ANSELM KIEFER – Am Anfang

Parallel zur dOCUMENTA 13 in Kassel präsentiert die Bundeskunsthalle in Bonn bis 16. September 2012 auf über 2000 m² wichtige Werke des 1945 geborenen Künstlers aus dem Privatbesitz Familie Grothe. 24 teilweise mehrteilige, großformatige Gemälde und Skulpturen belegen exemplarisch die umfassende Themenvielfalt bei Kiefer und bieten vielfältige Assoziationsmöglichkeiten.

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Bundeskunsthalle Bonn | bis 16. September 2012

ANSELM KIEFER – Am Anfang

Pressetext: Bundeskunsthalle Bonn | www.bundeskunsthalle.de

In der Bonner Ausstellung werden 24 teilweise mehrteilige, großformatige Werke aus den Jahren 1978 bis 2012 aus dem Privatbesitz der Familie Grothe gezeigt. Weltweit einmalig ist dieses größte Werkkonvolut in einer privaten Sammlung. Die Auswahl des Sammlers belegt – auch in der Ergänzung um neu erworbene skulpturale Werke – die Einzigartigkeit von Anselm Kiefers Werk. Die ausgestellten Gemälde und Skulpturen belegen exemplarisch die umfassende Themenvielfalt bei Kiefer und bieten vielfältige Assoziationsmöglichkeiten: Themen, die seinen persönlichen ‚Bild-Gedächtnis-Kosmos‘ spiegeln und die er durch Erinnerungen und Spurensetzungen reflektiert und interpretiert.

Anselm Kiefer, geboren 1945, ist einer der bedeutendsten internationalen Künstler unserer Zeit. Im Laufe seiner künstlerischen Produktion schaffte er systematisch seinen eigenen labyrinthischen Kosmos, was ihm bis heute erlaubt, existenziellen Fragen nach den Mythen, der christlichen Religion, der jüdischen Mystik, der Geschichte, der Natur (bis hin zur Atomenergie), der Musik und der Literatur in bildnerischen Strategien höchster ästhetischer Qualität nachzugehen.

Die Malereien werden von einer mächtigen Dramaturgie getragen, in der sich Bild und Materie miteinander verbinden und emotionale und ästhetische Intensität entstehen lassen. Sowohl in den Bildern als auch in den Skulpturen erforscht Anselm Kiefer grundlegende Erfahrungen menschlichen Daseins und konfrontiert das Individuum mit den großen Mächten der Geschichte und der Mythologie. Hierbei wird das Traumatische der jüngeren europäischen Geschichte heraufbeschworen, anhand dessen er ohne Unterlass die Grundfeste der Menschheit hinterfragt.

“Seine Kunst erforscht die Grunderfahrungen menschlicher Existenz. Das Organische, das Irdische und das Himmlische werden in vielen Kompositionen immer wieder miteinander verbunden, oft in monumentalen Werken. Anselm Kiefer sucht sich verschiedenartigste Materialien aus, um eine Kosmogonie aufzubauen, die unsere Zeit beleuchtet.” [ José Alvarez ]

Kiefer sucht die Geschichte hinter der Geschichte: „Ich mache ein Loch und gehe hindurch.“ Dieser Ansatz beinhaltet auch das Prozesshafte von Geschichte und Gedächtnis / Erinnerungen, gekoppelt mit der subjektiven Interpretation, dem sehr persönlichen, freien Gebrauch, der individuellen Mythologie und der eigenen künstlerischen Geste.

Anlässlich ihres 20-jährigen Bestehens beauftragte die Pariser Opéra Bastille in 2009 Kiefer mit der künstlerischen Leitung einer Inszenierung mit dem Titel “Am Anfang”. Ausgehend von den Texten des Alten Testaments, entwickelt er nicht nur das Konzept, sondern führt auch Regie und gestaltet das Bühnenbild und die Kostüme. Er wird in Paris mit dem Adenauer-de Gaulle-Preis ausgezeichnet, der sein Engagement um den kulturellen Dialog zwischen Deutschland und Frankreich würdigt.

VIDEO | Anselm Kiefer | Portrait von Deutsche Welle TV

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Seine epische Werke sind durch ihre ungewöhnliche Materialwahl geprägt, die die inhaltliche Aussage unterstützt: Dick aufgetragene Farbschichten, Erde, Blei, Lack, Pflanzen, Kleidung oder Haare sowie skulpturale Applikationen – wie Boote oder Flugzeuge – lassen die Arbeiten über den zweidimensionalen Bildraum hinausgreifen und die Grenze zwischen Bild und Skulptur erweitern.

So zeigen Werke in der vom Künstler mit inszenierten Ausstellung wie 20 Jahre Einsamkeit, 1971/91, oder Volkszählung (Leviathan), 1987–1989, viel von Kiefers persönlicher, innerer Haltung, während die für die Ausstellung speziell dem Raum angepasste, spiralförmige Skulptur Bavel Balal Mabul (Babel, Sprachverwirrung, Sintflut), 2012, mehr auf die Themenvielfalt und -vernetzung bei Kiefer verweist.

KATALOG | Am Anfang. Anselm Kiefer. Werke aus dem Privatbesitz Hans Grothe

Mit Beiträgen von Thomas Ebers, Robert Fleck, Susanne Kleine, Norman Rosenthal und Walter Smerling

Im Buch blättern (PDF)

Gebunden mit Schutzumschlag
200 Seiten mit 5 Klapptafeln
134 farbige und 4 s/w Abbildungen
Sprache: Deutsch
24,5 x 28 cm

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Stationen seines Kunststudiums waren Freiburg im Breisgau, Karlsruhe und Düsseldorf, zuletzt bei Joseph Beuys.

Bekannt wurde Kiefer vor allem durch seine Materialbilder. In seinem Schaffen setzt er sich mit der Vergangenheit auseinander, berührt Tabu- und Reizthemen der jüngeren Geschichte, wie auch der NS-Herrschaft. Seine Werke zeichnen sich durch einen dumpfen, fast depressiv wirkenden, zerstörerischen Duktus aus. Meist verwendete Kiefer eine (Farb-)Fotographie als Ausgangsfläche, um sie dann mit Erde und anderen Rohmaterialien der Natur zu “bearbeiten”.

Charakteristisch für ihn ist, dass man in (fast) allen seinen Gemälden Schriftzüge und Namen von Menschen, Sagengestalten oder geschichtsträchtigen Orten findet. Dies sind verschlüsselte Siglen, wodurch Kiefer die Vergangenheit aufzuarbeiten sucht. Daher wird er oft mit einer als Neuer Symbolismus bezeichneten Stilrichtung in Verbindung gebracht. 2008 erhielt Anselm Kiefer den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels.

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VIDEO-Rundgang durch die Ausstellung in der Bundeskunsthalle in Bonn

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Presseschau:

Ende einer Ära, die keine war –
Kein neuer Vertrag für Intendant Robert Fleck

Thomas Kliemann für General-Anzeiger Bonn | Artikel lesen

Fleck befindet sich derzeit sich mitsamt der Bundeskunsthalle im Kreuzfeuer der Kritik. Eine Woche ist die Eröffnung der Ausstellung “Am Anfang” mit Werken von Anselm Kiefer aus der Privatsammlung von Hans Grothe in der Bundeskunsthalle her. Und das Haus rutscht immer tiefer in die Schlagzeilen der regionalen und überregionalen Presse.

Nicht weil mit der ersten großen Kiefer-Ausstellung seit 20 Jahren ein Coup zum Bundeskunsthallen-Jubiläum gelungen wäre, sondern weil die Privilegierung des Sammlers Grothe als anrüchig bewertet wird.

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Ein Kuckucksei zum Geburtstag?

Stefan Koldehoff für Deutschlandradio Kultur | Beitrag lesen

Die Bundeskunsthalle zeigt Werke von Anselm Kiefer aus der umstrittenen Sammlung Grothe. In diesem Sommer feiert die Bundeskunsthalle ihren 20. Geburtstag. Doch zum Jubiläum herrscht nicht nur eitel Sonnenschein. Denn die aktuelle Ausstellung steht sowohl wegen ihres Kurators als auch wegen des Eigentümers der Bilder in der Kritik.

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Anselm-Kiefer-Ausstellung in Bonn – Skandalöse Hängung

Sueddeutsche Zeitung

Sie hat den Anspruch, ein kulturelles Zentrum von europäischem Rang zu sein: In der Kunsthalle Bonn waren bereits Kollektionen aus dem Museum of Modern Art oder dem Guggenheim zu Gast. Jetzt offenbart sich durch die skandalöse Ausstellung “Am Anfang. Anselm Kiefer” die Krise der Galerie. Denn sie protegiert mit ihrer unkritischen Kiefer-Schau den umstrittenen Sammler Hans Grothe.

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Von Tiefpunkt zu Tiefpunkt

Swantje Kirch für FAZ | Artikel lesen

Mit Secondhand-Ausstellungen in die Bedeutungslosigkeit: Die aktuelle Anselm-Kiefer-Schau in Bonn ist ein Musterbeispiel ideenloser Museumspolitik. Um die Bundeskunsthalle steht es schlecht.

Das überflüssige Adeln des ohnehin allgegenwärtigen Anselm Kiefer setzt freilich außer der Fleck-Frage ein weiteres Problem auf die Tagesordnung, dem der Glücklose sich nicht gewachsen zeigte. Es lautet: Was will man in einer „Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland“ im Jahr 2012 sehen? Hier sind ideenreiche Kuratoren vonnöten, die Konzepte sowohl zur Geschichte der Kunst und des Hauses als auch zum gegenwartsbezogenen Stand der aktuellen Kunst entwickeln.

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Over Your Cities Grass Will Grow

Ein bildmächtiger Dokumentarfilm der britischen Filmemacherin Sophie Fiennes über das Werk Anselm Kiefers. Hautnah taucht Fiennes ein in den alchemistischen Schaffensprozess eines der bedeutendsten deutschen Gegenwartskünstler.

Die ureigene, fast magische Ästhetik ihrer Filmbilder zieht den Zuschauer unaufhaltsam in den Bann.

Kiefer schuf seit 1993 auf dem über 35ha großen Gelände “La Ribaute” seinen ganz eigenen mystischen Kosmos aus Natur und Kunst. Aus der hügeligen Landschaft, alten Industriegebäuden, Studioräumen, einem eigens gegrabenen Labyrinth aus unterirdischen Tunneln und einer Serie von Betontürmen erwächst eine fremd anmutende Siedlung. Architektur, Malerei, Installationen und Landschaft verschränken sich zu einem Gesamtkunstwerk.

DVD | Anselm Kiefer – Over Your Cities Grass Will Grow

Untertitel: Deutsch
Bildseitenformat: 16:9 – 2.35:1
Erscheinungstermin: 27. April 2012
Produktionsjahr: 2010
Spieldauer: 105 Minuten

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In ihrem Film fängt Sophie Fiennes die kraftvolle Stimmung dieser Kunstlandschaft wie auch das Wesen der künstlerischen Arbeit Anselm Kiefers ein.

Over Your Cities Grass Will Grow ermöglicht einen außergewöhnlichen Zugang zu Kiefers letzten Tagen in Südfrankreich vor seinem Umzug nach Paris, wo er heute lebt und arbeitet.

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