. Mit Akribie und Eifer sammelte er Ausschnitte aus Radio- und Fernsehsendungen, sezierte und montierte sie zu mehrstimmig-rhythmischen Kompositionen.

Kriwet war kein Hasardeur, der auf Zufälle wartete. Für das Stück „Apollo Amerika“ mietete er 1969 in New York zur Mondlandung ein Hotelzimmer und Radio- und Fernsehgeräte, um sich dort für die drohende Epiphanie der Menschheit zu wappnen.

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APOLLOVISION (1969)

… wo deutlich wird, wie die US-amerikanischen Medien die Mondlandung zu einem religiösen Ereignis umdeuten. Mit biblischer Rhetorik wird Raumfahrt zu einem spirituellen und patriotischen Unterfangen, während die Radiostimmen den Mythos vom auserwählten Volk beschwören. Gottgleich dröhnt Armstrongs Stimme aus dem All. „Apollo Amerika“ ist, der Distanz des Künstlers zum Trotz, ein Stück Ideologiekritik.

Kriwet schuf APOLLOVISION zur Zeit der Apollo-Mission in den USA und benutzte für seine Arbeit Informationen und Materialien aus Radio, Fernsehen und Zeitungen, die über das Spektakel berichteten. Er selbst beschreibt diese Filme als „Bild-Ton-Collage“, produzierte aber gleichzeitig Konkrete Poesie, Hörspiele und Geräusch- und Klangkunst.

Kriwets Arbeiten beschreiben den Versuch eine Vorstellung von der allgegenwärtigen Geräuschkulisse zu vermitteln, die uns auf Kurz-, Mittel- oder Langwelle begleitet. Sein Ansatz politisch engagierter Avantgarde-Kunst wurde beeinflusst von künstlerischen und konzeptuellen Strömungen vom Konstruktivismus über Neue Musik und Beat Generation bis zum Pop.

Apollo Amerika zählt heute zu einem herausragenden künstlerischen Dokument dieses spektakulären Ereignisses in der Geschichte der Menschheit.

AUDIOApollo America | 1969

Realisation: Ferdinand Kriwet
Produktion: Studio Akustische Kunst WDR Köln/SWF/BR 1969
Redaktion: Klaus Schöning
21 min

Das Klangmaterial für seine Hörtexte entstammt hauptsächlich Hörfunk und Fernsehen, einem Sound-Pool, der uns auf allen Wellen ständig umgibt. Organisiert nach semantischen und musikalisch-rhythmischen Gesichtspunkten, fügen sich die Medienzitate zu eindrucksvollen auditiven Collagen. Seine frühen Hörstücke verarbeiten die massenmedialen Repräsentationen der ersten bemannten Mondlandung (1969) und der amerikanischen Präsidentschaftswahlen 1973, Fragmente aus Sportreportagen und weiteres Sprach – und Klangmaterial aus dem Rundfunk.

Für seine vielfältigen Aktivitäten wurde Kriwet mit internationalen Preisen ausgezeichnet. Mit Voice of America, Apollo America, Campaign, Ball, Radioball und Radio wurden 2007 sechs seiner frühen Hörfunkarbeiten erstmals auf Tonträger veröffentlicht.

 

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Ferdinand Kriwet: Hörtexte

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3LP Picture Discs

Sechs Hörtexte von Ferdinand Kriwet (*1942) in einer edel gestalteten 3-LP-Picture-Disc-Luxus-Box

Mit „Voice of America“, „Apollo America“, „Campaign“, „Ball“, „Radioball“ (Karl-Sczuka-Preis 1975) und „Radio“ werden hier sechs seiner legendärer Radioarbeiten erstmals auf Tonträger veröffentlicht.

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Das Klangmaterial für seine „Hörtexte“ entstammt hauptsächlich Rundfunk und Fernsehen, einem Sound-Pool, der uns auf allen Wellen ständig umgibt. Organisiert nach semantischen und musikalisch-rhythmischen Gesichtspunkten, fügen sich die Medienzitate zu eindrucksvollen auditiven Collagen. Die hier präsentierten Hörstücke verarbeiten die massenmedialen Repräsentationen der ersten bemannten Mondlandung (1969) und der amerikanischen Präsidentschaftswahlen 1973, Fragmente aus Sportreportagen und weiteres Sprach- und Klangmaterial aus dem Rundfunk.

Ferdinand Kriwet Hörtexte Zwei

Ferdinand Kriwet: Hörtexte Zwei

2 Vinyl LP
PictureDisc 1 A+B 30:00 min
PictureDisc 2 A+B 38:02 min
Tracklist: Offen, Hörtext I, Rotoradio.

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From Concrete Poetry: A World View

Mary Ellen Solt (1968, Indiana University Press)

Ferdinand Kriwet, also finding the conventional use of words in books inadequate for poetry of our time, has developed a concept of visual form which manifests itself variously as: POEM-PAINTINGS ; PUBLIT (PUBLIC LITERATURE) and SEHTEXTE (VISUAL TEXTS). Although he intends for his PUBLIT to be viewed in galleries like paintings, Kriwet does not think of himself as a painter; but rather as a writer who takes language „at its picture value“ as well as at its „word value.“ He attempts to apply our „experience gained in public lettering for literary purposes.“ Like Mon, he hopes that the text „can be perceived immediately“ („coincidentally“) as a whole; and that „it has, at least at . . . first glance,‘ sign character, as have all public texts on notice-boards, house fronts, hoardings, signs, lorries, on roads and runways etc.,“ which „remember their ideographical origin, their status before the creation of phonetics.“

Removing the PUBLIT from the book designed for the eye of the solitary reader to the gallery where it can be „read“ simultaneously by a group of readers, Kriwet does not wish to imply that book presentation of poems is entirely outmoded. On the contrary: „the age of the book has yet to come.“ The „flight of literature from the book out in front of the public“ simply makes clear to us the fact that the book is a particular kind of functional object and „defines literature in book form as significant only when it is especially composed for it.“

In the SEHTEXTE semantic content is less in evidence than in the PUBLIT, but Kriwet believes that it is „impossible to eliminate“ semantics entirely. It enters into „the smallest language particle or rudiment on the background of experience and knowledge of writing and language,“ he contends. It is often possible to make out whole words within the intricate structures of the SEHTEXTE: the word „man,“ for example, in the SEHTEXTE we are presenting. But their primary intent is „to employ the possibilities of lettering in its widest sense productively and not just reproductively . . . to stimulate new experience in language and to convey and extend consciousness of reality, as far as this manifests itself as a current of thought in language.“

At „first glance“ the SEHTEXTE have „sign character.“ Their form is „open; its beginning and end are both fictitious. Their development is nowhere definite,“ with the result that the „reading activity“ of the viewer must „complete the text anew in each case and thus leave it always open.“ Reading becomes analogous with the „independent“ performance of a piece of contemporary music, for the „process of reading“ is of equal importance with „that which is read“ which becomes „no longer exclusively essential.“

Kriwet believes that „only those will mock the missing ‚meaning‘ for whom the literary art is of no other use than to add non-linguistic interest to the statement.“ Despite their departures from literary convention, he argues, the SEHTEXTE remain within the territories of poetry because their area and media of communication are basically linguistic, even though they require „the appreciative deciphering of intricate fine structures.“

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