PAULA MODERSOHN-BECKER

Schirn Kunsthalle, Frankfurt | bis 06. Februar 2022
Paula Modersohn Becker 1200 PAULA MODERSOHN BECKER
Paula Modersohn-Becker (1876–1907) 
Selbstbildnis vor grünem Hintergrund mit blauer Iris | Ausschnitt
Öl auf Leinwand, gemeinfrei via wikipedia

Die Schirn Kunsthalle Frankfurt widmet sich dem Gesamtwerk Paula Modersohn-Beckers und zeigt in einer umfassenden Retrospektive, wie entschieden sie sich über gesellschaftliche und künstlerische Konventionen ihrer Zeit hinwegsetzte und zentrale Tendenzen der Moderne vorwegnahm.


Die Ausstellung versammelt in Frankfurt 116 ihrer Gemälde und Zeichnungen aus allen Schaffensphasen, darunter Hauptwerke, die heute als Ikonen der Kunstgeschichte gelten, etwa das Selbstbildnis am 6. Hochzeitstag (1906).

Präsentiert wird ein aktueller Blick auf das Werk dieser frühen Vertreterin der Avantgarde. In der nach prägnanten Serien und Bildmotiven gegliederten Präsentation stehen insbesondere auch Modersohn-Beckers außergewöhnlicher Malduktus und ihre künstlerischen Methoden im Fokus, die zu einer vielfältigen Rezeption ihres Schaffens beitrugen.

Keine andere deutsche Künstlerin der Klassischen Moderne hat in der öffentlichen Wahrnehmung einen solch legendären Status erreicht wie Paula Modersohn-Becker (1876–1907). In ihrem kurzen Leben schuf sie ein umfassendes und facettenreiches Œuvre, das über 100 Jahre zur Projektionsfläche wurde und bis heute fasziniert.

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Schirn Kunsthalle, Frankfurt | bis 06. Februar 2022

PAULA MODERSOHN-BECKER

Pressetext: Schirn Kunsthalle, Frankfurt
Kuratorin: Ingrid Pfeiffer
Audio-Guide, gesprochen von Sophie Passmann | www.schirn.de/audioguide
Paula Modersohn Becker Katalog 700 PAULA MODERSOHN BECKER

KATALOG | PAULA MODERSOHN-BECKER

Gebundene Ausgabe
220 Seiten
Herausgeber: Hirmer
Sprache: Deutsch
180 Abbildungen in Farbe
24.4 x 1.8 x 29.5 cm

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Anhand von 116 Werken wirft der umfassende Band einen neuen Blick auf Modersohn-Beckers Gesamtwerk vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Konventionen und künstlerischer Umbrüche um 1900. Durch das Hinterfragen bestehender Interpretationen und das vielschichtige Ergründen ihrer besonderen, teils radikalen Motive sowie ihres eigenwilligen Malstils zeigt das Buch, wie Paula Modersohn-Beckers Werke zu Ikonen wurden und was ihre zeitlose Faszination ausmacht.

Mit strahlenden Abbildun­gen und frischen Erkenntnissen nehmen die Textbeiträge die Modernität von Paula Modersohn-Becker in den Fokus.


Ab 1898 lebte Paula Modersohn-Becker in der Künstlerkolonie Worpswede, unterbrochen durch vier längere Aufenthalte in Paris. Ihr umfangreiches Œuvre aus rund 734 Gemälden und etwa 1500 Arbeiten auf Papier spiegelt die Einflüsse dieser beiden gegensätzlichen Orte deutlich wider.

Trotz fehlender weiblicher Vorbilder und auch während ihrer Ehe mit dem Worpsweder Landschaftsmaler Otto Modersohn verfolgte sie mit großer Disziplin ihre eigenständige künstlerische Entwicklung. Ihre Werke entstanden in oft einsamer Auseinandersetzung mit der älteren Kunstgeschichte und aktuellen Tendenzen der Kunst, die sie in der französischen Metropole studierte.

In großen Werkserien umkreist sie ein wiederkehrendes Repertoire von Bildmotiven: Einen besonderen Schwerpunkt stellen Porträts und Selbstporträts dar, weitere zentrale Werkkomplexe sind Kinderbildnisse, Darstellungen von Mutter mit Kind, Bäuerinnen und Bauern, Akte, Landschaften aus Worpswede und Paris sowie Stillleben. Dabei fand sie zu überzeitlichen, allgemeingültigen Bildern und unabhängigen Darstellungen.

Ihre Arbeiten sind rigoros, bisweilen radikal anders als die ihrer Zeitgenossen. Dem hohen eigenen Anspruch der Künstlerin steht ihr zu Lebzeiten völlig ausbleibender äußerer Erfolg gegenüber. Erst nach ihrem Tod wurde ihr Werk als Entdeckung gefeiert, gesammelt und ausgestellt, dabei in seiner Ambivalenz vielfach vereinnahmt.


VIDEO | PAULA MODERSOHN-BECKER – Eine legendäre Malerin | SCHIRN Ausstellungsfilm


Ein besonderer Fokus im Schaffen Paula Modersohn-Beckers liegt auf der Darstellung des Menschen, dem Porträt. Insbesondere ihre Selbstporträts sind eines ihrer wichtigsten künstlerischen Experimentierfelder und bilden den Auftakt der Ausstellung in der Schirn.

Zu sehen ist eine Auswahl dieser malerisch und stilistisch höchst unterschiedlichen Werkgruppe, die ihre gesamte Entwicklung spiegelt und als fortwährender Akt der künstlerischen Selbstvergewisserung diente. Bereits in dem frühen Selbstbildnis (um 1898) wird ihre zentrale malerische Methode sichtbar: die Nahsicht.

Das komplexe Werk liefert zahlreiche Anspielungen auf kunsthistorische Vorläufer und deutet diese zu einer um 1900 äußerst gewagten Selbstdarstellung um. Nackt und mit angedeuteter Schwangerschaft stellt sich Modersohn-Becker selbstbewusst und feminin dar – doppelt potent als Künstlerin und als Frau.

Viele Figurenbilder von Paula Modersohn-Becker kennzeichnet eine unverwechselbare Mischung aus Nähe und Distanz, aus Naturalismus und Symbolhaftigkeit, mit der diese auf die Ebene des Überzeitlichen und Allgemeingültigen gehoben werden.

Paula Modersohn Becker Girl with child Google Art Project PAULA MODERSOHN BECKER
Paula Modersohn-Becker [Public domain], via Wikimedia Commons
Mädchen mit Kind [ Google Art Project ]

Diese Darstellungsweise charakterisiert auch ihre einzigartigen Kinderbildnisse sowie ihre Mutter-Kind-Bilder. Mit insgesamt über 400 Arbeiten von meist bäuerlichen Kindern bilden diese im Werk Modersohn-Beckers die größte Gruppe.

Die Auswahl an Kindermotiven in der Schirn verdeutlicht, mit welch großer Intensität sich die Künstlerin diesem im späten 19. Jahrhundert besonders beim bürgerlichen Publikum beliebten Sujet widmete. Allerdings verzichtete Paula Modersohn-Becker vollkommen auf die damals übliche idealisierende Darstellung.

Eine ungewöhnliche, in der zeitgenössischen Kunst beispiellose Methode entwickelte Paula Modersohn-Becker durch das extreme Heranrücken und den Anschnitt ihrer Bildmotive. Die Ausstellung versammelt Arbeiten wie Hand mit Blumenstrauß (um 1902), Katze in einem Kinderarm (um 1903) oder Kind an der Mutterbrust (um 1904), bei denen diese Nahsicht geradezu an einen fotografischen „Zoom“ erinnert – obwohl die Fotografie um 1900 noch gar nicht so weit entwickelt war –, womit sie einen Effekt von Unmittelbarkeit und zugleich erzählerisches Potenzial entfaltet.


Paula Modersohn Becker Die Malerin die in die Moderne aufbrach Monografie 700x1011 PAULA MODERSOHN BECKER

MONOGRAFIE | Paula Modersohn-Becker.
Die Malerin, die in die Moderne aufbrach

LESEPROBE

Gebundene Ausgabe, Hardcover in Leinen
240 Seiten
120 Abbildungen
Herausgeber: C.H.Beck, 2021
Sprache: Deutsch
17.5 x 2.1 x 24.3 cm

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Uwe M. Schneede, ehemaliger Direktor der Hamburger Kunsthalle und einer der besten Kenner von Paula Modersohn-Beckers Werk, zeigt in seiner umfassenden Monographie, wie die Künstlerin diese wichtigen Eindrücke in eine eigene Bildsprache umsetzte. Als sie 1907 im Alter von nur 31 Jahren starb, hatte sie mit ihrem bedeutenden Œuvre die kurze Epoche zwischen dem Alten und dem Neuen, dem 19. und dem 20. Jahrhundert, künstlerisch wesentlich geprägt und den deutschen Avantgarden den Weg geebnet. Heute steht sie paradigmatisch für die erste Generation von selbständigen, mutigen Malerinnen der Moderne.

Um Lichtjahre voraus

Eva Hepper für Deutschlandfunkkultur | Beitrag lesen

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„So über Kunst zu lesen, macht Freude. Tatsächlich ist das Buch ein Gewinn für Laien und Kennerinnen zugleich. Und weil auch Paula Modersohn-Becker selbst immer wieder zu Wort kommt – durch Zitate aus ihren Briefen und Tagebüchern –, hält der Autor stets eine feine Balance zwischen lebendigem Stil und wissenschaftlichem Anspruch.“


Paris. Leben wie im Rausch

Paula Modersohn-Becker ist eine der bedeutendsten Malerinnen zu Beginn der Moderne. Und doch: Bis heute wurde vor allem der Aufbruch der Männer-Moderne wahrgenommen: Cezanne, Gauguin, van Gogh, Munch, Picasso, Rodin und andere.

Doch ohne Paula Modersohn-Becker und einige andere Künstlerinnen sähe die Kunst des frühen zwanzigsten Jahrhunderts anders aus.“

Paula Modersohn Becker Paris Leben Rausch Biografie PAULA MODERSOHN BECKER

BIOGRAFIE | Paula Modersohn-Becker. 
Paris – Leben wie im Rausch

Gebundene Ausgabe
336 Seiten
Sprache: Deutsch
22 x 15,4 x 3 cm

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Zum 100. Todestag der Künstlerin, am 20. November 2006, ist von der Kunsthistorikerin Renate Berger die Schilderung der prägendsten und aufregendsten Zeit der Künstlerin erschienen: die „Pariser Jahre“ zwischen 1900 und 1907.

Begleitet wird sie bei ihren zahlreichen Aufenthalten in der französischen Metropole von der Freundin und Malerin Clara Westhoff, der Ehefrau Rainer Maria Rilkes. Die Stadt an der Seine ist ein Abenteuer, eine Flucht aus der Enge der deutschen Provinz in eine Welt, in der die Sprache der Kunst neu erfunden wurde, und die Modersohn-Becker schließlich in Worpswede auf die ihr eigene Weise weiterentwickeln wird. Paris ist aber auch der Ort, an dem Paula Modersohn-Becker ganz zu sich findet und ihr Leben endgültig selbst in die Hand nimmt.

So steht sie auch am Anfang einer sehr aktuellen, unaufgeregten und zugleich entschiedenen Selbstbefreiung der moderner Frauen.


PAULA | Mein Leben soll ein Fest sein

VIDEO | Biopic über Paula Modersohn-Becker Christian Schwochow erzählt die Lebensgeschichte einer der bedeutendsten Malerinnen des Expressionismus.

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PRESSESCHAU

Der intime Blick auf die Welt und die Menschen

Sandra Danicke für die Frankfurter Rundschau | Artikel lesen

„Obwohl Modersohn-Becker unter ihren Kolleginnen und Kollegen hochgeschätzt war, blieb der Erfolg zu Lebzeiten aus. Vielfach wurden ihre Bilder gar als „hässlich“ und „primitiv“ verspottet, 1933 wurden sie von den Nationalsozialisten als „entartet“ geschmäht. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Werk von Paula Modersohn-Becker geschätzt, gesammelt und verstärkt ausgestellt. Die Malerin war ihrer Zeit schlichtweg voraus.“


Entdeckerin der Moderne

Kia Vahland für die Sueddeutsche Zeitung | Artikel lesen

„Die Kompositionen zu reduzieren, das war einer ihrer Tricks, um die Malerei in Bewegung zu bringen, zeitgleich zu und unabhängig von Pablo Picasso. „Dieses unentwegte Brausen dem Ziele zu, das ist das Schönste im Leben“, schrieb Paula Modersohn-Becker ihrer Mutter im Jahr 1906, entschuldigend dafür, dass sie, Tochter aus gutem Hause, vielleicht manchmal „liebearm“ wirke. Und: „Es ist ein Konzentrieren meiner Kräfte auf das Eine.“ Ein weibliches Genie zu sein heißt, permanent in Erklärungsnot zu geraten.“


SCHIRN KUNSTHALLE Frankfurt

www.schirn.de

PAULA MODERSOHN-BECKER

Ausstellung bis 06. Februar 2022

Bitte beachten Sie die Informationen zum Schutz- und Hygienekonzept des Museums, zur Eindämmung der Corona-Epidemie.


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