FERDINAND HODLER und CUNO AMIET

Künstlerfreundschaften sind seit je eine spannungsgeladene Mischung aus Nähe und Konkurrenz. Erstmals widmet sich eine Ausstellung dem künstlerischen Austausch zwischen Ferdinand Hodler (1853—1918) und Cuno Amiet (1868—1961). Sie waren es, die den europaweiten Aufbruch des Jugendstils in der Schweiz prägten.

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Bucerius Kunstforum, Hamburg | bis 01. Mai 2012

Eine Künstlerfreundschaft zwischen Jugendstil und Moderne

Pressetext: Bucerius Kunstforum, Hamburg | www.buceriuskunstforum.de

Im Zentrum stehen die Jahre nach 1893, in denen sich die beiden Künstler persönlich oder über die Kenntnis ihrer Werke begegneten. Auch nach Hodlers Tod 1918 ließ Amiet die von Streit und Versöhnung gekennzeichnete Beziehung nicht los, wie seine hier im Kontext gezeigten posthumen Hommagen an Hodler belegen. Hodler war von Amiets starkfarbiger Palette und der lockeren Malweise fasziniert. Der jüngere Amiet bewunderte Hodlers Symmetrie, Ornament und Linearität. Amiets Gemälde wie Der gelbe Hügel (1903, Kunstmuseum Solothurn) zeigten aber bereits ein über Hodler hinausweisendes Potential. Die Maler der „Brücke“ erkannten dies und nahmen Amiet in ihre Künstlergemeinschaft auf.

KATALOG

200 Seiten,
69 Farbtafeln,
83 Abbildungen in Farbe
und 36 in Schwarz-Weiß.
22,5 × 28 cm, gebunden

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Die Ausstellung stellt zentrale Werkgruppen von Hodler und Amiet einander gegenüber und verdeutlicht den engen künstlerischen Dialog zwischen den Malern. Während Ferdinand Hodler zu den prominentesten Künstlern der Moderne gehört, gilt es Cuno Amiet in Deutschland neu in den Blick zu rücken.

In sieben Kapiteln, die sich den Themenbereichen Landschaften, Selbstbildnisse und Portraits widmen, verdeutlicht die Ausstellung den künstlerischen Austausch der beiden Maler. Im Mittelpunkt stehen dabei die Jahre nach 1893, in denen sich die beiden Künstler persönlich oder über die Kenntnis ihrer Werke begegneten: Ferdinand Hodler war fasziniert von Cuno Amiets starkfarbiger Palette und seiner lockeren Malweise. Der jüngere Amiet bewunderte am Werk Hodlers Symmetrie, Ornament und Linearität.

Um 1900 ist im Kulturleben der Schweiz vom Erneuerungsgeist der Moderne, der die europäischen Metropolen ergriffen hat, wenig zu spüren. Die Zahl der Künstler, die sich von den neuen Strömungen aus Paris, Berlin und London angeregt fühlen, über neue Wege in der Malerei oder Bildhauerei nachzudenken, ist gering. Ferdinand Hodler (1853-1918) und der 15 Jahre jüngere Cuno Amiet gehören neben Giovanni Segantini und Giovanni Giacometti zum überschaubaren Kreis derer, die an diesem Prozeß teilhaben. Nach und nach nimmt die europäische Kunstwelt sie als Repräsentanten einer neuen Schweizer Malerei wahr.

Auch im eigenen Land wächst das Interesse an ihren Werken. In besonderem Maße gilt dies für Hodlers Kunst. Mit seinem kraftvollen künstlerischen Ausdruck wird er als Übervater der aktuellen Schweizer Malerei wahrgenommen. Obwohl (vielleicht auch „weil“) seine Werke regional verwurzelt sind, gelingt es ihm, eine international relevante Position zu formulieren.

Von den jungen Schweizer Künstlern wird er bewundert. Auch von Cuno Amiet. Aber auch Hodler ist an Amiets Schaffen interessiert. Beide freunden sich an. Als Hodler Amiet eine Ateliergemeinschaft vorschlägt, lehnt Amiet die Einladung ab.

Ich erzählte auch von meinen Heiratsplänen und dass ich mich ganz auf dem Lande niederlassen wolle. Er aber rückte mit der Idee heraus, ich solle doch nach Genf kommen, er wolle mir ein Atelier geben, und wir wollten zusammen arbeiten. Es tat mir so leid, ihm mit einem ungern ausgesprochenen, aber ebenso entschiedenen Nein antworten zu müssen. So gut wir uns auch verstanden, und so sehr ich ihn, den 15 Jahre Älteren, bewunderte und hochschätzte, mein Verlangen nach meiner ganzen Selbständigkeit konnte ich nicht aufgeben.

[ Cuno Amiet (1948), zit. nach: Urs Zaugg: Cuno Amiet – Hellsauer Jahre, Jahrbuch des Oberaargaus, Bd. 33 (1990), S. 55 ]

Amiet ist bewußt, dass seine künstlerische Auseinandersetzung mit Hodler von der Kunstkritik längst als Makel angesehen wurde. Von Hodler erhofft Amiet sich Beistand. Als Hodler ihm diesen versagt, kommt es zum Ende der freundschaftlichen Verbindung. Erst kurz vor Hodlers Tod besucht Amiet den alten kranken Meister und beide versöhnen sich. Als Hodler am 19. Mai 1918 stirbt, reist Amiet nach Genf, um ihn auf dem Totenbett zu malen.

Auch nach Hodlers Tod gibt es in Amiets Werken immer wieder Erinnerungsmomente an den verstorbenen Freund.

Die Ausstellung wurde gemeinsam mit dem Kunstmuseum Solothurn konzipiert, das über die bedeutendste Sammlung von Gemälden Amiets verfügt. Die wichtigsten Schweizer Museen und zahlreiche private Sammler sind mit Leihgaben vertreten.

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