BRIDGET RILEY – Farbe und Form

Die von Riley eigens für das Museum für Gegenwartskunst Siegen konzipierte Ausstellung zeigt bis 11. November 2012 Werkgruppen seit 1980. In diesen Werkgruppen werden verschiedene Strategien der Reihung und Verflechtung von Streifen, rhomboider, kurviger Formen, auch Kreisen vorgestellt.

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Riley hat eine besondere Art der Präsentation gewählt. Sie inszeniert Gegenüberstellungen von zwei oder drei Bildern in insgesamt 12 musealen Räumen, um die Wirkungen von Farbe und Form im Vergleich zu intensivieren. Es entstehen aufregende Seherlebnisse. Zudem zeigt die Ausstellung zwei Wandbilder und eine Wand füllende Zeichnung.

„Die Freuden des Sehens haben ein Merkmal gemeinsam – sie treffen einen überraschend. Sie sind plötzlich, rasch und unerwartet.“

Die 1931 in London geborene Künstlerin Bridget Riley gehört zu den herausragenden Malerinnen unserer Zeit. Am 1. Juli 2012 wird sie für ihr Lebenswerk mit dem 12. Rubenspreis der Stadt Siegen ausgezeichnet. Der Preis wird alle fünf Jahre an einen lebenden europäischen Maler als Anerkennung für sein Lebenswerk verliehen. Im Museum für Gegenwartskunst wird Bridget Riley aus diesem Anlass mit einer Ausstellung gewürdigt.

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Museum für Gegenwartskunst Siegen | 1. Juli bis 11. November 2012

BRIDGET RILEY. 12. Rubenspreis der Stadt Siegen

Museum für Gegenwartskunst Siegen | http://www.mgk-siegen.de/

Seit über fünfzig Jahren widmet sich Bridget Riley kompromisslos und mit großer Genauigkeit der Malerei. Schon in den 1960er Jahren fand ihre radikale künstlerische Position – damals der Op-Art zugerechnet – internationale Anerkennung. Mit ihrer Beteiligung an der Ausstellung „The Responsive Eye“ im Museum of Modern Art (New York 1965) erlangte sie den künstlerischen Durchbruch.

In dieser Zeit entstanden Gemälde in Schwarz, Weiß und Grau, die flirrende und vibrierende Bildstrukturen aus einfachen Formen zeigen. Den Betrachtenden werden eine Vielzahl von Wahrnehmungserlebnissen zuteil, überraschende Licht- und Bewegungseindrücke sind unmittelbar erfahrbar: Lichtstrahlen scheinen über die Oberfläche zu laufen, Bildzonen scheinen sich leibhaftig zu bewegen, sie strecken, erheben oder senken sich.

VIDEO | THE RESPONSIVE EYE [  Brian De Palma, 1965 Documentary On OP ART ]

Seit 1967 ändert Bridget Riley ihre Bildsprache, sie verwendet erstmals Farbe. Seither widmet sie sich ganz der Erforschung von Farbe und ihrer Beziehung zum Licht. Es entstehen bewegte, aus abstrakten Farbfeldern gewachsene Bilder, die wieder neue Sinneseindrücke beim Sehen hervorrufen: Die rhythmisch gesetzten Linien, Bögen oder Rauten versetzen die Bildoberfläche in Schwingung. Streifen verschmelzen in der Ferne, bei Annäherung entfalten sie ihre eigenständige Farbgebung. Benachbarte Farben treten in Beziehung zueinander und lassen neue Farblichter aufscheinen. Die Komposition der Farben und Formen vermitteln neben dem Eindruck von Bewegung auch Volumen oder Dreidimensionalität. Zudem verändern sie je nach Betrachterstandpunkt ihren Ausdruck.

Die zumeist großformatigen Arbeiten haben einen langen Entstehungsprozess hinter sich. Zunächst probiert Bridget Riley die Wirkung bestimmter Kompositionen in Studien aus. Entfalten die Zeichnungen die gewünschte Wirkung, werden sie vergrößert in Gouachen umgesetzt. Überzeugt die Arbeit auch hier, so wird sie schließlich als fertiges Werk in selbstgemischten Farben auf der Leinwand ausgeführt. Andere Studien sind von vornherein für Wände konzipiert und werden im letzten Schritt direkt im Raum realisiert. Von Anfang bis Ende ist bei der monatelangen Arbeit eine hohe Genauigkeit erforderlich.

Von Beginn an verfolgt Bridget Riley ihre selbst gestellte Aufgabe, mit Malerei die Malerei zu erforschen oder Malerei in Texten und Gesprächen zu analysieren. So verankert sie ihre Malerei sowohl in der Naturbetrachtung als auch in der Auseinandersetzung mit historischen Beispielen der Farbmalerei. Sie knüpft beispielsweise Bezüge zu Poussin, Veronese, Tizian, aber auch zu Malern der französischen Moderne wie Seurat, Cézanne oder Matisse. Damit behandelt Riley die große Frage der abendländischen Kunst: Wie nehmen wir die Welt wahr und wie wird daraus ein Bild?

Bridget Riley gehört zu den profiliertesten Vertreterinnen der Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts. Sie stellte bereits mehrmals auf der documenta in Kassel sowie auf der Biennale in Venedig aus. 1968 erhielt sie in Venedig den Internationalen Preis für Malerei. Im Jahr 1998 wurde sie in den Orden „Companions of Honour“ aufgenommen. 2003 erhielt sie den Praemium Imperiale, 2009 den Goslarer Kaiserring. Dieses Jahr ehrt nun die Stadt Siegen Bridget Riley mit dem Rubenspreis.

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Der Rubenspreis der Stadt Siegen

Der 1955 gegründete Rubenspreis der Stadt Siegen gehört zu den renommiertesten internationalen Kunstpreisen. Er wird alle fünf Jahre einem Maler/einer Malerin zugesprochen, die sich im europäischen Kunstschaffen durch ein wegweisendes künstlerisches Lebenswerk ausgewiesen haben. Die Auszeichnung erinnert an den Maler-Diplomaten Peter Paul Rubens, der den Gedanken europäischer Einigung in seinem Lebenswerk ausgedrückt hat, lange bevor er politische Realität werden konnte. Peter Paul Rubens – in Siegen geboren – hat als Hauptmeister der europäischen Barockmalerei jene künstlerischen und europäischen Maßstäbe gesetzt, denen die Preisverleihung seit 1957/58 verpflichtet ist.

Die Rubenspreisträger im Museum für Gegenwartskunst Siegen

Vor Bridget Riley wurden Hans Hartung (1957/1958), Giorgio Morandi (1962), Francis Bacon (1967), Antoni Tàpies (1972), Fritz Winter (1977), Emil Schumacher (1982), Cy Twombly (1987), Rupprecht Geiger (1992), Lucian Freud (1997), Maria Lassnig (2002) und Sigmar Polke (2007) mit dem Rubenspreis geehrt.

Das Museum für Gegenwartkunst Siegen beheimatet wichtige und umfangreiche Werkgruppen aller Rubenspreisträger. Derzeit bietet die Privatsammlung Lambrecht-Schadeberg mit ca. 200 Arbeiten einen guten Überblick über das Schaffen der bisherigen elf Rubenspreisträger. Auch Werke der neuen Preisträgerin werden künftig in die Sammlung integriert.

KATALOG Bridget Riley. Malerei Painting 1980-2012

KATALOG | Bridget Riley. Malerei/Painting 1980-2012

Mit Vorworten von Steffen Mues und Eva Schmidt, Texten von Lucius Grisebach, Michael Bracewell, Robert Kudielka und einem Gespräch zwischen Michael Harrison und Bridget Riley

Gebundene Ausgabe
152 Seiten,
28 Farbtafeln
21 Abbildungen
Text: Deutsch | Englisch
29,6 x 25,2 x 1,8 cm

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Der faszinierende Katalog zur Ausstellung befasst sich mit der Künstlerin Bridget Riley, ihrem Werk und dessen Wahrnehmung. Der 150-seitige Band enthält ausgewählte Essays von Kunsthistorikern und Experten wie Lucius Grisebach, Robert Kudielka und Michael Bracewell. In dem Text „Bridget Riley im Gespräch mit Michael Harrison“ kommt die Künstlerin selbst zu Wort und gibt Einblicke in ihr Denken und Schaffen. 28 Farbtafeln mit den Kunstwerken Rileys — zum Teil auf Doppelseiten — und 21 weitere Abbildungen sind in dem Katalog hochwertig abgedruckt.

Aufgewachsen an der Küste in Cornwall entdeckt Bridget Riley schon früh die Schönheit der Natur, die sich ständig verändert: DieFarbenvielfalt des Himmels und der See, die ovalen Reflexionen der Wolken auf der Meeresoberfläche, die dunklen Streifen des sich kräuselnden Wassers. Hier lernte sie die „Freuden des Sehens“ kennen, wie sie selbst sagt. Sie prägten ihre visuellen Erfahrungen und inspirieren ihre Bilder bis heute.

Diese „Freuden des Sehens“ vermittelt sie in ihren Bildern. Sie treffen den Beobachter überraschend und lassen sich nicht festhalten. „Ich entdeckte, dass ich malte, um ‚sichtbar zu machen‘“, sagte Bridget Riley einmal über ihre Arbeit. Mit ihren Bildern öffnet sie dem Betrachter die Augen für unvermittelte Seherlebnisse. Denn „mit einem flüchtigen Blick lässt sich manchmal mehr sehen als durch das eingehende Studium von tausend Einzelheiten“.

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Zeitgleich erscheint in einer Kooperation von Hirmer Verlag und Museum für Gegenwartskunst Siegen „Malen um zu Sehen: Bridget Riley, Gesammelte Schriften 1965 – 2009“, herausgegeben von Robert Kudielka. Mit einer Einleitung von Robert Kudielka sowie Interviews der Künstlerin mit internationalen Kunsthistorikern und Kritikern, darunter David Sylvester, David Thompson, Mel Gooding und Lynne Cooke.

In den Texten des Sammelbandes beschreibt Bridget Riley, was ihre Kunst ausmacht, wie sie denkt und welche Künstler sie prägten. Mit ihren Schriften erleichtert sie dem Betrachter den Zugang zu ihren Bildern. Gleichzeitig setzt sie sich in ihren Texten mit allgemeinen künstlerischen Themen wie der Rolle der Farbe in der Kunstgeschichte auseinander.

BUCH Malen um zu sehen Bridget Riley

BUCH | Malen um zu sehen: Bridget Riley
Gesammelte Schriften 1965 – 2009

394 Seiten
32 Tafeln
25 Abbildungen in Farbe
36 Abbildungen in Schwarz-Weiß
Sprache: Deutsch
22,8 x 17 x 2,4 cm

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Der Sammelband enthält mehr als 30 Texte — darunter Interviews und Gesprächsaufzeichnungen — der Künstlerin Bridget Riley, die in den vergangenen 40 Jahren entstanden sind. Sie verdeutlichen alle Aspekte ihres Schaffens.

Im ersten Teil befasst sie sich mit sich selbst und ihrem Leben. Im zweiten Teil beschreibt Riley unter anderem die Phasen ihrer künstlerischen Entwicklung und ihre Arbeitsweise. Ihrem Mentor, den französischen Maler Georges Seurat, ist ein eigener Text gewidmet. Im dritten Teil reflektiert sie über ihre Kunst und die Einflüsse wichtiger Maler wie Cézanne und Mondrian auf ihr Werk.

Hochwertige Abbildungen ergänzen die Texte. Darunter befinden sich viele ihrer eigenen Gemälde sowie die Werke großer Künstler, die sie geprägt haben. Ein Überblick über das Leben von Bridget Riley schließt das fast 400 Seiten starke Buch ab.

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