Apr
16
Dani Karavan | Retrospektive
April 16, 2008 |
KUNSTSCHAU Hamburg - Jens Ullheimer - PT Martin-Gropius-Bau, Berlin |
Erstmals ist in Deutschland dem israelischen Künstler Dani Karavan eine große Retrospektive gewidmet. Die Ausstellung wird bis zum 01. Juni 2008 im Martin-Gropius-Bau gezeigt und entstand in Zusammenarbeit mit der Nationalgalerie – Staatliche Museen zu Berlin. Die Ausstellung ist ein Beitrag zum 60. Geburtstag Israels.
Das Besondere der künstlerischen Arbeit von Dani Karavans ist es, Stadt- und Landschaftsräume auf neue und bemerkenswerte Weise erfahrbar und erlebbar zu machen. Er geht bei dieser gestalterischen Verwandlung immer von der Geschichtlichkeit des Ortes aus und entwickelt mit seinen komplexen Zeichensetzungen vielfältige gesellschaftliche, historische und politische Bezüge, die dem Betrachter durch eine ungewohnte und ästhetisch höchst verdichtete Gestaltgebung bewusst werden.
Aus den Potentialen der Erinnerung transformiert er neue sinnliche und kommunikative Erfahrungsräume.In diesem Prozess spielt der intensive Dialog zwischen Mensch, Natur und Kunst eine entscheidende Rolle, denn Karavan geht von der elementaren Auffassung aus:
“Alles, was die Menschen wissen, geht auf die Natur zurück. Alle Formen, ob verborgen oder offen, finden sich in der Natur. Realität wird zum Ort der Meditation.”
Die Ausstellung im 1. Obergeschoss des Martin-Gropius-Bau wird in 20 Räumen einen umfassenden Überblick über Dani Karavans Schaffen geben. Beginnend mit einem Einblick in die künstlerischen Anfänge werden alle wichtigen Werkphasen und ihre Hauptwerke vorgestellt.Die großen Environments im öffentlichen Raum werden durch Modelle, Fotografien und beeindruckende Filme dokumentiert.
In spannendem Kontrast dazu entwickelt Dani Karavan für die Ausstellung neue Installationen, die seine Arbeitsweise, den Umgang mit bestimmten Materialien und Metaphern veranschaulichen. Ausgehend von seiner Arbeitsweise, die Erinnerungspotentiale eines Ortes künstlerisch zu erschließen, reagiert der Künstler in Berlin auf die Spuren der faschistischen Vergangenheit, der Teilung der Stadt und ihrer Überwindung. So soll am Eingangsportal des Martin-Gropius-Bau, in unmittelbarer Nähe der einstigen Mauer, eine Arbeit zu dieser Thematik installiert werden.
Dani Karavan. Retrospektive
| Martin-Gropius-Bau, Berlin
| bis zum 01. Juni 2008
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Dani Karavan
| personal website
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KATALOG
| Dani Karavan. Retrospektive
zur Ausstellung im Martin-Gropius-Bau Berlin, 2008
und im Tel Aviv Museum of Art
| 407 Seiten
| 386 meist farb. Abb.
| Gebundene Ausgabe
| Deutsch, Englisch
| 30 x 26,2 x 3,2 cm kaufen bei amazon
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Dani Karavan,
der heute in Paris und Tel Aviv lebt, hat seine Arbeiten in vielen Ländern realisiert, so in Israel, Italien, Frankreich, Deutschland, Dänemark, den Niederlanden, Spanien, den USA, Korea, Japan und besonders in Deutschland. Seit seiner Teilnahme an der documenta 6 in Kassel 1977 ist Deutschland für Dani Karavan zu einem der wichtigsten Orte seiner künstlerischen Arbeit geworden, denn hier entstanden eine ganze Reihe bedeutender Werke für den öffentlichen Raum. Dazu gehören “Ma alot” in Köln (1979 / 1986), die “Straße der Menschenrechte” (Way of Human Rights) in Nürnberg (1989 / 1993), “Mimaamakim” in Gelsenkirchen (1997) und “Grundgesetz 49″ in Berlin (2002).
“Die Kunst, die Freiheit des künstlerischen Ausdrucks so zu nutzen, um Orte kulturell zu vergeistigen, die sonst einer puren Bauordnung und Planung unterliegen, ist in unserem Jahrhundert meines Erachtens nur Dani Karavan gelungen. Er hat diese Ziele vielfältig erreicht, weil er keine Angst davor entwickelte, seine Produkte jenseits der genannten Schnittstelle den Benutzern zu überlassen. Er war sich immer sicher, dass seine Kunst sinnvoll ist, dass eine neue Nützlichkeit der Kunst wieder gefragt ist. Damit verschreibt sich aber Karavan auch der Utopie, der Hoffnung, dem Träumen wie der Trauerarbeit.”
Zit. nach: Dieter Ronte (Hrsg.), Dani Karavan. Träger des Goslaer Kaiserrings 1996. Ausst.-Kat. Mönchehaus – Museum für moderne Kunst Goslar, Goslar 1996, S. 18, S. 22.
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Ich bin wie ein Schneider
BERLINER ZEITUNG - Sebastian Preuss
Die Kunst der Moderne wollte autonom sein. Lange und erbittert verteidigten die Künstler wie einen ideologischen Fetisch ihre Freiheit. Auftragskunst war verpönt. Wenn Kunst jedoch Leben sein soll, wie von vielen Utopisten gefordert, dann muss sie den Elfenbeinturm verlassen, auf die Menschen und ihr Umfeld reagieren. Dani Karavan hat an diesem inneren Konflikt der Moderne nie gelitten. Konsequent suchte er die Öffentlichkeit, gestaltete Plätze, Räume, ja ganze Landschaften. Alles, was er mache, sei für die Menschen gedacht, sagt er.
Karavan hat Passagen, Türme und Treppen, Kegel und Bänder in dem Stadtbild oder der Natur eingepasst. Trotz ihrer Fremdartigkeit sind sie nie Störfaktoren, sondern fügen sich harmonisch ein und graben sich zugleich tief ins Gedächtnis. Denn sie erinnern an die Geschichte ihrer Orte, stellen Besonderheiten heraus, ohne didaktisch zu bevormunden, sind keine triumphalen Kunstgesten, sondern subtile ästhetische Eingriffe.
“Ich bin wie ein Schneider”, erklärt der Künstler. “Ich passe alle meine Werke genau ihrem Ort an.” Als bekennender Auftragskünstler will er auf sein Publikum reagieren, unterwirft sich langwierigen Diskussionen wie etwa derzeit dem Streit um seine “Hommage an den Holocaust der Sinti und Roma” in Berlin, arbeitet sich durch die Gremien und wenn ein Budget nicht reicht, dann ändert er eben seine Planung.
Die Deutschen lieben Karavan am meisten für die “Passagen”, die er im Auftrag der Bundesregierung in die Küstenlandschaft von Portbou grub. Hier an der spanischen Grenze brachte sich 1940 der Philosoph Walter Benjamin auf der Flucht um. Es sind karge Eingriffe in den Fels: Treppen, stählerne Bodenfelder und Schächte, die den Blick von weit oben zu den bedrohlichen Meeresstrudeln lenken. Alles ist hier magische Reduktion und Andeutung eines tragischen Geschehens, ohne in Schreckenspathos zu verfallen. Kunst im öffentlichen Raum hat die Menschheit nicht immer beglückt. Dani Karavan ist es ziemlich oft gelungen.
BERLINER ZEITUNG - Artikel lesen
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Gedenken als Form für das Denken
FR online - Elke Buhr
Der Prozess des Erinnerns und Gedenkens ist für die modernen Gesellschaften eine derart heikle Angelegenheit, dass eine bestimmte Form von Outsourcing zur häufigsten Lösung wurde.
Wo Staaten und Institutionen Versöhnung anstreben oder sich zumindest aufgefordert sehen, diesen Willen öffentlich zu demonstrieren, sind Profis gefragt, die Gefühlen eine angemessene und würdige Form verleihen können. Den israelischen Künstler Dani Karavan könnte man - ohne dies despektierlich zu meinen - als einen dieser Gedenk-Profis bezeichnen. Sein erstes Hauptwerk war ein Monument am Rande der Wüste Negev, das an die Kämpfe im israelischen Unabhängigkeitskrieg 1948 erinnert: ein imposantes Ensemble, das sich in seinen abstrakten Formen in die Hügel der Wüste einpasst, den Wind aufnimmt und ihn in Klang verwandelt.
Seine Fähigkeit, Landschaft als abstrakte Form zu begreifen und Form zur Landschaft zu machen, machte auch später immer wieder die Qualität seiner Kunst im öffentlichen Raum aus. Dabei nehmen seine Arbeiten immer den Menschen zum inneren Maßstab, sie sind begehbar, bekletterbar, bespielbar, Treffpunkte oder auch Orte für Stille und Einkehr. Dass er begann, auch Schrift und explizitere symbolische Objekte wie Bäume oder Eisenbahnschienen zu integrieren, prädestinierte ihn dann zum Erinnerungs-Künstler. Er ist, so zeigt die Berliner Retrospektive, mehr als das. Aber dass er immer wieder die Arbeit des angemessenen Erinnerns stellvertretend auf sich nimmt, dafür sollten wir ihm dankbar sein.
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Landschaft als Erlebensraum
DEUTSCHLANDRADIO Kultur - Carsten Probst
Dani Karavan schafft Werke, die eigentlich Plätze sind: Orte, an denen auch das Historische fühlbar werden soll. Die Arbeiten des israelischen Künstlers kann man kennenlernen im Berliner Martin Gropius Bau.
Nein, er sei kein Gedenkstättenkünstler, wird Dani Karavan nicht müde zu bekräftigen. Der 78-Jährige weiß um die Gefahr, in die Gutmenschen-Kategorie abgeschoben zu werden. Künstler, die von der friedensstiftenden Wirkung der Kunst reden und von der spirituellen des Lichts und die sich nicht scheuen, von “erhabenen Formen” auszugehen, sind Kunstkritikern normalerweise schon aus der Ferne suspekt. Dass sich in den letzten Jahrzehnten immer mehr Gedenkorte in seinem Oeuvre finden, ist gewiss kein Zufall, aber ganz sicher nicht das Ergebnis politischer oder sonstiger Anbiederungen.
Karavan selbst nennt diese von ihm gestalteten Stätten denn auch lieber “Hommagen” und hatte in seiner Heimat Israel gerade deswegen zunächst einen schweren Stand.
Die Berliner Ausstellung, die ja im Martin-Gropius-Bau in unmittelbarer Nachbarschaft zur Gedenkstätte der “Topographie des Terrors” stattfindet, geht in ihrem fast chronologischen Rundgang durch die Werkentwicklung auch ausführlich auf Karavans Verhältnis zu Deutschland ein, eines Landes, von dem er sagt, dass er bis in die 70er Jahre hinein jegliche Beziehung zu ihm abgelehnt hätte. 1977 wurde er von Manfred Schneckenburger auf die documenta nach Kassel eingeladen. Dort habe er dann Bekanntschaften gemacht, die sein Deutschlandbild allmählich verändert hätten.
Seither ist Deutschland einer der wichtigsten Orte seiner künstlerischen Tätigkeit geworden mit zahlreichen Werken im öffentlichen Raum, die auf merkwürdige Weise das zu erfüllen scheinen, was einst Kanzler Gerhard Schröder von Gedenkstätten gefordert hatte: Es sollten Orte sein, wo man gern hingeht. Bei Karavans ortsspezifischen Werken regiert in der Tat die Beiläufigkeit direkt neben der Strenge, sie ist fast ein Markenzeichen geworden.
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Dani Karavan. Retrospektive
| Martin-Gropius-Bau, Berlin
| bis zum 01. Juni 2008
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