VELÁZQUEZ und das goldene Zeitalter der spanischen Kunst

Gemäldegalerie – Staatliche Museen zu Berlin | bis 30. Oktober 2016

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Portrait of Francisco Pacheco (ca. 1620) by Diego Velázquez 
Ausschnitt [Public domain], via Wikimedia Commons

El Siglo de Oro – das goldene Zeitalter der spanischen Kunst – zählt zu den bedeutendsten wie populärsten Kapiteln der europäischen Kulturgeschichte. Erstmals kann in diesem Sommer in Berlin die faszinierende Vielfalt der Malerei und Skulptur des 17. Jahrhunderts auch außerhalb Spaniens umfassend erlebt werden – mit über 150 Meisterwerken von Velázquez, El Greco, Francisco de Zurbarán und Bartolomé E. Murillo sowie bislang kaum bekannten Künstlern wie Alonso Cano und Gregorio Fernández.


In der Gemäldegalerie der Staatlichen Museen zu Berlin, die eine der bedeutendsten Sammlungen spanischer Gemälde in Deutschland besitzt, wird ab dem 1. Juli 2016 dank zahlreicher internationaler Leihgaben – viele davon sind erstmalig hierzulande zu sehen – der Reichtum der spanischen Kunst des 17. Jahrhunderts in einer groß angelegten Sonderausstellung zu sehen sein. Zentraler Aspekt ist die vergleichende Betrachtung der Entwicklung von Malerei und der bisher kaum beachteten Bildhauerkunst.

Eine Ausstellung der Gemäldegalerie – Staatliche Museen zu Berlin in Kooperation mit der Kunsthalle München.

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Berlin | Gemäldegalerie 01.07.2016 - 30.10.2016
München | Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung 25.11.2016 - 26.03.2017

El Siglo de Oro. Die Ära Velázquez

Spaniens goldene Zeit Die Ära Velázquez in Malerei und Skulptur

KATALOG | Spaniens goldene Zeit: Die Ära Velázquez in Malerei und Skulptur

LESEPROBE

Hardcover mit Schutzumschlag
336 Seiten
206 Abbildungen in Farbe
Verlag: Hirmer
Sprache: Deutsch
24,5 x 3 x 29,4 cm

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Das Buch ist eine formidable Einladung, diese bedeutende Epoche der europäischen Kunstgeschichte durch erlesene Werke der Malerei, Bildhauerei und Zeichnung kennenzulernen.

Am Beispiel der Kunstzentren Toledo, Valencia, Sevilla und Madrid zeichnet die Ausstellung den historischen Wandel Spaniens nach, dessen Kunstproduktion untrennbar mit den politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen des 17. Jahrhunderts verbunden ist: Die spanische Kunst erreichte in einer Zeit ihren Höhepunkt, in der das zuvor mächtigste Land Europas mit dem kontinuierlichen Verlust politischer Macht und dem wachsenden Einfluss des Protestantismus konfrontiert war.

Die sich im Spannungsfeld zwischen König und Kirche entwickelnde Bildsprache und Ikonographie diente primär als Instrument der politischen Propaganda und zur Vortäuschung vermeintlicher Stärke und Stabilität.

Die Ausstellung bietet nun die einmalige Gelegenheit, diese bedeutende Epoche der europäischen Kunstgeschichte anhand von Originalen der Malerei, Bildhauerei und Zeichnung kennenzulernen.


VIDEO | El Siglo de Oro – Das goldene Jahrhundert der spanischen Kunst | 52 Minute

Die Dokumentation „El Siglo de Oro – Das goldene Jahrhundert der spanischen Kunst“ erzählt von der faszinierenden Vielfalt der spanischen Kunst im Jahrhundert ihres größten Erfolgs. Im 17. Jahrhundert erreichte Spaniens Kunst ihre Blütezeit: Die Maler El Greco, Diego Rodríguez de Silva y Velázquez, Bartolomé Esteban Murillo und Francisco de Zurbarán überzeugen mit ihrem Realismus und ihrem Können für psychologisch gezeichnete Porträts. Auch die gewaltigen Holzskulpturen Gregorio Fernández‘ beeindrucken durch ihre überwältigende Darstellung von Leid und Schmerz.

Filmemacherin Grit Lederer reist für die Sendung in die Kunstzentren der damaligen Zeit – nach Sevilla, Madrid, Toledo und Valladolid – und taucht in die Welt des 17. Jahrhunderts ein. So besucht sie die Franziskaner-Mönche des Klosters Guadalupe in der dünn besiedelten Region Extremadura, in der die Zeit stehen geblieben scheint und die Gemälde Zurbaráns noch heute an ihrem originalen Ort in der Sakristei des Klosters präsentiert werden.

Exklusiv filmt sie die Werke des Malers Murillo in der Barockkirche der Bruderschaft Hospital de la Caridad in Sevilla sowie den Salón de Reinos, den „Saal der Königreiche“, im Madrider Palacio del Buen Retiro, in dem die Werke von Velázquez einst zur Verherrlichung des spanischen Königs Philipp IV. hingen. Dabei steht eine Frage im Mittelpunkt: Inwiefern spiegelt die Kunst die weltweite Vormachtstellung Spaniens zur Zeit des Barock wieder?


Die Blüte der Kunst in widrigen Zeiten

Um 1600 war Spanien das mächtigste Land der westlichen Hemisphäre und beherrschte ein enormes, über fünf Kontinente verteiltes Territorium. Diese führende Position konnte Spanien bis etwa zur Mitte des 17. Jahrhunderts halten, als ein kontinuierlicher Prozess des Macht- und Bedeutungsverlusts einsetzte.

Das Umfeld, in dem sich diese machtpolitischen Verschiebungen abspielten, war alles andere als einfach. Das 17. Jahrhundert gilt als Zeitalter einer globalen Krise, die sich in Spanien etwa in Hungersnöten, Epidemien, Aufständen und kriegerischen Auseinandersetzungen auswirkte. In Kombination mit einer starken Emigration ging die Einwohnerzahl deutlich zurück, und insbesondere in Kastilien versanken zahlreiche ehemals pulsierende Städte in der Bedeutungslosigkeit.

Man sollte annehmen, dass ein solches Umfeld der spanischen Kunst nicht unbedingt zuträglich war. Tatsächlich ebneten jedoch herausragende Persönlichkeiten wie der Schriftsteller Miguel de Cervantes oder der Maler El Greco um 1600 den Weg zu einer Blüte der Künste von ungeheurem Ausmaß. Die desolate Epoche entwickelte sich hierdurch für Spanien paradoxerweise zugleich auch zum Siglo de Oro – dem Goldenen Jahrhundert.

Die Entfaltung der bildenden Künste im Siglo de Oro lässt sich grob in drei Abschnitte unterteilen, die weitestgehend mit den Regierungszeiten der jeweiligen Könige zusammenfallen.

  • Unter der Herrschaft Philipps III. (1598–1621) entwickelte sich eine Vielzahl unterschiedlicher Kunstzentren, in denen mannigfaltige und überraschend eigenständige Wege in der Auseinandersetzung mit den Strömungen des in Italien aufkommenden Barock eingeschlagen wurden.
  • Während der anschließenden Regentschaft Philipps IV. (1621–1665) wurde die Kunst verstärkt von den Machteliten instrumentalisiert. Zugleich erreichte das Siglo de Oro im Wirken der Generation der großen Meister seine künstlerische Blütezeit.
  • Unter König Karl II. (1661–1700) schließlich intensivierten sich die Tendenzen einer zunehmenden Konzentration künstlerischer Aktivitäten in Madrid.

Über die einzelnen Entwicklungsetappen hinweg bildete die Kunst des Siglo de Oro zahlreiche eigenständige Charakteristika aus, die ihre herausragende Stellung im Kontext der europäischen Kunst ihrer Zeit begründeten. Hierzu zählen vor allem ein ganz eigener Zug zum Realismus sowie ein intensives Wechselspiel zwischen Malerei und Skulptur. Von überragender Bedeutung waren zudem die spanischen Beiträge zur Stillebenmalerei und Portraitkunst.

Das Portrait

Die außerordentliche Qualität der spanischen Portraits der frühen Neuzeit ist in besonderer Weise mit ihrem Verwendungszweck und ihren Auftraggebern verbunden. Um ihr Selbstbild zu verbreiten, bedienten sich vor allem Monarchie und Aristokratie der größten Künstler ihrer Zeit. Die Kunstwerke galten ihnen zugleich als historische Dokumente, in denen sich die Geschichte des Landes widerspiegelte.

Dieses historische Bewusstsein zeigte sich auch in den Konventionen zur korrekten Darstellung der königlichen Familie, deren Parameter weitgehend festgelegt waren. Diesem Modell folgten auch viele Vertreter der gesellschaftlichen Elite, andere hingegen ließen sich bei der Ausübung ihrer Tätigkeit zeigen.

Als Maler war Velázquez insbesondere auf dem Gebiet der Porträtkunst herausragend. Durch seine Position als Kammermaler war er für die Erstellung der offiziellen Porträts des Monarchen und seiner Familie zuständig. Das in diesen Arbeiten deutlich spürbare Einfühlungsvermögen und Interesse prägten auch seine zahlreichen weiteren Porträts von Persönlichkeiten des Hofes und seines Umfelds. Velázquez bediente sich hierbei üblicherweise eines neutralen Hintergrunds und lenkte so die ganze Aufmerksamkeit auf die Gesichtszüge der Porträtierten, die wie Beispiele psychologischer Studien wirken.

Malerei und Skulptur

Die Künstler im Spanien des 17. Jahrhunderts strebten in ihren Skulpturen mit großem Eifer und Ideenreichtum nach Realismus. Um ihre Werke wirklichkeitsnäher erscheinen zu lassen, griffen die Bildhauer häufig zu außergewöhnlichen Mitteln. So statteten sie ihre Skulpturen etwa mit Zähnen aus Elfenbein oder gläsernen Augen und Tränen aus. Speziell geschulte Maler verstärkten diesen Effekt bei der farbigen Fassung noch mit lebensecht wirkenden Hauttönen.

Nicht zuletzt hierdurch kam es im Siglo de Oro zu einem intensiven Dialog zwischen Bildhauerei und Malerei, die in ihren Gemälden einen vergleichbar atemberaubenden Realismus anstrebte. Anders als Letztere war die spanische Bildhauerei allerdings fast vollständig in den Dienst der Kirche eingespannt. Ihre religiösen Bildwerke verliehen dem Göttlichen zutiefst menschliche Züge und galten so als perfekte visuelle Ergänzung der Katechese, der Unterweisung in der Glaubenspraxis.

VIDEO | Diego Velázquez – Ungeschminkter Realismus [ arte Dokumentation, 2015 ]

 


PRESSESCHAU

Land ohne Lächeln

Jürgen Klaube für die FAZ | Artikel lesen

„Mit der Ausstellung über das Goldene Zeitalter in Spanien leistet die Gemäldegalerie in Berlin Großes: Von Velázquez bis Zurbarán teilen Maler und Bildhauer in diesen Jahren ein dunkles Geheimnis. Sie hat aus Sammlungen des spanischen Barock weltweit Bildwerke – Gemälde, Skulpturen und Zeichnungen – so zusammengestellt, dass für den Betrachter nicht nur ein Lehrpfad durch die Epoche und ihre regionalen Zentren (Valencia, Madrid, Sevilla) gebahnt wird, sondern eine Welt entsteht. Und zwar eine maximal fremde Welt.“

Spaniens goldenes Zeitalter

Carsten Probst für Deutschlandradio Kultur | Artikel lesen

„Fantasievolle Martyrien, abgehackte Köpfe, blutüberströmte Leiber: In der Berliner Gemäldegalerie zeigt die Ausstellung „El Siglo de Oro“ mit dramatischen wie grausamen Darstellungen brilliant inszinierte Zeitgeschichte aus dem goldenen Zeitalter der spanischen Kunst. Dieser Parforceritt durch eine der intensivsten Epochen der europäischen Kunst lässt niemanden kalt.“


 

Gemäldegalerie – Staatliche Museen zu Berlin

Öffnungszeiten
Di – Fr 10 – 18 Uhr, Do bis 20 Uhr, Sa + So 11 – 18 Uhr, Mo geschlossen
Öffnungszeiten an Feiertagen unter www.smb.museum/besuch-planen

Eintritt
Zeitfensterticket 14 € / erm. 7 € (inkl. Dauerausstellung)
Ticket kaufen

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