PAULA MODERSOHN-BECKER – Der Weg in die Moderne

Bucerius Kunst Forum, Hamburg | bis 01. Mai 2017

Portrait der Künstlerin [ Ausschnitt ]
Paula Modersohn-Becker in der Veranda ihres Hauses, 1901
Foto: Atelier Schaub, Hamburg
Paula-Modersohn-Becker-Stiftung, Bremen

Das Bucerius Kunst Forum präsentiert eine konzentrierte Neubetrachtung des Werks der deutschen Ausnahmekünstlerin Paula Modersohn-Becker. Die Einzelausstellung veranschaulicht anhand von rund 80 Werken die singuläre Bedeutung ihres kurzen künstlerischen Schaffens in einer Zeit zwischen zwei grundverschiedenen Künstlergenerationen: den Spätimpressionisten und den Expressionisten.


Die Schau will durch gezielt gewählte – teils auch weniger bekannte – Gemälde und Zeichnungen einen neuen Blick auf das herausragende Werk von Paula Modersohn-Becker ermöglichen. Die Präsentation motivischer Wiederholungen verdeutlicht die Entwicklung ihrer eigenen Bildmittel und Methodik im Verlauf ihres kurzen künstlerischen Schaffens.

Während Modersohn-Beckers eigenwilliger und avantgardistischer Stil zu ihren Lebzeiten als irritierend oder befremdlich empfunden wurde, gilt er heute als revolutionär und zukunftsweisend.

Die Ausstellung zeigt die Künstlerin erstmals als Wegbereiterin der Moderne und widmet ihr den Auftakt der Trilogie der Moderne im Bucerius Kunst Forum in den Jahren 2017 und 2018.

———

Bucerius Kunst Forum, Hamburg | bis 01. Mai 2017

PAULA MODERSOHN-BECKER – Der Weg in die Moderne

Pressetext: Bucerius Kunst Forum www.buceriuskunstforum.de
Kurator: Uwe M. Schneede in Kooperation mit der Paula-Modersohn-Becker-Stiftung, Bremen

KATALOG

Gebundene Ausgabe, Halbleinen
180 Seiten
200 Abbildungen
Verlag: Hirmer
Sprache: Deutsch
22,5 x 2 x 28,7 cm

amazon-logo_100x70

So wie Paula Modersohn-Becker (1876–1907) künstlerisch zwischen zwei Generationen arbeitete, lebte sie geistig und topographisch in zwei ebenso grundverschiedenen Welten. Beeindruckt von den stimmungsvollen Bildern der Künstlerkolonie Worpswede, siedelte sie nach Abschluss ihres Berliner Malstudiums 1898 in das abgeschiedene Dorf in der Nähe von Bremen über.

Unter dem Eindruck des Worpsweder Naturlyrismus entstanden ihre ersten Landschaftsbilder. Anstatt jedoch wie ihre Künstlerkollegen einen Landschaftsausschnitt möglichst naturgetreu zu malen, dachte ModersohnBecker zunächst lange über die Komposition des Bildes nach. Erst nachdem Ausschnitt, Form und Farbe festgelegt waren, ging sie an die Staffelei.

In Deutschland fand sie für ihre unkonventionelle und zukunftsweisende Malerei keine Strukturen: Künstler wie Kirchner, Beckmann, Klee, Marc oder Kandinsky waren noch nicht bei ihrem eigenständigen, revolutionären Werk angelangt, außerdem fehlten wirksame Förderer, Händler oder Sammler.

Vorbilder und künstlerische Freiheit fand Paula Modersohn-Becker in Paris, wo sie in mehreren Studienaufenthalten ihre eigene Malweise entwickelte und schärfte. Beeindruckt war sie hier von den damals modernsten, teilweise noch unbekannten Malern, darunter Cézanne und Matisse, die sie damals schon als zukunftsweisend erkannte.

Besonders und fremde Bildmittel sowie noch nicht zuvor gesehene Farb- und Formkonstellationen gaben ihr Anregung. Unter dem Eindruck ihrer zahlreichen Atelier-, Galerie- und Museumsbesuche betrieb sie ihre eigene Forschung und entwickelte auf experimentellem Weg eine spezifische Bildsprache und damit eigene Ikonographie.

Paula Modersohn-Becker [Public domain], via Wikimedia Commons
Mädchen mit Kind [ Google Art Project ]

Leuchtende Farben, vereinfachte Formen

„In Paris sah Paula Modersohn-Becker in Ausstellungen und bei Kunsthändlern die Werke bedeutender Künstler wie Cézanne oder Gauguin. Zeitgenossen wie Rodin und Maillol lernte sie persönlich kennen. … Die junge Malerin fühlte sich durch ihre Pariser Kunsterlebnisse in ihrer höchst modernen Kunstauffassung bestätigt und auf ihrer Suche nach neuen Ausdrucksformen inspiriert:

Konsequent und eigenständig entwickelte sie nun ihre eigene Bildsprache jenseits von Naturalismus und Impressionismus weiter. Sie verwendete zunehmend leuchtende, flächig aufgetragene Farben und kam zu einer ausdrucksstarken Formensprache von großer Einfachheit.“ [ via Pressetext: Kunsthalle Bremen, 2008, zur Ausstellung „Paula Modersohn-Becker und die Kunst in Paris um 1900“ ]

Entscheidenden Einfluss auf Paula Modersohn-Beckers Entwicklung hatten vor allem Cézanne und Gauguin. Am 21. Oktober 1907, kurz vor ihrem Tod, schrieb sie ihrer Freundin Clara Rilke-Westhoff:

„Ich denke und dachte diese Tage stark an Cézanne und wie das einer von den drei oder vier Malerkräften ist, der auf mich gewirkt hat wie ein Gewitter und ein großes Ereignis“.

Paula Modersohn-Becker ist eine der bedeutendsten Malerinnen zu Beginn der Moderne. Und doch: Bis heute wurde vor allem der Aufbruch der Männer-Moderne wahrgenommen: Cezanne, Gauguin, van Gogh, Munch, Picasso, Rodin und andere. Doch ohne Paula Modersohn-Becker und einige andere Künstlerinnen sähe die Kunst des frühen zwanzigsten Jahrhunderts anders aus.“

PUBLIKATION
Paula Modersohn-Becker
Paris – Leben wie im Rausch. Biografie

Gebundene Ausgabe
336 Seiten
Sprache: Deutsch
22 x 15,4 x 3 cm

Zum 100. Todestag der Künstlerin, am 20. November 2006, ist von der Kunsthistorikerin Renate Berger die Schilderung der prägendsten und aufregendsten Zeit der Künstlerin erschienen: die „Pariser Jahre“ zwischen 1900 und 1907.

Begleitet wird sie bei ihren zahlreichen Aufenthalten in der französischen Metropole von der Freundin und Malerin Clara Westhoff, der Ehefrau Rainer Maria Rilkes. Die Stadt an der Seine ist ein Abenteuer, eine Flucht aus der Enge der deutschen Provinz in eine Welt, in der die Sprache der Kunst neu erfunden wurde, und die Modersohn-Becker schließlich in Worpswede auf die ihr eigene Weise weiterentwickeln wird. Paris ist aber auch der Ort, an dem Paula Modersohn-Becker ganz zu sich findet und ihr Leben endgültig selbst in die Hand nimmt.

So steht sie auch am Anfang einer sehr aktuellen, unaufgeregten und zugleich entschiedenen Selbstbefreiung der moderner Frauen.

 

Leinwanddruck | Paula Modersohn-Becker | Mädchenkopf vor einem Fenster, 1902

60 x 50 cm auf Keilrahmen,
Fertigbild auf echter Leinwand
Material: Echte hochweiße Künstlerleinwand „Fine Art Canvas“
Farbe: Hochwertiger UV-Direktdruck für satte & haltbare Farben
Handling: Leinwandbild sofort aufhängbar inklusive Wandhalterung

Ihren oftmals wiederkehrenden Motiven, darunter Kinder und Frauen, Selbstbildnisse, Stillleben und Landschaften, entzog sie alles Heimatliche, alle schmückenden Details und alles Genrehafte, um eine vereinfachte, allgemeingültige Formensprache zu finden.

Charakteristisch hierfür sind beispielsweise die Portraits von Kindern, denen sie durch Herausnahme aus dem Alltag, jenseits ihrer Individualität und ihrer äußeren Erscheinung, eine besondere Erhabenheit verlieh. Zur Entfremdung des Vertrauten schematisierte Modersohn-Becker Gesichtszüge bis ins Maskenhafte.

Die Ausstellung präsentiert hierfür beispielhaft ein Selbstportrait der Künstlerin, das diese durch einen Abklatsch mit Zeitungspapier vervielfältigte und weiterbearbeitete, bevor sie es ein weiteres Mal auf die Rückseite eines Briefs kopierte. Von den Gesichtszügen blieben hier nur halbtransparente Masken, ihrer individuellen Gesichtszüge weitestgehend beraubt und distanziert von ihrem detailreichen Ursprung.

Die drei erstmals gemeinsam gezeigten Werke führen die besondere methodische Arbeitsweise der Künstlerin vor Augen und geben gleichzeitig einen Hinweis auf Paula Modersohn-Beckers Hinwendung zur Abstraktion in ihren letzten Werken.

Ausstellungsfilm

VIDEO | Paula Modersohn-Becker. Der Weg in die Moderne [ Bucerius Kunst Forum, Hamburg ]

Die Ausstellung im Hamburger Bucerius Kunst Forum macht deutlich, wie die Künstlerin alltägliche Motive aus ihrer Umgebung in Worpswede nutzte, um diese, von Klischees befreit, ihrem eigenen Modernitätsbegriff unterzuordnen.


PAULA | Der Arthouse Film

Im Frühjahr 2017 im Kino

http://kinofinder.kino-zeit.de/programmsuche/337996/20/1?moviename=Paula+%282016%29

Worpswede, 1900. Schon bei ihrer ersten Begegnung spüren Paula Becker und Otto Modersohn eine besondere Verbindung. Aus ihrer gemeinsamen Leidenschaft für die Malerei wird die große Liebe.

Als sie heiraten, führen sie eine Ehe fernab von gängigen Mustern ihrer Zeit. Eine Beziehung in satten Farben, reich an Konturen und mit Spuren von Kämpfen. So wie die Gemälde der jungen Frau, die mutig nach dem Leben greift und die als Paula Modersohn-Becker in die Kunstgeschichte eingehen wird. Gegen alle Widerstände lebt sie ihre Vision von künstlerischer Selbstverwirklichung und ihre romantische Vorstellung von Ehe und Liebe.

Mit PAULA erzählt Regisseur Christian Schwochow das faszinierende Leben einer hochbegabten Künstlerin und radikal modernen Frau zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Voller Sinnlichkeit, mit zartem Humor und spielerischer Leichtigkeit ist PAULA auch die Geschichte einer großen, leidenschaftlichen Liebe. Die Konflikte, an denen die Liebenden zu scheitern drohen, sind heute – ein Jahrhundert später – aktueller denn je.

VIDEO | Biopic über Paula Modersohn-Becker
Christian Schwochow erzählt die Lebensgeschichte einer der bedeutendsten Malerinnen des Expressionismus.

 


 

Bucerius Kunst Forum, Rathausmarkt 2, 20095 Hamburg

Öffnungszeiten

täglich von 11 bis 19 Uhr, donnerstags bis 21 Uhr

Eintrittspreise

Erwachsene € 9,–, ermäßigt € 6,–
Montags (außer feiertags) Einheitspreis € 6,–
Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren: Eintritt frei

————

SOCIAL MEDIA anonym durch Einsatz des c't-Projektes Shariff