CARSTEN NICOLAI | Anti Reflex

'reflex', 2004 aluminum frames, polyester, piezo high-tone speakers, 
max / msp program, firewire soundcard 255 x 255 x 300 cm

In der Kunsthalle Hamburg sind bis zum 07. Dezember 2008 Arbeiten von Carsten Nicolai zu sehen. In seinen Werken befasst sich Nicolai mit der Visualisierung oder Vertonung scheinbar nicht wahrnehmbarer Bereiche in Kunst, Musik und Wissenschaft. Dabei wirken seine Werke oft wie experimentelle Versuchsanordnungen, deren ästhetische Ausdruckskraft jedoch im Mittelpunkt steht.

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Neben seinen Arbeiten mit Videos, Klängen und Bildern macht Nicolai zudem seit vielen Jahren elektronische Musik unter dem Pseudonym alva noto. In der Galerie der Gegenwart werden einige der großen Installationen des Künstlers, wie „magnetic“ (2003) sowie „anti“ und „reflex“ (2004) gezeigt, in denen er akustische und bildliche Illusionen kombiniert.

In seinen Arbeiten wird das Prinzip der Polarität erkennbar: Sichtbares und Unsichtbares, Licht und Dunkel, Positiv und Negativ, wissenschaftliche Labormethoden und metaphysische Weltinterpretationen. Im Sockelgeschoss der Galerie der Gegenwart werden nun zwei aufeinander folgende Räume gegenübergestellt:

„reflex“ und „anti“.

Der eine Raum ist hell, der andere nahezu dunkel. Zentrales Element des „reflex“-Raums ist eine gleichnamige kuboide Skulptur. Sie besteht aus einer zwölfeckigen, 3 m hohen Box, die an einer Seite offen ist und den Besucher einlädt, den Innenraum zu betreten, wo aus zehn Lautsprechern mit hoher Geschwindigkeit Ton von Hochfrequenz-Weißem-Rauschen zirkuliert und die akustische Illusion erzeugt, dass in den Wänden der Box ein weiteres, dreidimensionales Objekt verborgen ist.

Der zu „reflex“ korrespondierende Raum „anti“ enthält ebenfalls eine Skulptur – ein gleichförmiges schwarzes Pendant, das im Gegensatz zur Ersteren nicht betreten werden kann. Über eingebaute Theremin Module und Klangmodule gibt „anti“ tiefe Frequenzen von sich, die nicht gehört, sondern nur gespürt und vom Besucher durch Berührung verändert werden können. Formal bezieht sich die Skulptur auf eine geometrische Form aus Albrecht Dürers Stich „Melancholia I“ und greift somit neoplatonische mathematische und geometrische Konzepte der Renaissance auf, die sie mit der zeitgenössischen Diskussion über akustische Dimensionen der Architektur verbindet.

Hinzu kommen mit den Werken telefunken (2000 / 2005), magnetic static (2003) und portrait ombre (2006) drei Wandbilder, in denen Nicolai mit akustischen Signalen und Magnetbändern – integriert in eine minimalistische Bildoberfläche – die Grenzen zwischen den Bereichen des Auditiven und Visuellen auflöst.

Carsten Nicolai. Anti Reflex
| Hamburger Kunsthalle, Galerie der Gegenwart
| bis 7. Dezember 2008

INTERNET-SPECIAL ZUR AUSSTELLUNG “ Anti Reflex “ 2005
in der Schirn Kunsthalle Frankfurt
Technoide audio-visuelle Präsentation (flash)
www.antireflex.de

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Carsten Nicolai, Anti reflex - KatalogAusstellungskatalog 2005 | Schirn Kunsthalle, Frankfurt

Carsten Nicolai. Anti-Reflex

Taschenbuch,
200 Seiten,
Sprache: Englisch, Deutsch
29 x 24,2 x 1,8 cm,
Magnetton-Leseband,
Siebdruck auf Cover

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Carsten Nicolai

Nach Ausstellungen in der Neuen Nationalgalerie Berlin (1994), der New York Kunsthalle (1996) und dem Watari Museum of Contemporary Art in Tokyo (2002) sowie Teilnahmen an internationalen Gruppenausstellungen wie der documenta (1997 | Dort gab Nicolai 72 kurze Audio-Stücke aus Telefon-, Fax- und anderen Signalen im öffentlichen Raum wieder, spielte sie in Kaufhäusern und am Bahnhof ab und ließ sie sogar unkommentiert im lokalen Radio ausstrahlen) und der Biennale in Venedig (2001, 2003) präsentierte die Frankfurter Schirn in 2005 mit „Anti Reflex“ die bisher größte Überblicksausstellung von Carsten Nicolai.

Als Musiker, Produzent und Veranstalter hat Carsten Nicolai alias „noto“ alias „alva noto“ bei bedeutenden Festivals wie dem Sonar-Festival (Barcelona 1997), der ars electronica (Linz 1997, 2000 prix ars electronica für digitale Musik) oder der transmediale (Berlin 2000) mitgewirkt. Sein 1994 gegründetes Label „noton“ fusionierte 2000 mit dem Chemnitzer Label „Rastermusic“ von Olaf Bender und Frank Bretschneider zu „raster-noton“ und ist heute eine der wichtigsten Plattformen für Minimal Electronic Music. Durch konsequente Licht-Klang-Vernetzung verbindet die Labelstruktur von „raster-noton“ das Visuelle mit dem Akustischen.

Das Nebeneinander des Akustischen und Visuellen ist ein ständig wiederkehrendes Thema im Werk Carsten Nicolais. Der Tradition Ernst Chladnis (1756—1827), des Begründers der modernen Akustik, folgend, versucht Nicolai, unterschiedliche Sinnesempfindungen miteinander zu verknüpfen. In wiederholten Versuchsanordnungen werden beispielsweise Flüssigkeiten mit Tonsignalen verschiedener Frequenzen animiert, sodass Wellen entstehen, die sich in Form von konzentrischen Kreisen kräuseln, aufeinander stoßen, sich verbinden und dabei Schwingungsknoten und Störungsmuster erzeugen.

Durch den visuellen Sinneseindruck von Nicolais teils großräumigen Installationen wird das Klangerlebnis in Porträts der Frequenzen umgewandelt. Die aus einem ähnlichen Experiment resultierende Fotoserie „milch“ besteht aus Abbildungen unterschiedlicher Milchoberflächen, die durch ansteigende Frequenzen in Schwingung gebracht worden sind. Während die niedrigen Frequenzen eine chaotisch anmutende Fläche erzeugen, bilden hohe streng rhythmisch geordnete Muster. Die Arbeiten sind gleichermaßen Visualisierungen eines akustischen Phänomens wie eigenständige Kunstwerke, die aus der ihnen innewohnenden Ästhetik wirken.

In anderen Arbeiten wie „void“ versucht Nicolai, in Glasrohren Ton zu versiegeln und damit unsere Wahrnehmung zu hinterfragen sowie die Lebensspanne von Geräuschen zu thematisieren. Nicolai geht es dabei weniger um das Begreifen des einzelnen Objektes, sondern vielmehr um Relationen, um einen Systemzusammenhang, in dem kausale Abhängigkeitsverhältnisse herrschen. Klänge durchdringen den Raum, greifen auf Bilder und Objekte über und verleihen damit der gesamten Ausstellung eine Art von Polyrhythmik. [Schirn, Frankfurt 2005]

Carsten Nicolai | website

alvanoto | Minimal Electronic Music

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Alva Noto - Xerrox Vol.1Audio CD | Xerrox Vol.1 | 2007

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while xerrox vol. 1 (r-n 78) referred to the ‘old world’ with its tradition deeply rooted in classical music, xerrox vol. 2 tries to access a ‘new world’. it works with samples that have been gathered and developed in the usa — the so-called ‘new world’ — where the album also has almost completely been recorded.

the dramatic and dynamic approach of xerrox vol. 1 on vol. 2 has been replaced by a structural density. instead of working with individual musical entities the new album rather develops an overall, linear aesthetic that refers to musical strategies of film music. hence there are no implicitly singular pieces, but open musical structures — a journey without a predetermined target.

„xerrox vol. 2 undertakes an intense journey and affords the luxury to take its time.“

 

Alva Noto - Xerrox Vol.2Audio CD | Xerrox Vol.2 | 2009

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the first four tracks of xerrox vol. 2 actually condense to one track, using samples of michael nyman and stephen o’malley. they kind of combine to a soundtrack as for a movie before fading away in a swell of reverb feedback. xerrox sora is a rudiment from the collaboration with ryuichi sakamoto, which originates from and has been performed as encore during the 2004 insen tour. continuing from xerrox monophaser 2, the album creates a dense and interweaved complexity, which only gradually unfolds its depth. while xerrox teion dissolves in the process of copying into another sample rate (xerrowed), xerrox teion acat again tends to re-condense its quality.

VIDEO | Alva Noto + Ryuichi Sakamoto | Berlin (Karl Kliem)

xerrox vol. 2 seems to be more playful than vol. 1; following the approach of a live set it is not so much obligated to a theoretical concept. therefore it intends to break a static framework before it gets too restricted. the eleven tracks of xerrox vol. 2 serve as documents of an immediately experienced time or as attempts to unfold in an endless space. in this sense xerrox vol. 2 comes close to the idea of the aleph-1 project that tried to disappear rather than occupy an endless space.

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VIDEO | Alva Noto + Ryuichi Sakamoto | Trioon (Karl Kliem _ 2003)

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oacis.jpgraster-noton. oacis | mit Audio-CD: Optics Acoustics Calculated in Seconds

| Taschenbuch
| 104 Seiten
| Limited Edition (Oktober 2000)
| Sprache: Englisch, Deutsch
| 25 x 18,2 x 1,2 cm

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Mit Texten vonRob Young (The Wire), Pinky Rose, Peter Kraut (NZZ) und Martin Pesch (Frieze, Spex, Kunstforum). raster-noton ein Musiklabel an der Schnittstelle von elektronischer Musik, Computergrafik und Filmanimation, zwischen Pop- / Clubkultur und bildender Kunst. Die kreative Verpackung beinhaltet eine CD mit Audiotracks und Multimediadaten.

Das 1994 von Carsten Nicolai gegründete Label „noton“ fusionierte 2000 mit dem Chemnitzer Label „Rastermusic“ von Olaf Bender und Frank Bretschneider zu „raster-noton“ und ist heute eine der wichtigsten Plattformen für Minimal Electronic Music.

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