MEL BOCHNER – Wenn sich die Farbe ändert

Mel Bochner (geb.1940) ist einer der Gründerfiguren der Konzeptkunst. Er gehört zu der New Yorker Künstlergeneration, die sich in den 1960er Jahren mit dem seinerzeit ausgerufenen „Ende der Malerei“ auseinandersetzte. Bochner war einer der Ersten, die Sprache im Bildraum einsetzten. Er verwendet für seine Arbeiten vielfältige Systeme, um Strukturen zu schaffen: Zahlen, Abmessungen, Reihen, Wiederholungen.

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Farbe mag ein ungewöhnlicher Ausgangspunkt sein, um das Lebenswerk gerade dieses Künstlers zu erkunden, doch die Installationen, Fotografien, Skultpruen und Gemälde sowie die neuesten Thesaurus-Gemälde belegen, dass Farbe Mel Bochner schon immer beschäftigt hat.

Haus der Kunst, München | 07.03 — 23.06.13

Mel Bochner: Wenn sich die Farbe ändert

Pressetext: Haus der Kunst, München

Der amerikanische Künstler Mel Bochner (geb. 1940) gehört zu den Begründern der Konzeptkunst und somit zu einer Künstlergeneration, die Anfang der 1960er-Jahre die Vorrangstellung der Malerei in der Kunst radikal aufbrach. Mel Bochner vollzog diesen Bruch insbesondere durch die Einführung von Sprache in seine Arbeiten.

Die jüngere Werkentwicklung Bochners hingegen zeugt von einer Überprüfung des einst verschmähten Mediums, wobei ihm die eigene, konzeptuelle Bildsprache zu Erkenntnissen über die neuen Möglichkeiten der Malerei verhilft. In der Ausstellung werden Werke aus allen Schaffensphasen Bochners gezeigt. Sie präsentiert die frühen kleinen Skulpturen und Zeichnungen ebenso wie Installationen, Wandmalerei, Fotografien und Gemälde.

Den Auftakt bildet die Arbeit „Working Drawings and Other Visible Things on Paper Not Necessarily Meant to Be Viewed as Art“, die Bochner 1966 in der School of Visual Arts Gallery in New York zeigte. Die Präsentation gilt als die erste Ausstellung der Konzeptkunst und wurde wegweisend für deren spätere Entwicklung.

In der Folge beschäftigt sich Bochner mit unterschiedlichen Themen wie der Reproduktion und Transformation, die er in fotografischen Werkkomplexen ausführlich untersucht, der Mathematik oder der Theorie der Malerei. Obwohl Konzeptkünstler, verwendet Bochner in seinem Werk konsequent Farbe. So tritt in den Arbeiten der vergangenen 15 bis 20 Jahre die Farbe geradezu in Konkurrenz zu den Elementen Sprache und Text.

Der Katalog „If the colour changes“

Der Katalog zeigt Bochners Werke ab den 1960er-Jahren. Er präsentiert auf 214 Seiten die frühen kleinen Skulpturen und Zeichnungen des Künstlers ebenso wie dessen aktuelle Installationen, Wandmalereien, Fotografien und Gemälde, die nun erstmals in einer europäischen Werkschau zu sehen sind.

 KATALOG  Mel Bochner - If the colour changes

KATALOG | Mel Bochner – If the colour changes

Mit Beiträgen von A. Borchardt-Hume, J. Fernandes, U. Wilmes, B. Fer

Klappenbroschur
214 Seiten,
130 Abbildungen in Farbe, darunter 63 Farbtafeln,
16 Abbildungen in Schwarz-Weiß
Sprache: Deutsch
24,5 x 28,5 cm,
München, 2012

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Essays namhafter Autoren ergänzen die 130 großformatigen Bildtafeln und Abbildungen: Achim Borchardt-Hume setzt sich mit der Rolle der Farbe in Bochners neuesten Werken auseinander. Ulrich Wilmes vergleicht die letzten Arbeiten mit dem früheren Schaffen. João Fernandes erforscht die Sprache und Briony Fer befasst sich mit Abstraktion und Korruption bei Bochner. Mel Bochners Vorlesungen über sein Werk schließen den Katalog ab.

Die Serie der „Thesaurus Paintings“ zeigt etwa Aneinanderreihungen von Wörtern auf großformatigen Leinwänden. Die in knalligen Farben gemalten Buchstaben wetteifern mit ebenso farbigen Hintergründen und fordern vom Betrachter gleichzeitiges Lesen und Betrachten. In der titelgebenden Serie „If the Color Changes“ (1997-2000) zitiert Bochner aus einer Abhandlung Wittgensteins zum Thema Farbe. Die deutsche und die englische Version des Textes überlappen sich im Bild, so dass der Betrachter zu einer aktiven Beobachtung des komplexen Text-Bildes aufgefordert ist.

„Cool! Wow! Yesss!“ Mel Bochner reiht in seinen Thesaurus-Bildern Begriffe unkommentiert aneinander, jedes Wort in einer anderen Farbe. Die Farbtöne mancher Wörter sind dem Hintergrund so ähnlich, dass sie praktisch verschwinden. Andere Begriffe heben sich so stark ab, dass sie dem Betrachter ins Auge springen, sich regelrecht aufdrängen.

Dadurch bricht Bochner die herkömmliche Leserichtung von links nach rechts auf. Die Wörter bilden neue Kombinationen mit überraschenden Bedeutungen. Je länger man die Bilder betrachtet, desto belangloser wird das geschriebene Wort. Das Auge konzentriert sich auf das Zusammenspiel der Farben. Die Buchstaben werden zu Mustern.

Mel Bochner als Gründerfigur der Konzeptkunst

Mel Bochner war einer der ersten, der die Sprache als Ausdrucksmittel in seinen Bildern einsetzte. Damit distanzierte er sich rigoros von den traditionellen künstlerischen Darstellungsmitteln und wurde zu einem Wegbereiter der Konzeptkunst. Die Ende der 1960er-Jahre in den USA entstandene Kunstrichtung kehrte sich von der vorherrschenden abstrakten Malerei ab und ging neue Wege.

Im Vordergrund steht nicht das Werk selbst, sondern die Idee dahinter. So verwendet Bochner Systeme wie Buchstaben, Zahlen, Reihen oder Wiederholungen als Grundlage für seine Arbeit. Daraus entwickelt er seine Skulpturen, Gemälde, Fotografien und Rauminstallationen.

Die Idee hinter Bochners Werken

Mel Bochners Kunstwerke haben immer das Ziel, dem Betrachter eine Botschaft zu vermitteln. Er soll seine gewohnte Sichtweise auf die Welt hinterfragen und neue Zusammenhänge erkennen. In seinen Thesaurus-Bildern verweist Bochner zum Beispiel auf die Entwicklung der Sprache.

Beim Durchblättern eines Wörterbuches fiel ihm auf, dass darin nicht mehr nur Begriffe der Schriftsprache gelistet sind, sondern auch Wörter aus dem Alltag, Dialektformen und sogar Kraftausdrücke. Diesen Wandel in der Sprache versucht er auch in seinen Bildern auszudrücken: Sie beginnen mit gewöhnlichen Begriffen und enden im Straßenjargon.

„Mel Bochners Werke sind der künstlerisch perfekt konzipierte Widerspruch in sich: Die Leere des „Blah Blah Blah“ bordet über und das Schweigen klingelt einem schließlich in den Ohren.“ [ Roberta De Righi – Lebenslange Reflexion über die Malerei ]

Das gelb-schwarze Spruchband „The Joys of Yiddish“, das Bochner an der Fassade des Haus der Kunst installieren ließ, spielt mit dem Spannungsverhältnis, das aus dem Inhalt des Textes und der verwendeten Farbe entsteht: In diesem Fall wird die Sprache der Opfer in den jüdischen Ghettos des Dritten Reiches mit den Farben der Täter, die auf den gelb-schwarzen Armbinden prangte, verknüpft.

Die Ausstellung wurde organisiert von Whitechapel Gallery, London, in Zusammenarbeit mit dem Haus der Kunst und dem Museu de Serralves, Porto.

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VIDEO | Mel Bochner – Whitechapel Gallery, London

‘My interest is in the various and fundamental ways we have of understanding and moving through the world, of coordinating our acts or operations, for example: joining, separating, corresponding, or transposing. I am not ‘making art’. In the sense that my work is intransitive (it has no object). I prefer to say that I am ‘doing’ art.’
[ Mel Bochner, Lecture at the ICA, London, 1971 ]

Mel Bochner – Interpretation Panels [ download pdf file ]

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