Mit einer Einzelausstellung ehrt die Hamburger Kunsthalle Werner Büttner (*1954) anlässlich seiner Verabschiedung nach über 30 Jahren Lehrtätigkeit als Professor für Malerei an der Hochschule für bildende Künste Hamburg und zeigt rund 100 seiner Ölgemälde und Collagen aus den frühen 1980er Jahren bis in die unmittelbare Gegenwart.
Ohne Rücksicht auf Tabus, dafür aber mit knisterndem Humor und Anklängen an die Political Incorrectness der 1980er Jahre, analysiert und kommentiert Werner Büttner in seinen Werken das menschliche Tun und Sein.
Als malender Analytiker und mit knisterndem Humor kommentiert Büttner in seiner Kunst das menschliche Tun und Sein ohne Rücksicht auf Tabus. Seine Gemälde und seine Bildtitel präsentieren die Widersprüche gesellschaftlicher Konsensversuche, lassen die political incorrectness der 1980er Jahre anklingen und entwaffnen jeden Kämpferin für eine heile Welt. Die Last Lecture Show präsentiert in pointierten Ausstellungsrubriken Büttners wortgewaltige Bilderflut.
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Hamburger Kunsthalle | bis 16. Januar 2022
WERNER BÜTTNER. Last Lecture Show
Pressetext: Hamburger Kunsthalle | www.hamburger-kunsthalle.deKurator: Alexander Klar (Direktor Hamburger Kunsthalle)
Reich bebildeter Katalog mit Texten von Werner Büttner und den Kunsthistoriker*innen, Kunstwissenschaftler*innen und Kunstkritiker*innen Kate Brown, Jane Ursula Harris, Sarah Edith James, Larissa Kikol, Melanie Ohnemus, Barry Schwabsky, Wolfgang Ullrich, Bettina Uppenkamp sowie vom Kurator der Ausstellung Alexander Klar, Direktor Hamburger Kunsthalle, der zusammen mit Martin Köttering, Präsident Hochschule für bildende Künste Hamburg zudem das Vorwort verfasst hat.
In den 1980er Jahren experimentierte Werner Büttner als Vertreter der »Jungen Wilden« mit gestischer Malerei in braunen Farbtönen. Seit den 1990er Jahren sind es konkrete Formen und bunte Farben, die seine Bildsprache bestimmen. Besonders markant sind Büttners absurd-poetische, hintersinnige Werktitel, die seine intensive Lektüre spiegeln und aus denen er als aufmerksamer Beobachter spricht: Da trifft ein »Whirling Weltgeist« als tanzender Derwisch auf die »Avantgarde von hinten« und »Die erstaunlich schlichte Balz des Blaufußtölpels«.
Die Kunst der 1980er Jahre, die wie ein Blitz einschlug und mit einem Donnergrollen vorbeizog, gibt heute wichtige Impulse für einen ironisch-kritischen Umgang mit den heiligen Kühen unserer Kultur. Das Dreigespann Martin Kippenberger, Albert Oehlen und Werner Büttner, damals allgegenwärtige Provokateure auf den einschlägigen Kunstevents, verfolgte eine Strategie, die den bewussten Regelverstoß kultivierte: Es wurde wieder gemalt – „bad painting“ als Angriff auf die hehren Ideale „hoher“ Kunst.
Werner Büttner, vielleicht der romantischste unter den Dreien, verschrieb sich dabei ebenso politischen Themen (Schrecken der Demokratie; Die ganze Welt drängt an den Stammtisch) wie der Vermischung von trivialen Alltagsmotiven und Kunst (Selbst bei ,Ich könnt’ im Bett verfaulen‘). Büttner arbeitet mit Witz und Provokation und überspielt damit die Moral seiner Geschichten, ihre historischen und philosophischen Bezüge, die er polemisch zuspitzt. „Da gibt es viel zu (ent)rätseln. Oder eben auch nicht.“ (Wolf Jahn)
KATALOG | Werner Büttner. Gemälde und Skulpturen aus den 80er Jahren
Texte Georg Herold, Wolf Jahn, Jonathan Meese, Albert Oehlen, Gespräch Thomas Groetz
Hardcover mit Schutzumschlag 52 Seiten 30 Farb- und eine Sw-Abbildung 24 x 29 cm
Das Dreigespann Kippenberger, Oehlen und Büttner waren in den 80ern allgegenwärtige Provokateure auf den einschlägigen Kunstevents. Büttner verschrieb sich dabei ebenso politischen Themen wie der Vermischung von trivialen Alltagsmotiven und Kunst. Büttner arbeitet mit Witz und Provokation und überspielt damit die Moral seiner Geschichten, ihre historischen und philosophischen Bezüge, die er polemisch zuspitzt. Welches Potential in dieser sich selbst verhöhnenden Kunst noch immer steckt, erfährt man aus dem vorliegenden Katalog, der einen aktuellen Blick auf das Werk Büttners wirft.
PRESSESCHAU
Ein „junger Wilder“ geht in Rente
Werner Büttner im Gespräch mit Liane von Billerbeck für Deutschlandfunkkultur | Beitrag lesen
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„Mit hingerotzten Bildern zu weltbewegenden Themen wie „Die Probleme des Minigolfs in der europäischen Malerei“ verhöhnte Büttner das Establishment und dessen vorherrschenden Kunstgeschmack. Es sind Bilder, die die political incorrectness der 1980er-Jahre anklingen lassen und die weh tun. Das sollen sie auch:
„Wie mir weh getan wird, ist erst einmal nebensächlich. Hauptsache, es wird weh getan! Das ist so eine Haltung aus den 1980ern… Ich finde, das ist schon ein sehr wertvoller Aspekt heutzutage“, sagt der Direktor der Hamburger Kunsthalle, Alexander Klar, der die Ausstellung kuratiert hat.“
Gemeine Wahrheiten
VIDEO | Retrospektive »Werner Büttner. Gemeine Wahrheiten« ZKM | Karlsruhe 2013, Kuratoren: Peter Weibel und Andreas Beitin
Eigensinniger Vordenker und zentrale Figur der zeitgenössischen Kunst. Werner Büttner prägte ab den 1980er Jahren zusammen mit Künstlern wie Martin Kippenberger und Albert Oehlen die deutsche Kunstszene nachhaltig. Seine Bilder, Zeichnungen, Collagen, Grafiken und Skulpturen sprühen vor Einfallsreichtum und rebellischem Witz.
Seine Gesellschaftskritik war in den 1980er Jahren programmatisch und sorgte für Aufsehen, wie die 1980 gegründete Samenbank für DDR-Flüchtlinge und die »Kirche der Ununterschiedlichkeit«.
Mit Ironie und manchmal beißendem Spott begegnet der Künstler sozialen Realitäten und wagt es, gesellschaftliche Tabus zu brechen. Büttner wandte sich gegen den Illusionismus der wieder erstarkten gegenständlichen Darstellung in den 1960er- und 1970er-Jahren ebenso wie gegen die gängigen Vorstellungen von abstrakter Malerei. In der Auseinandersetzung mit zeitgenössischen ästhetischen Tendenzen fand er einen hintersinnigen Umgang mit Sprache und ihrem Verhältnis zur Kunst.
Die Publikation stellt das künstlerische Schaffen des Pioniers und Erneuerers der deutschen Malerei im ausgehenden 20. Jahrhundert und zu Beginn des neuen Jahrtausends heraus.
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