LOUISE BOURGEOIS – Strukturen des Daseins – Die Zellen

Haus der Kunst, München | bis 02. August 2015

Louise Bourgeois - Strukturen des Daseins - Die Zellen - KatalogCover - Ausschnitt

Die Ausstellung im Haus der Kunst vereint die größte Anzahl von „Zellen“, die je zusammen gezeigt worden sind. Damit widmet sie sich einem Schlüsselaspekt in Bourgeois‘ Schaffen und untersucht die begrifflichen, architektonischen und psychologischen Akzente, die die Künstlerin mit den „Zellen“ gesetzt hat.

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In über 70 Jahren künstlerischem Schaffen hat Louise Bourgeois (1911, Paris — 2010, New York) ein einzigartiges Œuvre in einer großen Vielfalt von Form, Material und Größe geschaffen. In den 1940er-Jahren war sie die Erste, die ihre Umgebung in aktuelle Arbeiten einbezog; in den 1970er- und 1980er-Jahren ließ sie ihre Skulpturen in einen Dialog mit Theater und Performance treten.

Louise Bourgeois‘ Werk trug dazu bei, dass Feminismus und Psychoanalyse in den kritischen Diskurs einbezogen wurden — Theorien, die bis heute im Vokabular der zeitgenössischen Kunst von zentraler Bedeutung sind.

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Haus der Kunst, München | 27.02 — 02.08.15
Ausstellungseröffnung Donnerstag, 26.02, 19 Uhr

LOUISE BOURGEOIS – Strukturen des Daseins

Die Zellen

Pressetext: Haus der Kunst, München

Hauptwerke aus den beiden letzten Jahrzehnten eines langen Künstlerlebens

Zu den innovativsten und anspruchsvollsten skulpturalen Arbeiten innerhalb ihres umfangreichen Œuvres gehören die „Cells“ [Zellen], eine Serie von architektonischen Räumen und Situationen, die ihre Aufmerksamkeit fast zwanzig Jahre fesselte.

Wie die meisten ihrer Arbeiten sind auch Louise Bourgeois’ Zellen, entstanden in den beiden letzten Lebensjahrzehnten der Künstlerin, zugleich rätselhaft und sehr persönlich.

Hoch komplex und provokativ locken sie den Blick des Betrachters in kleine Käfiggehäuse oder in raumfüllende Installationen. Bourgeois’ Zellen beinhalten skulpturale Arbeiten der Künstlerin, Objets trouvés und bedeutungsgeladene Gegenstände aus ihrem persönlichen Besitz. Die „Zellen“ wirken als hoch emotionale Mikrokosmen: Jede ist ein facettenreiches und dichtes Arrangement in einem Gehäuse, das als spannungsreiche Barriere zwischen Bourgeois‘ Innenwelt und der Außenwelt des Ausstellungsraums steht.

In sorgfältig inszenierten, fast theatralen Szenen erzeugen gefundene Gegenstände, Kleidungsstücke oder Stoffe, Mobiliar und markante Skulpturen der Künstlerin eine intensive Atmosphäre. In Bourgeois‘ eigenen Worten:

„Die ‚Zellen‘ repräsentieren verschiedene Arten von Schmerz: physischen, emotionalen, psychologischen, geistigen und intellektuellen Schmerz … Jede ‚Zelle‘ befasst sich mit dem Genuss des Voyeurs, mit dem Reiz des Sehens und Gesehenwerdens. Die ‚Zellen‘ ziehen sich entweder an oder stoßen einander ab. Es gibt diesen Drang, sich zu verbinden, zu verschmelzen oder zu zerfallen.“ (Louise Bourgeois, 1991)

Louise Bourgeois - Strukturen des Daseins - Die Zellen - Katalog

BUCH | Louise Bourgeois
Strukturen des Daseins: Die Zellen

Gebundene Ausgabe, Pappband,
288 Seiten,
90 farbige Abbildungen,
Sprache: Deutsch
21,5 x 27,0 cm

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Sechs Einzelinterpretationen fächern die ganze Bandbreite von Bourgeois’ Auseinandersetzung mit Themen wie körperlichem und seelischem Schmerz, Voyeurismus, Einverleibung und Zerfall auf. Ein farbiger Abbildungsteil dokumentiert in Detailaufnahmen die Werke der gesamten Serie, deren Entwicklung im Textteil ausführlich dargestellt wird. Ergänzt durch ein Gespräch mit Bourgeois’ Assistent Jerry Gorovoy, bietet der Band eine umfassende Würdigung dieser zentralen Werkgruppe im OEuvre der französisch-amerikanischen Ausnahmekünstlerin.

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Louise Bourgeois DVDDVD | Louise Bourgeois Film

Format: HiFi Sound, PAL, Widescreen
Anzahl Disks: 1
Spieldauer: 40 Minuten
Sprache: deutsch | english

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Louise Bourgeois Film Kunst handelt nicht von Kunst, Kunst handelt vom Leben, so Louise Bourgeois. Diese Aussage interpretierend, blickt die Dokumentation LOUISE BOURGEOIS hinter die Arbeiten der Grande Dame der zeitgenössischen Kunst, beschäftigt sich mit der Biografie der 1911 in Frankreich geborenen Bildhauerin, ihren Gedanken und Ängsten. Der Film kehrt vertraute Perspektiven um und visualisiert die Werke aus dem Blickwinkel der Künstlerin. Das daraus resultierende Bild hinter dem Bild eröffnet ein neues, ganz persönliches Erleben ihrer Arbeiten. Interviews mit Weggefährten, Künstlern, Galeristen und Kuratoren sowie ein Streifzug durch die Schaffensvielfalt komplettieren in verzahnten Erzählweise die Dokumentation.

„Auftritt Louise Bourgeois: steinalt, winzig klein, getrieben von Schlaflosigkeit und einem rastlosen Zwang zur Produktion. Die Künstlerin, die zu den ganz großen Bildhauern der Gegenwart zählt, deren Werk längst einem breiten Publikum bekannt ist, behauptet energisch: Ich vergebe nicht und ich vergesse nicht!

Bourgeois macht in dieser Dokumentation deutlich, dass das Vergnügen und die Freude am Zusammensein mit der Mutter, das Glück also, ganz wesentlich ihr Werk motiviert. Damit akzentuiert dieses sensible Portrait ihre kreative Biografie gegen die übliche Annahme, die Abrechnung mit dem Vater, von dem sich Louise Bourgeois mit ihrer Heirat nach New York distanzierte, sei die große Triebkraft ihres Werks. Amerika gab ihr also die unabdingliche Freiheit, nicht zu vergeben und nicht zu vergessen.“ (taz, Brigitte Werneburg)

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Louise Bourgeois gilt als Jahrhundert-Künstlerin.

98 Jahre alt geworden, vereinigte Louise Bourgeois in ihrer Person und in ihrem Lebensweg mehrere Epochen. In Paris geboren erlebte sie als junge Frau die Pariser Moderne, studierte u. a. bei Fernand Léger und bewegte sich im Kreis der Surrealisten. 1938 übersiedelte sie mit dem amerikanischen Kunsthistoriker Robert Goldwater, ihrem Ehemann, nach New York. Dort kam sie mit den aus Frankreich emigrierten Künstlern um Marcel Duchamp in Kontakt und war mit Vertretern des Abstrakten Expressionismus befreundet.

„In New York, wohin Louise als Kunststudentin und Ehegattin des Kunsthistorikers Robert Goldwater 1938 ausgewandert war, wurmte sie die Nichtachtung der Surrealisten, des arroganten Duchamp oder des neunmalklugen Max Ernst, die mit Frauen, wenn sie nicht reich waren, nichts zu tun haben wollten. Sie sei Existentialistin, sagt sie, ihre Kunst sei ein Reflex auf ihre Ohnmacht im Leben. Denn Macht, gesteht Louise Bourgeois, mache sie hilflos, und im Leben identifiziere sie sich stets mit den Opfern. In der Kunst dagegen sei sie die Aggressorin, die zerschlagen, zerstören, zerteilen könne.“ [ Die alte Dame als Folterknecht, Elke von Radziewsky für die ZEIT, 1994 | Artikel lesen ]

Bourgeois nahm die in den USA dominanten Strömungen der Minimal- und der Pop Art wahr, schloss sich jedoch nie einer der bestehenden Gruppen an. Vielmehr entwickelte Louise Bourgeois eine seltene stilistische Komplexität, die vieles von dem vorwegnahm, was Anliegen einer jüngeren Künstlergeneration werden sollte.

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Biografie | Louise Bourgeois | Leben und Werk
Autor: Ulf Küster, Kurator der Fondation Beyeler.

Deutsch 2012
144 Seiten,
41 Abb., davon 33 farbig

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Das Buch ist eine Einführung in das Leben und Werk einer der bedeutendsten Künstlerpersönlichkeiten unserer Zeit.

Louise Bourgeois wurde am 25. Dezember 1911 geboren. Aus Anlass ihres 100. Geburtstages erschien dieses Buch, das zentrale Themen des Schaffens der im letzten Jahr gestorbenen Künstlerin behandelt: die Verarbeitung ihrer Lebensgeschichte, ihre Auseinandersetzung mit anderen Künstlern und die Umsetzung ihrer Emotionen in Kunstobjekte.

In neun Kapiteln werden exemplarische Werke behandelt und in den Kontext der Kunstgeschichte gestellt, indem sie mit Werken aus der Sammlung Beyeler konfrontiert werden. So wird deutlich, dass Louise Bourgeois nicht nur den für die Kunst der Moderne wichtigen Gegensatz zwischen Figuration und Abstraktion aufgehoben hat; sie hat auch dazu beigetragen, der modernen Kunst eine eigentümliche Interpretationsebene neben dem rein Sichtbaren zu geben.

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