POSTWAR – Kunst zwischen Pazifik und Atlantik, 1945-1965

Haus der Kunst, München | bis 26. März 2017

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Francis Newton Souza, Degenerates, 1957, Oil on board 121.9 × 152.4 cm
Courtesy of Aicon Gallery © Estate of FN Souza. All rights reserved
VG Bild-Kunst, Bonn 2016

Die Ausstellung untersucht erstmals in der jüngeren Ausstellungsgeschichte die turbulente und ereignisreiche Nachkriegszeit als ein globales Phänomen. In acht Kapiteln führt die Ausstellung den Besucher durch die ersten 20 Jahre nach dem Krieg. Dabei macht sie sichtbar, wie die Kunstschaffenden auf die Traumata von Holocaust, Hiroshima und Nagasaki reagierten; wie die zwei politischen Blöcke im Kalten Krieg die Künste instrumentalisierten und so den Gegensatz von Sozialistischem Realismus und Abstraktion festschrieben.


Es wird gezeigt, wie Migrations- und Fluchtbewegungen eine neue Form von Kosmopolitismus hervorbrachten. Die Nachkriegszeit markierte außerdem das Ende der europäischen Kolonialsysteme, den Beginn des Aufbaus neuer Nationen, Dekolonialisierung und Befreiungsbewegungen, Länder in Europa, Asien und dem Mittleren Osten wurden geteilt und in den USA entstand die Bürgerrechtsbewegung.

Die Aufbruchsstimmung und die dadurch freigesetzte Energie manifestierten sich in der Kunst der Zeit. Neue Technologien drangen in den Alltag der Menschen ein und prägten das Leben mit einer neuen Dynamik. Das Raumfahrtzeitalter faszinierte die Massen genau wie die Künstler und eröffnet letzteren ein vollkommen neues Feld der künstlerischen Auseinandersetzung.

Diese eingehende, global ausgerichtete Ausstellung zur Kunst der Nachkriegszeit zeigt Malerei, Plastik, Installationen, Collagen, Performances, Filme, Künstlerbücher, Dokumente und Fotografien, insgesamt 350 Werke von 218 Künstlern aus 65 Ländern.

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Haus der Kunst, München | bis 26.03.17

POSTWAR – Kunst zwischen Pazifik und Atlantik, 1945-1965

Pressetext: Haus der Kunst, München
Kurator/innen: Okwui Enwezor, Katy Siegel, Ulrich Wilmes

DIGITORIAL / Micro-Site zur Ausstellung postwar.hausderkunst.de

Mit der umfassenden Ausstellung „Postwar: Kunst zwischen Pazifik und Atlantik, 1945-1965“, die das Haus der Kunst konzipiert hat, beschreibt zum ersten Mal in der jüngeren Ausstellungsgeschichte eine Schau die Nachkriegszeit als einen wahrhaft globalen Zustand. In dieser pulsierenden und turbulenten Zeit waren künstlerische Blickwinkel verwoben mit sozialen, politischen, kulturellen und technologischen Interessen.

Das Haus der Kunst hat dieses Langzeitprojekt im Mai 2014 in München mit einem viertägigen, international besetzten Symposium begonnen. Mit der Präsentation der Forschungsarbeit aus unterschiedlichsten Regionen der Welt verfolgt das Haus der Kunst das Ziel, führende und jüngere Wissenschaftler/innen, Historiker/innen, Künstler/innen, Kuratoren/innen, Theoretiker/innen und Studenten/innen zusammenzubringen, um die künstlerischen Einflüsse und kulturellen Vermächtnisse zu untersuchen, die die globale Kunstproduktion seit 1945 geprägt haben.

Die Kunst der Nachkriegszeit

Welche Faktoren sind dafür maßgeblich, dass Kunstgeschichte auf bestimmte Weise geschrieben wird? Dieser umfassende Band fächert die unmittelbare Nachkriegszeit auf und untersucht diese als globales Phänomen: die zunehmende globale Verflechtung und gegenseitige Abhängigkeit nahezu aller Bereiche; neue politische und technologische Gegebenheiten, die die Welt grenzenlos gemacht haben. Gezeigt werden Arbeiten von mehr als 200 KünstlerInnen aus über 50 Ländern — sowohl der westlichen Hemisphäre wie Joseph Beuys oder Robert Rauschenberg; der östlichen wie Ibrahim El-Salahi, On Kawara oder der südlichen Hemisphäre: Helio Oiticica oder Gerard Sekoto. In acht thematischen Kapiteln vollzieht das Buch die großen gesellschaftlichen Veränderungen dieser Zeit nach und stellt somit eine einmalige weltumspannende Forschungsarbeit dar.

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KATALOG

Gebundene Ausgabe
Leinen mit Schutzumschlag
848 Seiten
827 farbige Abbildungen
Prestel Verlag
23,0 x 28,9 cm
Sprache: Deutsch

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Der Begriff „Postwar“ beschreibt den Zeitraum nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs 1945. Nach den entscheidenden Siegen der Alliierten – über Deutschland in Europa und über Japan in Asien – hatte die Weltgeschichte einen Wendepunkt erreicht. Auch im Bereich der Kunst markiert die Nachkriegszeit einen historischen und kulturellen Wendepunkt: Sie schwächte die Vormachtstellung westeuropäischer Kunsthauptstädte und stärkte international die Präsenz und Dominanz der zeitgenössischen amerikanischen Kunst, der Populärkultur und der Massenmedien. Der Zustand der Künste ließ einen klaren ideologischen Bruch erkennen. Der Kalte Krieg teilte die Welt in zwei Einflussbereiche, und hinter den Begriffen „Sozialistischer Realismus“ und „Abstraktion“ verbarg sich eine simplifizierte Gegenüberstellung von Kommunismus und kapitalistischer Demokratie, Sozialismus und freiheitlicher Demokratie, die oft komplexere künstlerische Motivationen verschleierte.

Im globalen Maßstab wurde diese Dichotomie allerdings durch mehrere Faktoren verkompliziert – durch Dekolonialisierungskämpfe, Unabhängigkeitsbewegungen und antikolonialen Widerstand in Afrika, Asien und Nahost; selbst als die Machtblöcke des Kalten Krieges die neuen Nationen umwarben und unter ihre jeweilige Kontrolle zu bringen versuchten. Diese zunehmend unabhängiger werdenden Akteure schlugen im Gefolge von Imperialismus und Krieg ganz andere Ausrichtungen und Allianzen vor; hierzu zählen der Panafrikanismus und die sogenannte Blockfreienbewegung.

VIDEO | Trailer zur Ausstellung

„Postwar: Kunst zwischen Pazifik und Atlantik, 1945-1965“ spiegelt die allmähliche Veränderung von Überzeugungen in der Nachkriegszeit und zeigt, wie sich Kunst und Politik zunehmend verzahnten und sich unsere Welt zu einer Einheit verflochten hat. Überall stellte man die Frage: Wie würde eine globale Moderne aussehen? Wenn wir die Nachkriegsmoderne neu kartieren müssen: Welche Methoden stehen uns zur Verfügung? Wie groß war der Druck des Politischen auf das Ästhetische, des Kulturellen auf das Künstlerische? Und umgekehrt: Wie verhandelten oder untergruben Künstler, Kritiker und Intellektuelle politische Ideologien, wie setzten sie sich dagegen zur Wehr?

Die Ausstellung untersucht verschiedene Konzepte der künstlerischen Moderne wie Abstraktion, Realismus, Gegenständlichkeit und Figuration. Sie erkundet, wie sich die individuelle Rezeption und Formulierung der Moderne in all ihren Varianten manifestiert hat. Indem sie diesen Linien folgt, lädt sie dazu ein, über die Entwicklung einer Kunst nachzudenken, die Kontinente, politische Strukturen, Wirtschaftssysteme und institutionelle Rahmen überspannt.

„Postwar: Kunst zwischen Pazifik und Atlantik, 1945-1965“ stellt also ein völlig neues Konzept von Ausstellung dar. Hier wird die Kunst der Nachkriegszeit zum ersten Mal aus vielen verschiedenen Perspektiven beleuchtet – Ost und West, Norden und Süden, Kolonisatoren und Kolonialisierte, Pazifik und Atlantik. In acht Kapiteln vollzieht die Schau die großen gesellschaftlichen Veränderungen der Jahre von 1945 bis 1965 nach: „Nachwirkungen: Die Stunde Null und das Atomzeitalter“, „Form ist bedeutsam“, „Neue Menschenbilder“, „Realismen“, „Konkrete Visionen“, „Kosmopolitische Moderne“, „Formsuchende Nationen“ sowie „Netzwerke, Medien und Kommunikation“.

In dieser eingehenden, global ausgerichteten Studie zur Kunst der Nachkriegszeit berücksichtigen die Kuratoren der Ausstellung die Gattungen Malerei, Plastik, Installation, Collage, Performance, Film, Künstlerbuch, Dokument, Fotografie. und haben insgesamt 350 Werke von 218 Künstlerinnen und Künstlern aus 65 Ländern zusammengeführt.

Die Ausstellung wird kuratiert von Okwui Enwezor (Direktor, Haus der Kunst), Ulrich Wilmes (Hauptkurator, Haus der Kunst) und Katy Siegel (Eugene V. and Clare E. Thaw Endowed Chair in Modern American Art und Professor of Art History der Stony Brook University).


Haus der Kunst München
Prinzregentenstraße 1
80538 München

Öffnungszeiten

Montag – Sonntag 10 – 20 Uhr, Donnerstag 10 – 22 Uhr
Tagesticket mit freiem Zugang zu allen Ausstellungen 14 € / ermäßigt 12 €

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