schiemenz-harburg-2009-450Bis zum 12. Juli 2009 ist im Hamburger Süden eine spektakuläre raumfüllende Skulptur zu sehen, die daherkommt wie ein im Bahnhof gelandetes Flugobjekt “from outer space”. Der Ausstellungsraum ist besonders für Zugreisende günstig gelegen – direkt im IC-Bahnhof Hamburg-Harburg.

KUNSTSCHAU Hamburg – Jens Ullheimer

In den Ausstellungsraum des Kunstvereins Harburger Bahnhof – dem mit prunkvoller Holzvertäfelung versehenen, historischen Wartesaal 1. Klasse -  hat der Berliner Künstler Kai Schiemenz eine begehbare Skulptur implantiert.

Mit dieser Ausstellung beendet der Harburger Kunstverein den im Jahr 2007 begonnenen Ausstellungszyklus “Reihe:Ordnung sagt“, der unter verschiedenen Schlagworten (Arbeit, Liebe, Geld, Sex, Macht, Freiheit, Zukunft) zeitgenössische KünstlerInnen, -gruppen und Ausstellungsmodelle vorgestellt und ihren ästhetischen Zugriff auf das jeweilige Thema verhandelt hat.

Schiemenz räumliche Intervention, changiert zwischen Skulptur, Modell und Architektur, zwischen Anschauung und Nutzbarkeit. Sie beschäftigt sich mit der Konstruktion von Gemeinschaften in öffentlichen Räumen. Architektur wird nicht als neutrale Schachtel begriffen, sondern als konstitutives Element: Gemeinschaften werden ausgehend von Kollektoren geformt und genormt.

Vor dem Hintergrund der Debatte über die disziplinierende Funktion von Architektur untersucht die Ausstellung “Manufactured Communities. Raum und Gemeinschaft” in einer Laborsituation aus Workshops, Kolloquien und Aufführungen, die  innerhalb und außerhalb der Skulptur stattfinden, Handlungsansätze und Praktiken im Raum.

VERANSTALTUNG

Freitag, 19. Juni 2009, 20 Uhr
Kunstverein Harburger Bahnhof
BAZON BROCK »Über die negative Affirmation« 
Ein Vortrag | www.bazonbrock.de

Affirmation muss nach Bazon Brock nicht die 100%ige Bejahung eines Zustimmung fordernden Anspruchs sein, sondern die mittels 150%iger Überhöhung radikalisierte Formulierung dieses Anspruchs. Durch die Drastik der Bejahung wird die Sinnlosigkeit vieler Aussagenansprüche in ihrer Konsequenz deutlich. Die Affirmationsstrategie wird seit den 1960er Jahren von vielen Künstlern genutzt, um Aussagenansprüche in ihrer Begründungslogik zu zerschlagen.

Der prominente Ästhetikprofessor, Protagonist des “Philosophischen Quartetts” und ehemalige Happeningkünstler ( Wundergreis ) Bazon Brock kam auf seinem “Lustmarsch durchs Theoriegelände” bereits 2006 in Hamburg-Harburg vorbei. Die Sammlung Falckenberg / Phoenix Art Kulturstiftung war die 11. und letzte Station einer Aktion zum 70 jährigen Geburtstag des Künstlers ohne Werk. www.lustmarsch.de

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VIDEO | 2001: A Space Odyssey 1.11 Min. | Stanley Kubrick zum Thema Raum (& Zeit) 1969

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Räumliche Situationen und deren soziale Organisation

Schon seit Ende der Neunzigerjahre beschäftigt sich der Künstler Kai Schiemenz mit räumlichen Situationen und deren sozialer Organisation. Seine erste “Arena” baute der HdK-Absolvent vor einigen Jahren im Neuen Berliner Kunstverein (NBK), weitere begehbare Skulpturen folgten. Im Sommer 2006 sorgte eine spektakuläre schneckenartige Turmkonstruktion, die er im polnischen Zamosc für das internationale Ausstellungsprojekt “Ideal city – Invisible cities” baute, für Aufsehen.

Das exekutierende Bindeglied zwischen künstlichen Welten und künstlichen Personen heißt Architektur. Schiemenz konstruiert keine künstlichen Welten, in denen sich reale Menschen aufhalten. Sondern wirkliche Modelle, die künstliche Menschen produzieren. Jeder Mensch befindet sich in der Nähe einer Architektur – die aber nicht lesbar macht, sondern nur codiert. Das Schloss. Die Wand. Das Fenster. Das Geheimnis dieser Räume liegt weniger in den Menschen, die diese Räume nach ihren Bedürfnissen geschaffen haben als in den diskreten Befehlen und uneinsehbaren Folgschaften, mit denen sie sich nach den Räumen richten und regeln, die sie bewohnen. Die Architektur als Gestell des Menschen baut – nach Heideggers “Bauen, Wohnen, Denken” – mit dem äußeren topos auch immer einen inneren nomos.

„Wohnst du noch oder lebst du schon?“

Mit „Bauen, Wohnen, Denken“ hat Martin Heidegger seinen Aufsatz überschrieben, in dem er darüber nachdenkt, was es bedeutet, wenn der Mensch sich ein Haus baut und einen Ort bewohnt. Bauen, Wohnen und Denken sind Tätigkeiten, mit denen der Mensch sich die Welt aneignet und die zusammengehören.

Heidegger macht die Beobachtung, dass unser Denken, so abstrakt es auch erscheinen mag, eng mit unseren Ortserfahrungen verbunden ist und nicht ohne sie auskommt. Der Vorgang des Denkens ist demnach nicht abstrakt, sondern arbeitet mit räumlichen Bildern. Er hat eine sinnliche Komponente. Er bedient sich der Bilder von Orten und Räumen, über die wir verfügen, die wir erinnern. ( Arne Alexander Klett )

Die Architekturen produzieren Situationen oder Funktionen – Begegnungen und Befehle an Menschen, die eher von Räumen manövriert werden, als dass sie sich in ihnen frei bewegen. Eine Architektur schafft Optionen, indem sie andere ausschließt. Weil sie kontingent ist, kann sie niemals Freiheit gestatten, sondern nur einen Freiraum innerhalb von etwas anderem, das ausgeschlossen wurde.

Räume ermöglichen Bewegungen, indem sie andere verbauen. Ausstellungsarchitekturen erzeugen Kunstwerke, indem sie andere verbunkern. Wenn Schiemenz eine Ausstellungsarchitektur zitiert – wie die Stellwände der X. Kunstausstellung der DDR 1987/88 in Dresden – dann wird damit nicht nur eine Institution und deren Repräsentation eingespielt. Als Architektur instituiert und formatiert die simple Stellwand auch Stellungen und Einstellungen, Blicke und Blickwendungen, Geschichten und deren Anordnung. Als Gestell der Kunst-Geschichte bindet die Ausstellungsarchitektur nicht nur die Betrachterfiguren, sondern auch deren Position und Haltung zur Kunst. [ via Knut Ebeling | Galerie Koch und Kesslau ]

Kunstverein Harburger Bahnhof  ( Hamburger Süden )
Kai Schiemenz
“Manufactured Communities. Raum und Gemeinschaft”
aus der “Reihe:Ordnung sagt – Zukunft” 
| Öffnungszeiten: Mi. bis So, 14 bis 18 Uhr
| bis 12. Juli 09

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Kai Schiemenz | kaischiemenz.blogspot.com

1966 in Erfurt, DE, geboren. Lebt und arbeitet in Berlin. Studierte an der Berliner Universität der Künste bei Lothar Baumgarten.

2009 |  DAAD – Stipendium New York
( Deutscher Akademischer Austauschdienst ),
Artist in Residence in der Monash University, Melbourne (2008)
und in der Villa Aurora, Los Angeles (2005).

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1:1 (Yankee-Stadion)2003 Neuer Berliner Kunstverein 10x10x3m
Foto: NBK

Raumkapsel mit Theatersitzen

BERLINER ZEITUNG - Sebastian Preuss

Wo Kai Schiemenz auftritt, da wird der Kunstort zur Arena. Die vielpostulierte Behauptung, dass die Kunst ein soziales und diskursives System sei – dieser Künstler nimmt sie wörtlich und errichtet in Museen, Messen und Galerien fantasievolle Sperrholzarchitekturen, eingedampfte Amphitheater, amputierte Stadien, zerklüftete Redeplattformen.

Schiemenz, Jahrgang 1966, gebürtiger Erfurter, ausgebildet an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee, schafft dem Kunstbetrieb Foren, in dem Artefakt und Mensch, Geselligkeit und Diskussion eins werden. 2003 baute er im Neuen Berliner Kunstverein eine abstrahierte Miniaturkopie des New Yorker Yankee-Stadions, die immerhin so groß war, dass ein Großteil der Halle ausgefüllt war und zwei Dutzend Besucher sich auf den Treppen niederlassen konnten. Bei den Gesprächsrunden wurde die architektonische Skulptur als Begegnungsstätte dankbar angenommen.

Überall, wo Schiemenz bislang seine hölzernen Gebilde wachsen ließ, da machten sie großen Eindruck und wurden rasch zum Zentrum des Geschehens: in diversen Kunstvereinen, die ja von ihrem Selbstverständnis her Ausstellungen traditionell als Ort Vermittlung betrachten; auf dem Berliner Art Forum, wo er die Talk-Lounge als kristalline Holzlandschaft gestaltete; im letzten Sommer in der polnischen Renaissancestadt Zamosc, als er Tatlins Monument für die III. Internationale als begehbaren Turm reanimierte; und noch vor wenigen Wochen im Club Transmediale, wo er eine raffinierte Spiralenkonstruktion als Sitzlandschaft ins Maria am Ostbahnhof hineinzauberte.

BERLINER ZEITUNG – Artikel lesen

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VIDEO | David Bowie – Space Oddity (Love You Till Tuesday Version 1969)

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Space Oddity war 1969 zum ersten Mal für David Bowies Film Love You Till Tuesday aufgezeichnet worden. Der Song war dann in einer bekannteren Version während der Mondlandung weltweit im Radio zu hören. Der Text bezieht sich lose auf den Film 2001: A Space Odyssey von Stanley Kubrick.

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Veranstaltungs-Pavillons | Zum Zugang von Kai Schiemenz

artnews.org – Peter Herbstreuth

Kai Schiemenz nutzt die Infrastruktur der Kunsthäuser, um die skulpturalen Qualitäten seiner Innenraum-Pavillons zu propagieren. Hier lädt er zu Vorträgen und Gesprächen ein. Die Skulpturen dienen sowohl der Anschauung wie der Nutzung. Deshalb können sie als Archiskulpturen bezeichnet werden, die ihre Besonderheit als Denk- und Handlungsform hervorheben und Kunst (Konzept-Skulptur), Architektur (Pavillon) und Veranstaltung (Workshops, Kolloquien, Aufführungen) verbinden.

Schiemenz verbindet jede Präsentation mit einer Veranstaltungsreihe. Findet keine Veranstaltung statt, kann man die Architektur studieren – wie in Theatern oder Stadien auch. Die Verbindung von Architektur und Handlung als Exponat macht aus der Architektur ein Artefakt und aus der Handlung ein Ereignis. Wie eine Wanderbühne, die ihren architektonischen Sinn in den Veranstaltungen findet, erfüllt der Pavillon von Schiemenz seine Besonderheit als kleines Theater, das den Zuschauer zum Beteiligten macht und zur Darstellung auffordert. Die Formen inszenieren den Auftritt; der Auftritt selbst hängt von der Tagesform der Beteiligten ab.

Zugänge zu White Cubes sind bei Veranstaltungen meist verstellt. Wer herein kommt oder hinausgeht, bleibt in vielen Fällen unbemerkt und geht in der Menge unter. Nicht im Theater von Schiemenz. Er kehrt den stets heruntergespielten Eingang der White Cubes um und lässt jeden Neuankömmling vor aller Augen auftreten. Das Sehen und Gesehen-Werden ist so total wie detailliert.

In den Theatern von Schiemenz ist der Blick direkt und jedes Gesicht unterscheidbar. Man geht nicht nur in einen Raum hinein, sondern wird – wie im aristokratischen Frankreich auf einer Plattform vorgestellt – kurz Zentrum der Aufmerksamkeit und tritt in einen kategorial anderen Raum. Hier gewinnt der Gast eine Identität gemäß seinem Auftritt. Daher fungiert der Pavillon als durch seinen Eingang markierte Diskontinuität, als Heterotop, als ein anderer Raum im Ausstellungshaus. Und damit jeder das spürt, hat der Künstler den Zugang als merkliche Schwelle gebaut. Wer nicht durch diese Passage geht und lediglich von außen schaut, bleibt konventioneller Ausstellungsbesucher. Wer sich in dem Gebilde befindet, ist Teil des Exponats und wird von außen ebenso aufmerksam betrachtet wie Bilder an der Wand oder die Lamellen des Gehäuses. Erst auf der Schwelle verwandelt sich der Besucher zum beobachtenden Teilnehmer.

artnews – Artikel lesen

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Eine Ausstellung im Rahmen von SPACE REVISED
| Mai – August 2009 |

Ein Kooperationsprojekt von GAK Gesellschaft für Aktuelle Kunst Bremen, Künstlerhaus Bremen, Halle für Kunst Lüneburg und Kunstverein Harburger Bahnhof.

Im Mittelpunkt steht die Reflexion über die vielfältige Verfasstheit des Raumes in der zeitgenössischen Kunstproduktion.

Raumaneignung, Raumverlust, Raumverschiebung und sozialer Raum sind die vier Blickwinkel, aus denen heraus die Kooperation von GAK Gesellschaft für Aktuelle Kunst Bremen, Künstlerhaus Bremen,  Halle für Kunst Lüneburg und Kunstverein Harburger Bahnhof einen aktuellen Zwischenstand in der jüngsten künstlerischen Auseinandersetzung nachzeichnet.

Liste der einzelnen Ausstellungen:

  • 17. Mai – 9. August
    GAK Gesellschaft für Aktuelle Kunst Bremen -
    “Friendly Takeovers. Strategien der Raumaneignung”
    (Cezary Bodzianowski, Bob Braine & Leslie C. Reed, Trisha Brown,Christian Haake, Guillaume Leblon, Daniel Maier-Reimer, Katrin Mayer, Rosalind Nashashibi, Peles Empire) www.gak-bremen.de
  • 17. Mai – 16. August
    Künstlerhaus Bremen - “Verbleib unbekannt”
    (Bob Braine & Leslie C. Reed, Elín Hansdóttir, Erik Olofsen, Guido
    van der Werve, John Wood & Paul Harrison) www.kuenstlerhausbremen.de
  • 16. Mai – 12. Juli
    Halle für Kunst Lüneburg – “What if This Was a Piece of Art?”
    (Guillaume Bijl, Wolfgang Breuer, Yan Duyvendak, FLOSS/VHDG, Graham
    Hudson, Christian Jankowski, Benoît Maire, Falke Pisano) www.halle-fuer-kunst.de
  • 16. Mai – 12. Juli
    Kunstverein Harburger Bahnhof - “Manufactured Communities. Raum und Gemeinschaft” (”Reihe:Ordnung sagt – Zukunft” mit Kai Schiemenz) www.kvhbf.de

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 Kunstverein Harburger Bahnhof
Kai Schiemenz
“Manufactured Communities. Raum und Gemeinschaft”
aus der “Reihe:Ordnung sagt – Zukunft” 
| Öffnungszeiten: Mi. bis So, 14 bis 18 Uhr
| bis 12. Juli 09

Kunstverein | indep. archive

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Sigmar Polke - Schweineschlachten - 1976 (Ausschnitt)

KUNSTSCHAU Hamburg – Jens Ullheimer | PT Kunsthalle Hamburg

Die Hamburger Kunsthalle zeigt bis zum 31. Januar 2010 den Werkkomplex “Wir Kleinbürger!” von Sigmar Polke. Der Titel wurde hergeleitet aus Hans Magnus Enzensbergers Essay über die Unaufhaltsamkeit des Kleinbürgertums aus dem Jahr 1976.

Die Arbeiten werden erstmals nach über dreißig Jahren wieder öffentlich gezeigt. Sie ermöglichen eine nachhaltige Auseinandersetzung mit dem Kleinbürger-Ensemble sowie den kulturhistorischen Kontexten der 1970er Jahre.

In drei aufeinander folgenden, sich ergänzenden Wechselausstellungen mit Akzenten auf „Clique“, „Pop“ und „Politik“ eröffnen sich immer wieder neue Zusammenhänge und unerwartete Perspektiven auf Polkes Œuvre, in welchen die Kleinbürger immer wieder neue Nachbarn bekommen.

Teil 1: Clique, 13. März 2009 bis 28. Juni 2009
Teil 2: Pop, 12. Juli 2009 bis 4. Oktober 2009
Teil 3: Politik, 16. Oktober 2009 bis 31. Januar 2010

Im Mittelpunkt der Ausstellung steht eine vergessene, erst kürzlich wieder zusammengeführte Werkgruppe aus den Jahren 1974-1976: Wir Kleinbürger – Zeitgenossen und Zeitgenossinnen.

Das zehnteilige Ensemble außergewöhnlich großformatiger Arbeiten auf Papier nimmt durch die einzigartige Vielfalt von Figuren, Spuren, Zeichen und Zitaten aus populären Bildwelten einen zentralen Stellenwert im Œuvre des Künstlers ein: Hier vermischen sich Anklänge an den so genannten Kapitalistischen Realismus der 1960er Jahre mit Vorläufern der chemischen und optischen Farbexperimente der 1980er sowie den seit Mitte der 1990er Jahre verstärkt verhandelten politischen Themen. So entsteht ein Panorama von Kunst und Alltag der durch Hippie-Kultur, die neue Frauenbewegung und Terrorismus geprägten BRD.

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Sigmar Polke - Giornico - 1976 (Ausschnitt)

Ausgehend von der Kleinbürger-Serie gewährt die Ausstellung erstmals Einblick in die gesamte, bislang von der Kunstgeschichte vernachlässigte, künstlerische Produktion Sigmar Polkes in den 1970er Jahren. Film und Photographie ebenso wie Zeichnung und Malerei führen in Verbindung mit dokumentarischen Materialien und Bildvorlagen nicht nur die mediale Bandbreite seines Schaffens vor Augen, sondern zeigen einen völlig neuen, da lange unbeachteten Polke zwischen Sex, Drugs and Rock ’n’ Roll.

„Sigmar Polke. Das wußte jeder, das ist der Mann der 70er Jahre“ [ Martin Kippenberger ]

Viele dieser Werke entstanden auf einem niederrheinischen Bauernhof – dem Gaspelshof bei Willich –, wo immer wieder auch andere Künstler arbeiteten und Freunde zu Gast waren. Polke pflegte ebenso enge Kontakte zur Köln-Düsseldorfer wie zur Berner und Züricher Kunstszene. Er war außerdem Professor an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg.

Ein Schwerpunkt der Ausstellung ist daher Polkes Kollaborationen gewidmet: In Schlüsselwerken von Wegbegleiterinnen und Wegbegleitern – Katharina Sieverding, Achim Duchow, Candida Höfer und vielen mehr – werden zeittypische Tendenzen zu gemeinsamem Arbeiten und Leben ebenso sichtbar, wie jeweils individuelle Auseinandersetzungen mit unter den Künstlerinnen und Künstlern kursierenden Themen der Zeit.

Kuratoren der Ausstellung:
Dr. Dorothee Böhm und Dr. Dietmar Rübel,
In der Hamburger Kunsthalle: Dr. Petra Roettig

Sigmar Polke. Wir Kleinbürger!:
Zeitgenossen und Zeitgenossinnen. Die 1970er Jahre
| Kunsthalle Hamburg
| bis 31. Januar 2010

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sigmar-polke-wir-kleinburger-die-1970er-jahreKATALOG | Sigmar Polke. Wir Kleinbürger!: Zeitgenossen und Zeitgenossinnen. Die 1970er Jahre
(Gebundene Ausgabe)

von Ulrike Bergmann (Autor), Beatrice von Bismarck (Autor), Dorothee Böhm (Autor), Peter Breslaw (Autor), Bice Curiger (Autor), Diedrich Diederichsen (Autor), Petra Lange-Berndt (Herausgeber), Dietmar Rübel (Herausgeber)

| 472 Seiten
| 300 meist farb., teils ganzseit. Abb.
| davon 10 Falttafeln
| Chronologie
| Sprache: Deutsch
| 27,2 x 22,4 x 4,4 cm

| kaufen bei amazon

Sigmar Polkes Werkgruppe Wir Kleinbürger! Zeitgenossen und Zeitgenossinnen von 1974-1976 war lange Zeit beinahe vergessen. Das zehnteilige Ensemble besteht aus großformatigen Papierarbeiten, im Buch reproduziert auf zehn ausklappbaren farbigen Tafeln. Hier durchdringt und überlagert sich eine Vielfalt von Figuren, Spuren, Zeichen und Zitaten, unter anderem aus der damaligen Populärkultur.

Ausgehend von dieser Bilderserie gewährt das Buch erstmals Einblick in die gesamte, bislang von der Kunstgeschichte vernachlässigte Produktion Polkes in den 1970er Jahren. Zeichnung und Malerei sowie Film und Fotografie führen in Verbindung mit dokumentarischen Materialien und Bildvorlagen die mediale Bandbreite des damaligen Schaffens vor Augen.

Das Buch bietet ein Panorama der von Hippietum, Proto-Punk, Frauenbewegung und Terrorismus geprägten BRD, es zeigt einen völlig neuen Sigmar Polke: Zu entdecken ist ein Polke im Plural.

Einführende Beiträge stellen die einzelnen Blätter der Kleinbürger in den Kontext ihrer Entstehung. Texte von Beatrice von Bismarck, Bice Curiger, Diedrich Diederichsen,Walter Grasskamp, Wolfgang Kemp oder Viktoria Schmidt-Linsenhoff setzen sich mit dem Kontext von Künstlergemeinschaften, psychedelischer Kultur, Fotografie oder den Erzählstrukturen der Bilderserie auseinander, gefolgt von Schriften Sigmar Polkes und Texten von Kritikern und Schriftstellern aus den 1970er Jahren, etwa Hans Magnus Enzensbergers Essay Von der Unaufhaltsamkeit des Kleinbürgertums, dem die Werkgruppe ihren Titel verdankt.

Sigmar Polke
| >> Kataloge & Publikationen

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Freiheit, Gleitzeit, Kleinbürgerlichkeit

FAZ – Peter Richter

Diese Serie, die jetzt den Kern einer ganzen Ausstellungsreihe in der Hamburger Kunsthalle bildet, ist seit damals gar nicht mehr zu sehen gewesen. Und das ist nun nicht nur eine Wiederentdeckung, das ist eine kleine archäologische Sensation.

Man steht da vor den Siebzigern wie damals vor den griechischen Skulpturen und muss erkennen: Die waren mal bunt! Wer hätte das gedacht? Für die kanonisierte Kunst der Siebziger gilt: „Bleierne Zeit“ wäre auch dafür ein ganz brauchbarer Terminus. Für den Polke von damals gilt deshalb: betretenes Schweigen der Kunstgeschichte. In den Sechzigern „Kapitalistischer Realismus“, in den Achtzigern Wiederauferstehung als „Alchemist“, und die Zeit dazwischen wurde immer als Hippiequatsch und Drogentrip weggeräuspert.

Hier aber sieht man: Es waren krachend produktive Jahre.

… es wurde offenbar sehr viel gefeiert und noch mehr gekritzelt. Dieses Durcheinander von Pop, Politik, Pornographie, Comicfiguren und Farbschlieren ist natürlich auch deswegen so fesselnd, weil es bei aller angemessenen Verunklärung immer genug zu erkennen gibt. Ein überaus kleinbürgerliches Moment, sozusagen.

FAZ – Artikel lesen

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sigmar-polke-can-you-always-believe-your-eyes-1976

Aus Schlangenhaut

TAZ – Hajo Schiff

Nicht Afghanistan oder Kalifornien,

das Zentrum für psychedelischen Ausstieg ist Willich am Niederrhein.

Jedenfalls für die westdeutsche Kunstszene in den Jahren 1972-1978. Auf einem Bauernhof teilte Sigmar Polke seine wildeste Zeit mit einer Clique von Künstlerfreunden und internationalen Besuchern.

Speziell für die Zeitgenossen der 70er-Jahre stellt sich auf den Sitzsäcken der Ausstellung ruhend die Frage: War die hier beschworene Stimmung Teil des eigenen Erlebens? Oder hätte sie es sein können, gar sein sollen? Wie viele von diesen Energien, die nun in der Kulturgeschichtsschreibung erstarren, konnten damals selbst erlebt werden oder waren gar die eigenen? In zahlreichen Parallelwelten wurden die einen berühmte Künstler, andere führte der Aufbruch ins Nichts, manche starben an Drogen oder wurden eben mehr oder weniger Kleinbürger.

Die Ausstellung zeigt gut, wie man wegkommt, aber wie kommt man wieder? Eine Silvesterfeier als Projektion auf Zucker, ein künstlerischer “Lehrfilm” von Christof Kohlhöfer darüber, wie eine “Tüte” gedreht wird, und Referenzen an härtere Drogen werden vorgeführt. “Day by day … they take some brain away”: Das Songzitat von David Bowie meint die nervige Kleinbürgerwelt, gilt aber nicht weniger für Drogen aller Art.

Polke selbst vermied den Weg vom Kitschbrecher zum Giftbecher und streifte die hier ausgebreitete Szene in den 80er-Jahren ab wie eine seiner Schlangenhäute. Er zog sich völlig zurück und wurde bis heute ein fast einsiedlerhaft unnahbarer Künstlerstar, auf Weltniveau hochgepriesen und bestbezahlt. In dieser ersten Ausstellungsvariante zeigen die restlichen beiden Räume der zum Polke-Stockwerk gewordenen Etage der Galerie der Gegenwart auch die kunstmarktkompatibleren Werke: Sowohl Rasterbilder aus den späten Sechzigern wie blaue Fernsehbilder vom Ende der Neunziger sperren die Restkritik in Tafelbildformat. Allein der verquere “Apparat, mit dem eine Kartoffel eine andere umkreisen kann”, von 1969 scheint in diesem Sammlungsteil eine Brücke in die verrückte Welt des übrigen Rundgangs zu bieten, in jenes Zeitpanorama, das in den zehn großen “Kleinbürger”-Arbeiten komplex und exemplarisch verdichtet ist.

TAZ – Artikel lesen

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Aus den wilden Jahren des Sigmar Polke

NÜRNBERGER NACHRICHTEN – Nicole Büsing und Heiko Klaas

Unter dem Titel «Sigmar Polke. Wir Kleinbürger!« wird nach und nach der ganze Polke präsentiert. Angesichts der Materialfülle ein Unternehmen, das mit einer Schau allein kaum zu bewältigen gewesen wäre. Bereits der Auftakt des nun bis Anfang 2010 währenden Projekts ist extrem gut gelungen.

Polke, Jahrgang 1941, ist ein genauer Beobachter der bundesrepublikanischen Verhältnisse. Was ihn interessiert und woran sich seine Fantasie entzündet, das sind die trivialen Bildwelten des Alltags, die glänzenden Oberflächen des Konsums, die marktschreierischen Überschriften der Boulevardblätter und die ebenso schillernden wie schmuddeligen Parallelwelten des Trash, der Comics, der Schundromane und Pornoheftchen. Aus diesem Abfall der Gesellschaft destilliert er in der ihm eigenen alchemistischen Weise seine sehr eigenwilligen und unverwechselbaren Bildwelten.

Das große Verdienst dieser Schau ist es, Polke nicht in Musealität erstarren zu lassen. Neben den Großformaten ist eine überwältigende Fülle an Quellenmaterial und Referenzobjekten zu sehen: Fotografien, Drucksachen, Plattencover, Plakate, Postkarten, Comic-Hefte sowie zahlreiche Bücher zeitgenössischer Diskursliteratur werden in Vitrinen präsentiert.

Der Titel des ersten Ausstellungskomplexes «Clique« deutet es schon an: Viele der hier gezeigten Arbeiten sind nicht allein das Werk eines genialischen Einzelgängers. Sie entstanden in enger Kollaboration mit Künstlerfreunden, Weggefährten und Kunstgroupies. Neben Katharina Sieverding und Candida Höfer gehörten zahlreiche weitere Mitstreiter zu Polkes erweitertem Umfeld. Man traf sich in Hamburg, wo Polke eine Gastprofessur an der Hochschule für Bildende Künste hatte, in Zürich, Bern, Köln und Düsseldorf.

NÜRNBERGER NACHRICHTEN – Artikel lesen

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Sigmar Polke. Wir Kleinbürger!:
Zeitgenossen und Zeitgenossinnen. Die 1970er Jahre
| Kunsthalle Hamburg
| bis 31. Januar 2010

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KUNSTSCHAU Hamburg – Jens Ullheimer | PT Kunstmuseum Stuttgart

Mit einer großen Sonderausstellung widmet das Kunstmuseum Stuttgart bis zum 14. Juni 2009 diesem Bildtypus des dreigeteilten Gemäldes eine umfassende Werkschau. Gezeigt werden 60 Triptychen, darunter internationale Leihgaben aus Tokio, New York, Washington, Barcelona, Zürich, Rom, Paris und London.

Seit dem Mittelalter als Altar- und Andachtsbild in der abendländischen Kunst von zentraler Bedeutung, erfährt das Triptychon Ende des 19. Jahrhunderts als Bildformat eine erstaunliche Wiederbelebung: einige Künstler knüpfen an das christliche Leidensmotiv an, andere laden säkularisierte Themen mit der ›Pathosformel‹ auf.

“Die bereits in der Trinitas der christlichen Religion oder auch der Kabbala enthaltene Idee von der universalen Idee der Zahl Drei findet in dem Triptychon ihren sinnlichen Ausdruck. Es ist ein Format, das nach wie vor Respekt gebietet und eine gewisse Demut abverlangt. Nicht das Schlechteste nach einem Jahrhundert der individuellen Überheblichkeiten.” [ Birgit Sonna - Gebannte Dämonen und Mirakel | Goethe-Institut 2009  ]

Unter dem Eindruck der beiden Weltkriege und des damit verbundenen menschlichen Leids haben sich vor allem Otto Dix, Max Beckmann und Francis Bacon mit dieser Bildgattung auseinandergesetzt.

„Immer wieder haben Künstler auf dieses Bildformat zurückgegriffen, wenn es um große politische oder private Erschütterungen geht, um Ausnahmezustände, um existentielle Grenzsituationen.“ [ Kuratorin Marion Ackermann ]

Auch viele zeitgenössische Künstler, darunter Gerhard Richter, Jonathan Meese, Damien Hirst oder Isa Genzken, wählen das Triptychon als traditionsgeladenes und dennoch höchst reizvolles Format, das Offenheit und Geschlossenheit zulässt. Ist dies Zeichen einer neu erwachten Sehnsucht nach Spiritualität oder nach einer Vollkommenheit, die letztlich im Streben nach dem – lange verpönten – ›Meisterwerk‹ ihren Ausdruck findet?

Beteiligte Künstler: u.a. Francis Bacon, Max Beckmann, Otto Dix, Isa Genzken, Yves Klein, Jannis Kounellis, Damien Hirst, Markus Lüpertz, Jonathan Meese, Gerhard Richter, Bill Viola

Kuratorin: Marion Ackermann

DREI. Das Triptychon in der Moderne
| Kunstmuseum Stuttgart
| bis 14. JUNI 2009

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KATALOG | Drei: Das Triptychon in der Moderne

| Gebundene Ausgabe
| mit Plakat-Schutzumschlag
| 328 Seiten
| 100 farbige Abb.
| Sprache: Deutsch
| 26,4 x 21,8 x 3,2 cm

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Die durchgehend farbig bebilderte Publikation zeigt exemplarisch Wandel und Aktualität dieses wirkungsmächtigen Bildtypus. (Ausstellung: Kunstmuseum Stuttgart 7.2. – 14.6.2009)

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Von der religiösen Schau zum weltlichen Schauen

NZZ – Gerhard Mack

Wenn der frühneuzeitliche Mensch wieder einmal von Zweifeln gepackt wurde, ob er die Nase zu weit in die Welt gestreckt habe, um weiterhin die Fürsorge seines Gottes zu geniessen, fand er in der Kirche Trost. Auf den Flügelaltären versicherten ihm Maler und Figurenschnitzer, dass der Erlöser auch für ihn gelitten habe. Auf der Haupttafel in der Mitte zeigten sie den Gläubigen die Verkündigung, die Geburt oder den Tod Jesu, auf den Seitenflügeln waren Joseph, Engel, Heilige oder allerlei weiteres begleitendes Personal zu sehen.

Irgendwann liessen sich auch die zahlenden Stifter darstellen, die aus derselben Welt stammten wie der fromme Zweifler selbst. An Feiertagen wurde die heilsgeschichtliche Erzählung geöffnet, werktags blieben die Seitenflügel oft geschlossen. Das diente nicht nur dem Schutz der Bilder, es erinnerte auch daran, dass die Offenbarung einem nicht immer offensteht.

Triptychen sind, wie der Kunsthistoriker Klaus Lankheit 1959 schrieb, «Pathosformeln» der Bildkunst, und dies gilt auch in einem Jahrhundert, dem alles Pathetische verdächtig und die Reduktion, die Coolness der sparsamen Geste, die Schwundstufe der Kunst weithin zum Selbstverständnis geworden ist. Erzählerisch vielfältig laden sie mit ihren drei Bildfeldern gleichzeitig in verschiedene Räume und Zeiten ein, die bald hierarchisch, bald locker assoziativ aufeinander bezogen sind, oder sie zersplittern ein einheitliches Sujet in drei Teile. Der Comic, die Reihung oder die Serie liegen dabei als Spielvarianten stets nebenan.

NZZ – Artikel lesen

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Das Herz schlägt für die Kunst

DEUTSCHLANDRADIO Kultur – Johannes Halder

Höhepunkt der Stuttgarter Schau ist zweifellos der zentrale Saal mit dem hauseigenen Großstadt-Triptychon von Otto Dix, ein Spiegel der maroden Gesellschaft zwischen den beiden Weltkriegen, 1927/28 gemalt und flankiert von zwei grandiosen Beckmann-Triptychen – “Die Argonauten” und “Beginning”, beide aus den USA geliehen – drei absolute Meisterwerke also in einem Raum, die man gewissermaßen zu einem Riesen-Triptychon von visionärer Wucht arrangiert hat.

Triptychen, das zeigt sich hier, sind autoritäre Einzelgänger. Sie brauchen meist viel Platz für den Betrachter, der sich vor ihnen sammelt und – meint Marion Ackermann, sich von ihnen überwältigen lässt.

“Es gibt wirklich so etwas wie eine Art pathetische Aufladung und eine Intensivierung und durch das meist sehr große Format wird der Betrachter quasi überwältigt und selber in die subordinierte Position gebracht.” [ Kuratorin Marion Ackermann ]

Immerhin 60 Dreiteiler hat man im Museum auf fünf Etagen verteilt, wunderbare Werke von Francis Bacon und Gerhard Richter, engagierte Kommentare von Käthe Kollwitz und Willi Sitte, die von Kriegen und sozialen Katastrophen künden, Malereien zwischen pathetischem Mahnmal und politischem Manifest, aber auch puristische Meditationstafeln als ästhetische Idee.

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Pablo Wendel / Cardiac Cathedral
| Nassauischer Kunstverein Wiesbaden
10. Mai bis 21. Juni 2009

Der Stuttgarter Künstler Pablo Wendel ( Cardiac Cathedral ) hat das Herz eines frisch geschlachteten Schweins im Labor an Infusionsschläuche angeschlossen, die das Organ mit Adrenalin versorgen. Das arme Schwein ist tot, doch der separierte Muskel pumpt und pocht und reduziert das sinnlos verlängerte Leben auf einen bloßen technischen Reflex. Der Künstler zelebriert das emotional aufgeladene Drama als dreifach gespiegelte Videoprojektion in einer kapellenartigen Dunkelkammer. Das Tier ist tot, sein Herz schlägt für die Kunst – ein bisschen Andacht und Besinnung tut da wohl ganz gut.

DEUTSCHLANDRADIO – Beitrag lesen

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VIDEO Triptychon  | Bjørn Melhus | Deadly Storms
3 channel video, 7′00, loop, 2008 (excerpt, 1′13)

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Der Videokünstler Björn Melhus deckt in seiner Arbeit »Deadly Storms« die manipulative Kriegsberichterstattung des Fernsehens auf.

Der Nachrichtensender Fox News ist einer der einflussreichsten Kanäle in den Vereinigten Staaten. Die Installation beschäftigt sich mit dieser republikanischen Propaganda-Maschine, die eine Atmosphäre von höchster Dringlichkeit und ständigem Alarm als Teil des ›War on Terror‹ und einer Politik der Angst formt.

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Die Monumentalisierung des Tumultuarischen

FAZ – Peter Richter

Man hat das Triptychon in der Moderne als einen Altar ohne Gott bezeichnet und es als Warburgsche Pathosformel gedeutet. Man könnte sie sogar Pathos-Pumpen nennen: Die Dreiteilung hebt selbst Triviales auf die Ebenen höherer Bedeutsamkeit. Wenn es aber am Willen zum Erhabenen ohnehin schon nicht mangelt, dann kommen eben Dinge dabei heraus wie Bill Violas „Nantes Triptych“ (links Neugeborenes, rechts Sterbende, in der Mitte ein Leib im Wasser): Kathedralen einer bebenden Kunstreligiosität.

Aber selbst, wo es im Triptychon um ein bisschen weniger gehen darf als um Leben und Tod, geht es erstaunlich oft um alles, und selbst, wo es nicht als Spiritualitätszentrifuge herhalten muss wie bei Yves Klein oder zur blasphemischen Politpolemik wie bei Niki de Saint Phalle, selbst wenn die Aura des Religiösen eigentlich gar keine Rolle spielt, wirkt sie unweigerlich weiter, wo immer aus einem Bild drei gemacht werden.

Am Ende steht jedes Triptychon vor dem Betrachter wie ein Tormann beim Elfmeter. Oder, wie Wolfgang Ullrich das ausdrücken würde: Es behauptet, universell zu sein. Ein Triptychon suggeriert nicht nur einen Raum, sondern eine ganze Welt. In dieser Hybris liegt aber immer auch noch eine andere Information: dass das Bild jederzeit zugeklappt werden kann und dass die Außenseite dieser Welt grau ist, wenn überhaupt.

FAZ – Artikel lesen

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Niki de Saint Phalle | Autel O.A.S 1962 - 1992
2008, NIKI CHARITABLE ART FOUNDATION, All rights reserved.

Für die großen Dinge

FR online – Judith von Sternburg

Die Abteilungen, in denen also die erste große Ansammlung von Triptychen der Moderne über mehrere Stockwerke verteilt anzuschauen ist, drehen sich zwar um Krieg, um Vergänglichkeit, um Politik. Die Auswahl ist aber üppig genug, um als repräsentativ zu gelten. Gegenständliches ist wie Abstraktes vertreten, das Ernste wie die Verhohnepiepelung, die ja einschließt, dass der Künstler um die ernste Seite des Gegenstandes gewusst hat.

Auf Willi Sittes “Höllensturz in Vietnam” (1966/67) sind zwischen fallenden Leibern und einem modernen Waffenarsenal Politiker erkennbar: Adenauer, Erhardt, Strauß, Hitler, Goebbels, Lyndon B. Johnson. Ellsworth Kelly, schon als Student intensiv mit Matthias Grünewald befasst, lässt mit “Black, Two Whites” (1953) formal in ein schockierendes Nichts blicken. Bill Viola zeigt in der Videoinstallation “Nantes Triptych” (1992) auf den Seitentafeln unverblümt Geburt und Tod (und zwar den Tod seiner Mutter), in der Mitte treibt ein Mensch unendlich allein unter Wasser. Niki de Saint Phalle arrangiert auf “O.A.S.” (1962/91) in gotischem Altar-Ambiente eine Fledermaus und weiteres Hexenzeug, dazu christliche Symbole und eine Auswahl Schusswaffen, über und über mit Gold bedeckt.

Alle vier Arbeiten, die einmal die Spannbreite der Schau umkreisen, liefern in ihrer Dreiteiligkeit den Kommentar mit: Hier geht es um etwas und zwar eigentlich um alles. Violas “Nantes Triptych” ist aus Gründen der Beleuchtung und damit Kinder nicht ohne ihre Eltern versehentlich hier hingeraten, in einem dunklen Nebenraum ausgestellt. So will ein Triptychon zu sehen sein: Als wäre es das einzige auf der Welt.

FR online – Artikel lesen

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DREI. Das Triptychon in der Moderne
| Kunstmuseum Stuttgart
| bis 14. JUNI 2009

pieta-paul-fryerKUNSTSCHAU Hamburg – Jens Ullheimer |

Eine Skulptur, die Christus auf einem elektrischen Stuhl zeigt, hat in Frankreich für Aufregung gesorgt.

Das seit dem Wochenende in der Kathedrale von Gap in den französischen Alpen aufgestellte Werk des britischen Künstlers Paul Fryer habe zu Protestschreiben an Bischof Jean-Michel di Falco geführt, berichtete die Pariser Zeitung “Le Figaro” am Dienstag.

( Pieta | Waxwork, Wood, Human Hair | Photo: Paul Fryer )

Di Falco wies die Kritik zurück. Wäre Jesus in der Gegenwart verurteilt worden, hätte er mit dem elektrischen Stuhl oder anderen barbarischen Hinrichtungsmethoden rechnen müssen, so der Bischof. Skandalös sei deswegen nicht der Christus auf dem elektrischen Stuhl, sondern die Gleichgültigkeit gegenüber seiner Kreuzigung.

Als “Pietà” werden allgemein Bildhauerarbeiten bezeichnet, die den vom Kreuz genommenen leichnam Jesu zeigen, der in den Armen Marias liegt. Fryers “Pietà” (Sammlung Francois Pinault) soll die ganze Karwoche über in der Diözese Gap zu sehen sein.

Paris | via KATHweb | Katholische Presseagentur KATHPRESS Österreich
| www.kathpress.at

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| Paul Fryer  www.paulfryer.net

justasouvenir-squarepusher-1

Der britische Elektronik-Musiker Tom Jenkinson aka “SQUAREPUSHER” LIVE am 02. April 09 im “Übel & Gefährlich”, Hamburg und am 06. April 09 im Karlstorbahnhof, Heidelberg.

Haupteinflüsse von Tom Jenkinsons Stil sind Acid Techno, Jazz (Dizzy Gillespie, Charlie Parker, Miles Davis und John Coltrane), IDM und Drum’n'Bass, zerhackte, oft sehr schnelle, fieberhafte, hochkomplexe Beat-Sequenzen in Kombination mit jazzigen Bässen und Synthesizerlinien.

Von Jazz kann hier nicht MEHR die Rede sein, denn dort wird von Improvisation gesprochen. Es ist Neue Musik, angefangen nicht bei der 12Tonmusik und der Elektronischen Musik der 50er Jahre, sondern beim Ende und Zerfall der Progrock- und Fusionbands. [ Andre Kosaka "aniom" ]

Just A Souvenir, 2008 | kaufen bei amazon

Kaleidoskopisches & organisches Werk aus live eingespielter Progression zwischen Elektronik, Jazz(-Funk) & Krautrock sowie einigen Spuren Post-Punk. “Just A Souvenir” beginnt mit den 4 eingängigsten Tracks in Squarepushers Karriere, die in der funky Kraftwerk-Hommage “A Real Woman” gipfeln, bei der Tom Jenkinson sogar zum Vocoder-Mikro greift. Mit begnadeter Virtuosität bringt er seine Drum’n'Bass Abstraktionen ins Spiel, die er diesmal – in höchstem Maße progressiv, psychedelisch & virtuos – in 70′er Jazzrock-Manier auffrischt.

VIDEO | Squarepusher – Planet Gear
| vom aktuellen Tonträger Just A Souvenir, 2008

http://www.vimeo.com/2223771

The overall concept of this video

revolves around images of imaginary astronomical phenomena. I selected a method which I anticipated would be appropriate to the construction of ’scaleless’ objects, such that one could imagine them occupying planetary sized volumes of space.

The content of this video was made with a simple video synthesizer program. I initially wrote this program as a way of generating visual accompaniment to my live performances. It is consists of a pattern generator which uses a sonic input for real-time pattern modification. In the context of a live performance, this input would be some or all of the sound coming from my on-stage equipment. In the context of this video, the modifying sonic input came from splitting the overall sound signal of “Planet Gear” into separate instrumental elements and picking out passages according to their suitability. I say this because the sonic character of a passage has a direct bearing on whether or not it is suitable for translation into imagery.

The main part of the project was then to investigate ways in which the functions could be sonically modulated such that the visual modifications began to approximate my imaginary astronomical inspiration, and of course also began to tie in to the accompanying musical content. This is for me where it gets really interesting as it is where one can begin to explore the staggering range of possible connections between the visual and aural spheres. [ Tom Jenkinson ]

| www.myspace.com/doyouknowsquarepusher
| de.wikipedia.org/wiki/Squarepusher

squarepusher-1

VIDEO | Squarepusher – Come On My Selector
| Regie: Chris Cunningham, 1997

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Chris Cunningham drehte das Video zu Squarepusher´s “Come On My Selector”. Er erhielt 1999 mit Aphex Twin den Prix Ars Electronica. In 2004 wurden die Arbeiten von Cunningham erstmals in Deutschland mit der Einzelausstellung „Chris Cunningham. Come To Daddy“ in der Kestnergesellschaft Hannover gezeigt. 

| siehe auch Chris Cunningham | Rubber Johnny

lassnig-1KUNSTSCHAU Hamburg – Jens Ullheimer | PT Stiftung Ludwig, Wien / Köln

Das MUMOK, Wien zeigt bis zum 17. Mai 2009 eine Werkschau der letzten zehn Jahre eine der bedeutendsten österreichischen Künstlerinnen der Gegenwart.

Die Ausstellung wirft einen fokussierten Blick auf „Das neunte Jahrzehnt“ von Maria Lassnigs Schaffen. In den vergangenen Jahren entwickelte sich ihr malerisches Werk immer konfrontativer und direkter, wobei die Künstlerin frühere Themen aktualisiert und variiert, ohne sich zu wiederholen.

Rund 60 Gemälde belegen die Vielfalt und überragende Position ihres von Farbintensität, Vitalität und ungebrochener Erfindungskraft geprägten Spätwerks. Maria Lassnigs radikale Selbstbefragung bedient sich einer kontrastreichen expressiven Farbgebung als Ausdruck einer oft an Sarkasmus grenzenden Ironie. Unter den Exponaten finden sich neue großformatige Bilder, die im MUMOK zum ersten Mal öffentlich ausgestellt werden.

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| MUMOK _VIDEO | Maria Lassnig – Ein Portrait [ 9.30 Min. ]

YouTube Preview Image

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In den letzten Jahren ist Maria Lassnig endgültig der internationale Durchbruch gelungen. Die Künstlerin gilt nachfolgenden Generationen als Vorreiterin und Visionärin, die den Diskurs und die Entwicklung der Malerei seit Jahrzehnten entscheidend mitgeprägt hat. Im Zentrum ihres Schaffens steht seit sechzig Jahren die Künstlerin selbst bzw. das, was sie ihre „Körperempfindung“ nennt:

„Es ist sicher, ich male und zeichne nicht den ‚Gegenstand’ Körper (…), sondern ich male Empfindungen vom Körper.“ (Maria Lassnig, 1999).

Ihre Malerei zeigt einerseits die kompromisslose Offenlegung des eigenen Körpers und der eigenen Befindlichkeit, zum Anderen vermittelt sie den Blick von Außen und ermöglicht damit die scheinbar objektive Darstellung gleichzeitig existierender Körperwahrnehmungen.

Kurator: Wolfgang Drechsler

Maria Lassnig | Das neunte Jahrzehnt
| Museum Moderner Kunst, Stiftung Ludwig Wien
| bis 17. Mai 2009

Maria Lassnig | Serpentine Gallery 2008
Auswahl von Bildern der Ausstellung
 ansehen

Maria Lassnig | wikipedia
 
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lassnig-wien-2009-katalogKATALOG | Das neunte Jahrzehnt

| hrsg. von Wolfgang Drechsler.
| Vorw. von Edelbert Köb.
| Beitr. von Robert Storr, Jennifer Higgie & Werner Hofmann
| Sprache: Deutsch
| 146 Seiten
| 79 farb., meist ganzseit. Abb.,
| davon eine doppelseit. Falttafel,
| Chronologie, Ppbd.
| 31,4 x 23,4 x 1,8 cm
| Gebundene Ausgabe

| kaufen bei amazon

“Es ist die Kunst, die macht mich immer jünger”. Dieser Satz von Maria Lassnig trifft auf sie zu wie sonst nur selten. In ihrem neunten Lebensjahrzehnt zeigt die österreichische Künstlerin eine ungebrochene Schaffenskraft.

Die mehr als 100 hier gezeigten Gemälde und Zeichnungen, die alle in den letzten zehn Jahren entstanden sind, belegen das feine Gespür der Malerin für die dunklen Seiten der menschlichen Seele. Gleichzeitig dokumentieren sie eindrucksvoll zu welchem vielfältigen und kraftvollen Spätwerk die Künstlerin gefunden hat, wie sie ihr Frühwerk zitiert, ohne sich dabei zu wiederholen. Lassnig gilt als Vorreiterin und Visionärin für nachfolgende Generationen von Künstlern und hat deren künstlerische Entwicklungen entscheidend mitgeprägt.

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Maria Lassnig. Im Möglichkeitsspiegel

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| Links: Selbstportrait im Möglichkeitsspiegel 2001
| Rechts: Gehirnlappen 1998

Das Museum Ludwig in Köln präsentiert bis zum 14. Juni 2009 das eher private Schaffen der Künstlerin. Die Retrospektive setzt bei den surrealistischen Zeichnungen der späten 1940er Jahre ein und verfolgt das zeichnerische Werk von den „Körpergefühlszeichnungen“ über die New Yorker Trickfilme bis hin zu den eher malerischen Formen im Aquarell in den 1970er und 1980er Jahren.

Der Schwerpunkt liegt auf ganz aktuellen Arbeiten, in denen Lassnig auf irritierende Weise schlichte Bleistiftzeichnungen mit grellen, oft schreiend bunten Hintergründen kombiniert. Bei den meisten dieser Zeichnungen handelt es sich um Selbstporträts. Maria Lassnig befragt in ihnen ihr Körpergefühl, die physischen Bedingungen ihrer Existenz. Papier dient dieser Künstlerin als Korrektiv, als Spiegel ihrer selbst, heute wie vor 60 Jahren.

Wie nur wenigen gelingt es Lassnig, ihre Empfindungen auf Leinwand und Papier zu bannen, ohne dabei kitschig oder gefühlsduselig zu werden. Im Gegenteil: Die mal ernsthafte, mal humorvolle Innen- und Außensicht erlaubt es dem Betrachter, nah dran zu sein und dennoch Distanz zu bewahren. Ganz deutlich lässt sich dieses Spiel von Nähe und Ferne in den Zeichnungen der Künstlerin nachvollziehen.

Kuratorin: Julia Friedrich

Maria Lassnig. Im Möglichkeitsspiegel
Das zeichnerische Werk
| Museum Ludwig, Köln
| bis 14. Juni 2009

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KATALOG | Maria Lassnig
Im Möglichkeitsspiegel
.
Aquarelle und Zeichnungen von 1947 bis heute
| Deutsch, Englisch | 248 Seiten, | 107 Abb., | davon 76 farbig
| 22 x 24,40 cm | Gebundene Ausgabe
| Leinen mit Schutzumschlag

| kaufen amazon

Der Band richtet den Fokus auf die sehr persönlichen und direkten Zeichnungen und Aquarelle der Künstlerin. Das Spektrum reicht von den informellen Zeichnungen der späten 1940er-Jahre, von den ‘Körpergefühlszeichnungen’ über die New Yorker Trickfilme bis hin zu den eher malerischen Formen im Aquarell der 1980er- und 1990er-Jahre. Der Schwerpunkt aber liegt auf aktuellen Arbeiten, in denen Lassnig schlichte Bleistiftzeichnungen mit häufig schreiend bunten Hintergründen kombiniert.

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“In der Kunst ist Eifersucht auch Ansporn”

Maria Lassnig im STANDARD-Interview

1980 wurde sie die erste Professorin an einer Kunsthochschule im gesamten deutschsprachigen Raum, da war sie 61. In dem Alter denken andere an Pension. Sie legte erst so richtig los: zweimal Documenta, Biennalen von Venedig und Peking, Museums- und Galerieausstellungen in Europa und den USA, Bestpreise bei Auktionen, unzählige Auszeichnungen wie etwa – als erste Frau – Großer Österreichischer Staatspreis und zehn Jahre später der Oskar-Kokoschka-Preis.

“Ich fange immer mit der Körpererfahrung an, aber dann kommen die Weltprobleme dazu …”

Seit sechzig Jahren untersucht Maria Lassnig ihre eigene Körperbefindlichkeit, malt ihre Innenwelten in, wie sie sagt, “Wirklichkeitsfarben: Gedankenfarben, Schmerzfarben und Qualfarben, Druck- und Völlefarben, Todes- und Verwesungsfarben, Krebsangstfarben”. Immer verbindet sie ihre Körpererfahrungen mit den großen philosophischen Themen wie Tod, Liebe, Krankheit, Vergänglichkeit, aber auch Zerstörung der Umwelt, Krieg, Vernichtung.

| Standard – Interview lesen

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Leichte Hand, schweres Herz

Die Presse – Almuth Spiegler

Ein Pistolenlauf an die eigene Schläfe gedrückt, der andere auf den Betrachter gerichtet – bum. Mit aller Konsequenz, wild entschlossen, scheint Maria Lassnig bereit, ihr schieres Leben zu verteidigen.

Hier und jetzt, in dieser Sekunde. Ihre panisch aufgerissenen Augen, ihr leicht geöffneter Mund nehmen den gleich einsetzenden Schrecken schon vorweg. Dieser prekären Situation, aggressiver Ausdruck unermesslicher Verzweiflung, ausgesetzt, spannt sich der Körper des Betrachters automatisch an, weiß der peinlich berührte Blick gar nicht, wohin er jetzt so auf die Schnelle fliehen kann – hier die Pistolen, da der ungewohnt freizügige Anblick des Körpers einer offensichtlich alten Frau, ihre Brüste, ihr Bauch, ihr Geschlecht… „Du oder ich“, da gibt es kein verschämtes Zögern, da ist Maria Lassnig knallhart.

Es fällt an sich schon schwer, vor Maria Lassnigs Malerei die eigenen Waffen nicht sofort zu strecken. Noch schwerer fällt das bei ihrer aktuellen Ausstellung, endlich wieder einmal, nach zehn Jahren, im Wiener Museum moderner Kunst. Da geht man endgültig in die Knie.

Die rund 60 Gemälde, alle aus dem vergangenen Jahrzehnt, reihen sich zu einem beeindruckenden Parcours des Staunens: über die ungemeine ironische Leichtigkeit, mit der diese große alte Dame der Malerei hier ihren Schmerz, ihr Leid, ihr Schicksal offenlegt. Über die frappierende Durchlässigkeit ihrer konsequent seit Jahrzehnten entwickelten, unverwechselbaren Kunst, neuen Formen und Inhalten gegenüber. Inhaltlich so aktuell, so brisant, stilistisch so experimentierfreudig und sicher – hier zeigt sich etwas höchst Seltenes, ein geniales Spätwerk. Unkorrumpiert vom Zeitgeist, aber trotzdem zeitgenössisch.

Die Presse – Artikel lesen

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Gemalte Dualität

DEUTSCHLANDRADIO Kultur – Hartmut Krug

Ein Glanzstück der Ausstellung aber ist “Du oder Ich”. Das nackte Selbstbildnis mit zwei Pistolen hatte bereits im letzten Sommer in der Londoner Serpentine Gallery großes Aufsehen erregt. Auch in Wien, wo man durch eine Art Gang direkt auf das Bild zugehen muss, wird man von dem zwischen Kraft und Opferschwäche, zwischen Außen- und Innensicht changierenden Ausdruck des Bildes, auf dem die Beine des haarlos nackten Körpers der alten Frau provokativ gespreizt sind, zugleich fasziniert wie verunsichert.

Kurator Wolfgang Drechsler: “Es ist sicherlich ein sehr starkes, direktes Bild. Sie schaut einen auch unheimlich an, also die Augen verfolgen einen, wenn man davor steht. Sie hat zwei Pistolen in der Hand, eine hält sie sich auf die Schläfe, und die andere auf den Betrachter gerichtet und heißt noch ‘Ich oder Du.’ In Wirklichkeit ist das aber auch ein Kennzeichen überhaupt für ihr Schaffen: zwei Arten zu sein. Sie hat immer die Außen- und die Innensicht, und dass es immer mehrere Möglichkeiten gibt, zu sein. Also auch hier, ‘Ich oder du”, ist auch eine Entscheidung für innen oder außen. Sie hat auch ein Bild, das heißt ‘Orient und Okzident’, oder auch ‘die Gläubigen und die Gutgläubigen’. Also auch da immer diese Dualität, dass es immer mehr Seiten gibt als eine. Und ich glaube, das ist auch ihr Kennzeichen, dass es immer entweder/oder geben kann in ihrer Malerei.”

Das Bild ist sehr gelb gehalten, in einem Van-Gogh-Gelb. Maria Lassnig hat es als Darstellung einer einfachen Verzweiflung bezeichnet, bei der sie sich wie eine gelbe Zitrone gemalt habe, – das Thema sei der Tod.

Es ist eine starke Ausstellung geworden, auch mit überzeugenden Gefühls-Erinnerungsbildern wie dem mehrdeutigen “Die Lebensqualität”, auf dem eine nackt im See über der Untiefe mit dem Rotweinglas in der Hand schwimmtende Frau von einem großen Fisch ins Bein gebissen wird. Doch einen einheitlichen oder eindeutigen Altersstil findet man bei Maria Lassnig nicht. Kein Wunder, sah sie doch Stil immer nur als Mittel zum Zweck und versuchte sich erfolgreich an vielen Stilen Ihr Motto war: “Verwerft den Stil, ändert ihn jede Woche.”

DEUTSCHLANDRADIO Kultur – Beitrag lesen

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3 Arten zu sein - 2004 - Oil on canvas | 126 x 205 cm

Sie zeigt, wie sie sich spürt

FAZ – Swantje Karich, Wien ( zu den Ausstellungen in Wien und Köln )

Maria Lassnig komprimiert ihr Ich auf der Leinwand, dem Zeichenblock oder im Film unermüdlich zu einer hybriden Essenz, die einen präzisen Punkt der Gewissheit über einzelne Philosopheme, aber auch ganz praktische Lebenserfahrungen trifft.

Wer Malerei bislang als körperlose Schautafelwelt gesehen hat, wird von Maria Lassnig lernen neu zu sehen.

Sie verdichtet sich in einer Gewissheit: der „Sensation“ des Augenblicks, „der meist so kurz ist, dass er intensiv ist und genau so mit dem Pinsel erhascht werden muss und eigentlich das Haupterlebnis meiner Malerei ist“.

FAZ – Artikel lesen

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Der Weltzertrümmerer - 2001 - Oil on canvas | 100 x 125 cm

Das neunte Jahrzehnt

FR online – Peter Michalzik

Seltener als man glauben möchte, gibt es unter Künstlern jene Solitäre, die vor allem ihrer inneren Stimme folgen und auf deren Werk der Markt und seine Moden oder die Eigenbewegung der Kunst nur wenig Einfluss haben. Maria Lassnig ist ohne Zweifel einer dieser seltenen Solitäre.

Maria Lassnigs Bilder sind decouvrierend, insbesondere der Blick auf Männer ist oft krass. Ein nackter, schwerer Mann presst mit seinen massigen Armen an einer knautschigen, wasserballähnlichen Kugel: “Der Weltzertrümmerer” heißt das Bild von 2001, das seit einigen Monaten andere Konotationen herausbeschwört. “Der Biologe” und “Kinderschänder” heißen andere Bilder der Serie. Macht und Verfügungsgewalt über Körper finden sich immer wieder. Nicht umsonst werden diese Bilder seit einiger Zeit im Genderdiskurs immer wieder als Thronzeugen herangezogen. Aber sie bestehen auch jenseits solcher Indienstnahme und Sinngebung.

FR – Artikel lesen

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Maria Lassnig | Das neunte Jahrzehnt
| Museum Moderner Kunst, Stiftung Ludwig Wien
| bis 17. Mai 2009

Maria Lassnig. Im Möglichkeitsspiegel
Das zeichnerische Werk
| Museum Ludwig, Köln
| bis 14. Juni 2009

sensational-fix-bozen-duesseldorf-plakateKUNSTSCHAU Hamburg – Jens Ullheimer | PT Museio Bozen, KH Düsseldorf 
    
Die Kunsthalle Düsseldorf widmet sich bis 10. Mai 2009 der experimentellen Gitarrenband Sonic Youth, die seit ihrer Gründung im Jahr 1981 in der Musik- und der Kunstszene stilbildend war. Die interdisziplinäre Schau erzählt eine alternative Geschichte der zeitgenössischen Kultur, vom Aufstand der Teenager, von jugendlicher Rastlosigkeit, von Ruhmessucht und Identitätsfindung, Geschlechterrollen, Sexualität und Religion.

Die Verknüpfung der Band mit der Kunstszene wird sichtbar durch die zahlreichen gemeinsamen Projekte der Bandmitglieder mit Künstlern, Filmemachern, Designern und Musikern, aber auch durch Kunstwerke, die von Sonic Youth für die Ausstellung ausgewählt wurden.

Beteiligte KünstlerInnen:
Vito Acconci, Rita Ackermann, Jerry Aronson, Olivier Assayas, Dara Birnbaum, Angelique Bosio, Joe Brainhard, Glenn Branca, William S. Burroughs, John Cage, Ira Cohen, Tony Conrad, Sofia Coppola, Tacita Dean, Jeremy Earl, Barbara Ess, John Fahey, Jeff Feuerzeig, Marco Fusinato, Isa Genzken, Allan Ginsberg, Stefano Giovanni, Jack Goldstein, Mark Gonzales, Kim Gordon, Dan Graham, Rodney Graham, Matt Groening, Brion Gysin, Tim Hailand, Jeff Hartford, Todd Haynes, Dick Higgins, Ake Hodell, Jenny Holzer, Tim Irwin, Marc Jacobs, Cameron Jamie, Spike Jonze, Mike Kelley, Richard Kern, Jack Kerouac, Curt Kirkwood (Meat Puppets), Jutta Koether, Harmony Korine, Levy, Robert Longo, George Maciunas, Yukinori Maeda, Gerard Malanga, Manda, Christian Marclay, Paul McCarthy, Loren Mazzacane Connors, Jonas Mekas, John Miller, Maya Miller, Heath Moerland, Robert Mooney, Thurston Moore, Michael Morley, Bill Nace, John Olson, Roberto Opalio, Jim O’Rourke, Tony Oursler, Steven Parrino, Raymond Pettibon, Edwin Pouncey (Savage Pencil), Richard Prince, Lee Ranaldo, Ed Ruscha, Gus Van Sant, Wilhelm Sasnal, Dana Schutz, Jim Shaw, David Shrigley, Leah Singer, Mike Smith, Patti Smith, Robert Smithson, The Club in Shadow, Kathy Temin, Gokita Tomodo, Dennis Tyfus, Alan Vega, Jeff Wall, Mike Watt, Marnie Weber, James Welling, White Columns Archive, Christopher Wool, Shinya Yamamoto, Nate Young, Sonic Youth

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Katalog | SONIC YOUTH etc.: SENSATIONAL FIX

Das Entschleiern einer alternativen Geschichte der zeitgenössischen Kultur

Die Ausstellung SONIC YOUTH etc. : SENSATIONAL FIX folgt einer ähnlichen Collage-Technik wie die, welche die Band bei ihren Covers anwendet. Diese vielfältige Collage ermöglicht uns das Entschleiern einer alternativen Geschichte der zeitgenössischen Kultur. Die Ausstellung zielt weniger auf einen vollständigen Überblick über die Geschichte der Band und ihrer Kooperationen mit anderen Künstlern ab, sondern sie will vielmehr einzelne Wege genauer beleuchten, die sie einschlug, und mögliche zukünftige Formen der Zusammenarbeit in Betracht ziehen. Das Wesen der Band liegt sicher nicht zuletzt darin, dass sie ihre Ziele ständig neu definiert. Immerwährende Erneuerung. Das ist Sonic Youth.

Durch ihre Zusammenarbeit mit Musikern, bildenden Künstlern, Filmemachern, Modedesignern, Schriftstellern und anderen kreativen Köpfen konnte Sonic Youth ihr künstlerisches Potenzial erweitern, das man heute – nach siebenundzwanzig Jahren – als echten eigenständigen Kosmos bezeichnen kann.

Die meisten kennen Sonic Youth (Kim Gordon, Thurston Moore, Lee Ranaldo und Steve Shelley) wahrscheinlich als experimentelle Gitarrenband und weniger als Gruppe von Akteuren, die sich in unterschiedlichsten kulturellen Disziplinen betätigen, wie dies seit Auftauchen des Kollektivs im Jahr 1981 immer der Fall gewesen war. Vom ersten Tag an erkundeten und erschlossen sie mit dem, was sie als Band und als vier individuelle Musiker, bildende Künstler und Kulturunternehmer begannen, unbekanntes Terrain, jeder auf Basis seiner spezifischen Bindungen zur und innerhalb der internationalen Szene.

sonic-youth-katalog | kaufen bei amazon

Katalog | SONIC YOUTH etc.: SENSATIONAL FIX
| sonic nurse | art: richard prince

Punk – NoWave – Artlofts

Vor Beginn des Sonic Youth-Booms im Jahr 1981 nahmen Kim Gordon und Lee Ranaldo ein Kunststudium auf, begannen jedoch, nachdem sie in den späten 1970er-Jahren nach New York gegangen waren, lieber in Bands zu spielen, als sich mit der Produktion bildender Kunst zu befassen. Dies gilt auch für viele ihrer Künstlerfreunde wie Glenn Branca, Robert Longo oder Richard Prince. Der Künstler Dan Graham, eine zentrale Figur dieser Szene bildender Künstler und Musiker, war berüchtigt, weil er ein Tonbandgerät, das kaum als tragbar zu bezeichnen war, zu Punkrock- und No Wave-Konzerten mitschleppte, um diese oft in Kunstgalerien und sogenannten Art Lofts stattfindenden Auftritte aufzuzeichnen. Damals schienen bildende Kunst und experimentelle Musik von ein und derselben Energie getragen, und ein natürliches Crossover zwischen beiden Bereichen, wie es damals gang und gäbe war, legte den Grundstein für die verschiedenste Disziplinen umfassenden Tätigkeiten von Sonic Youth.

Seit damals ist die Band ihrer Einstellung treu geblieben, unorthodox zu sein und ihre eigenen Sachen zu spielen und hat nie aufgehört, in ihrer umfangreichen Produktion die rebellische Haltung des Punkrock mit experimenteller Musik und Konzeptkunst zu verschmelzen. Die Produktivität von Sonic Youth blieb so in ihrer Bandbreite und Komplexität im Vergleich zu anderen Gruppen oder Künstlerkollektiven bis heute unerreicht.

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Kim Gordon: „Man kann Gerhard Richter konservativ nennen
– aber wird das in 50 Jahren eine Rolle spielen?
Uns gefiel es, ein Cover zu haben, das nicht nach Punk aussieht;
wo das Äußere nicht mit dem Inneren übereinstimmt.“ (monopol)
sonic youth | DAYDREAM NATION | cover: gerhard richter

Covers, Hüllen und Inlays

von Sonic Youth-Alben wurden Träger verschiedenartigster Kunstwerke, nicht nur der Bandmitglieder selbst, sondern auch von Kollegen wie William S. Burroughs, Dan Graham, Mike Kelley, Richard Kern, D. A. Levy, Raymond Pettibon, Richard Prince, Gerhard Richter, Savage Pencil, Jeff Wall, Marnie Weber, James Welling oder Christopher Wool. Viele Covers von Sonic Youth-Alben sind Collagen aus Material, das aus einem breiten Spektrum von Quellen frei kombiniert wurde, sodass sich überraschende Beziehungen zwischen Objekten ergeben, die man sich auf den ersten Blick kaum nebeneinander vorgestellt hätte. Die Vielgestaltigkeit ihrer Cover- und Vinylprodukte ist auf die Neugier dieser Band für verschiedenste Themen und Bereiche zurückzuführen, wie die Gedichte der Beat Generation, Avantgardekunst und -musik, den Punkrock der späten 1970er-Jahre, No Wave, den Hardcore der frühen 1980er, experimentelle Noise-Musik, Starkult, Politik und vieles andere.

Thurston Moore beschrieb diese eklektischen Interessen einmal so: »Diese Dinge faszinieren uns, keine Frage, doch hoffentlich wird keines dieser Dinge zentral für unser Schaffen. Was wir tun, entwickelt sich immer aus sich selbst. Ich habe dafür keinen Begriff“.

Eine Produktion des MUSEION, Bozen, und des LiFE, St. Nazaire

SONIC YOUTH | SENSATIONAL FIX
| Kunsthalle Düsseldorf  / KIT — Kunst im Tunnel
| bis 10. Mai 2009

| www.sonicyouth.com/ | official band website
| de-de.facebook.com/pages/Sonic-Youth/11039052947 | facebook site
| twitter.com/thesonicyouth | twitter site | live-gezwitscher

Sonic Youth Live:
| 06. März 09 –  Arte TV – Arte Tracks, ab 23.15 Uhr
| 23. April 09 - München – Haus der Kunst

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gordon-reverse-karaokeThe Club In The Shadow | Installation mit Jutta Koether

Eine ganz besondere Installation haben Kim Gordon ( Bassistin bei Sonic Youth) und Jutta Koether ( Künstlerin und Kunstkritikerin aus New York) im Düsseldorfer KIT eingerichtet. In einem Zelt stehen Gitarre, Schlagzeug, Bass und Mikro bereit, zur Gesangsspur von Gordon können Musiker ihren eigenen Song kreieren, der an Ort und Stelle aufgenommen und sogar auf CD gebrannt wird.

The Club in the Shadow – Reverse Karaoke
| Düsseldorf / KIT — Kunst im Tunnel

Die interaktive Installation wird während folgender Zeiten durch einen Musiker am Mischpult betreut / Sessions:
Freitags: 14 – 18 Uhr
Samstags nach Anmeldung T.: 8996288: 12 – 18 Uhr
Sonntags: 12 – 17 Uhr

„(Jutta Koether) ist wirklich wichtig für mich. Sie ist Malerin, doch sie macht auch Musik, und ihr Ansatz zur Kunstgeschichte, ihre Sichtweise über verschiedene Maler und wie sie ihre Arbeit integriert, ist sehr interessant. Es ist sehr spannend, mit ihr zusammenzuarbeiten, weil es ihr nicht um Macht geht.

Die erste Ausstellung unseres gemeinsamen Projektes The Club in the Shadow (2003) in der Galerie von Kenny Schachter war großartig. Vito Acconci hatte die Galerie mit einem System aus Metallgittern entworfen, das uns an einen Club der 1980er Jahre erinnerte. Also entschlossen wir uns, dieses Ding mit dem Titel The Club in the Shadow zu kreieren und die Galerie in einen Club zu verwandeln (…) und wir stellten uns vor, dies könnte eine Art Club für Leute wir Martha Stewart und Calvin Klein sein, die sich dort Wohnungen gekauft hatten. Wir haben die Galerie mit unseren eigenen Design-Systemen umdekoriert, oben richteten wir eine Lounge ein, und wir stellten verschiedenen Instrumente bereit, mit denen die Leute, die hereinkamen, theoretisch spielen konnten. Meist fanden dort jedoch organisierte Events statt, und das war echt spitze. Die Leute kamen einfach, füllten die Gasse, hockten um das Baugelände herum und tranken Bier, weil der Bau noch nicht fertig war. Diese Atmosphäre hatte etwas von kleinen Performances …“.

(Auszug aus: Christophe Wavelet/Paul Sztulman, Interview mit Kim Gordon, 2008, Katalog „Sonic Youth“, Museion).

Jutta Koether ist eine in New York lebende deutsche Malerin, Performancekünstlerin, Musikerin, Schriftstellerin, Kritikerin und Theoretikerin. Sie war Redakteurin und ( ab 1985 ) Mitherausgeberin des Musik- und Popkultur-Magazins Spex und ist Rezensentin und Mitarbeiterin zahlreicher anderer Zeitschriften, z.B. Texte zur Kunst, FlashArt, ArtScribe.

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sensational-fix-sonic-youth-duesseldorf-2009-2-katalogKATALOG | SONIC YOUTH etc.: SENSATIONAL FIX

| 720 Seiten
| 700 meist farbige Abbildungen
| English
| 20,1 x 19 x 6,4 cm
| Dem Katalog sind zwei Vinyl-Singles beigelegt. Auf den vier Plattenseiten ist jeweils die Arbeit eines Bandmitglieds zu hören.

| kaufen bei amazon

Beiträge von Elein Fleiss, Kim Gordon, Roland Groenenboom, Richard Hell, Carlos van Hijfte, Mike Kelley, Jutta Koether, Alan Licht, Lydia Lunch, John Miller, Gene Moore, Thurston Moore, Aaron Mullan, Lee Ranaldo, Steve Shelley, Paul Sztulman, Mike Watt und Christophe Wavelet.

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Erstmals werden in einem Buch die multidisziplinären Aktivitäten der US-Band Sonic Youth umfassend vorgestellt. Seit ihrer Gründung 1981 arbeitet die Band mit bildenden Künstlern, Filmemachern, Designern und Musikern zusammen. Mit Arbeiten von Sonic Youth selbst sowie von der Band zusätzlich ausgewählten Kunstwerken wird die alternative Szene beleuchtet, das Verhältnis zwischen U- und E-Musik, Hochkultur und Popkultur thematisiert.

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Am Beispiel der Aktivitäten von Sonic Youth dokumentiert dieser voluminöse Band Themen wie Rebellion, Jugendkultur, Mode und Sex. Eine Auswahl von Texten der Bandmitglieder (zum Teil faksimiliert), Textbeiträge von Schriftstellern und Künstlern über Sonic Youth und deren Produktion sowie Photos und Dokumente aus den persönlichen Archiven der Bandmitglieder ergeben eine illustrierte Zeitleiste, in der Karriere und musikalische Entwicklung der Band vorgestellt werden.

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PUBLICATION

A vastly illustrated, 720 page English publication released in November 2008 by LiFE and Museion, in collaboration with Verlag der Buchhandlung Walther König, Cologne.

Next to a selection of writings by the band members and reprinted articles by other authors, it contains new contributions by among others John Miller, Jutta Koether & Alan Licht, Carlos van Hijfte, Mike Watt, and Roland Groenenboom.

Extensive new interviews with each band member, conducted by Paul Sztulman & Christophe Wavelet, highlight the band’s history in the context of the New York art and music scenes of the late 1970s and early 1980s and their many ties with visual artists, poets, musicians, filmmakers… over the last 27 years.

The band’s history is documented in images of album covers, band portraits and live photos, among which many unpublished to date. The exhibition is documented through a selection of works and a listing of the full content of the exhibition. The book furthermore contains two 7” vinyl records with unpublished sound contributions by each member individually.

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sonic youth | GOO | cover: raymond-pettibon

No-Waver im Museum

TAZ – Christian Werthschulte

Die jetzige Schau “Sensational Fix” besteht … ausschließlich aus den Werken befreundeter Künstler und einigen Stücken aus der persönlichen Sammlung der Bandmitglieder. Der funktionale Bau der Düsseldorfer Kunsthalle ist jedenfalls zu klein für die gesamte Ausstellung, was sich als glücklicher Zufall erweist. Denn die räumliche Zweiteilung spiegelt die Aktivitäten der Band auf den Punkt genau wieder. Neben den seltenen, bis 2008 überwiegend auf einem Major-Label erschienenen Aufnahmen als Sonic Youth sind alle Mitglieder in eine selbst für Sammler unüberschaubare Menge von Projekten in den Bereichen Film, Literatur und bildender Kunst involviert. Das erste Gesicht von Sonic Youth findet man in der Kunsthalle selbst. Hier schreiben Plattencover, Konzertplakate und Werke von John Cage, Isa Genzken und Mike Kelley den Platz der Band in der Kunstgeschichte fest, die dadurch in der Tradition der New Yorker Nachkriegsavantgarde, als durch Punk und No Wave geprägte Erben von Fluxus und Warhols “Factory” zugleich, erscheint.

VIDEO | Sonic Youth – Youth Against Fascism – 1992

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An den Betonwänden des KIT, eines alten Tunnels, hat die Sammelleidenschaft der Band reichlich Platz gefunden. Dies ist der Ort, an dem man dem Versprechen von Sonic Youth am nächsten kommt. Nicht nur, weil deutlich wird, dass die Unordnung des Archivs einer der liebsten Orte der Band ist – schon seit Jahren zeichnen sie jedes Konzert und jede Session im Proberaum auf und finden so das Rohmaterial für ihre Platten und experimentellen Videoarbeiten -, sondern auch, weil sich zeigt, wie wenig hierarchisch die Vorlieben der Band sind.

TAZ – Artikel lesen

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Coverdesign & zeitgenössische künstlerische Produktion

THE ART / SONIC DIASPORA | MIKE KELLEY

Mike Kelley (1954, Detroit, Michigan, USA). Lebt und arbeitet in Los Angeles, USA),

beschäftigt sich mit „Weltanschauungssystemen“ und den psychischen Abhängigkeiten der darin gefangenen Menschen. In Performances, Zeichnungen und Texten untersucht er das Unheimliche und Grauenvolle, interessiert sich für Punk und für Künstler, die wie Joseph Beuys (1921-1986) „Systeme erfinden“. Dabei ist das Spektrum der Quellen, auf die Kelley sich beruft, noch längst nicht ausgeschöpft: Elemente der christlichen Ikonografie, dem Surrealismus und der Psychoanalyse fließen in seine Projekte ebenso mit ein, wie die Konzeptkunst, die amerikanische Hippibewegung, Trashkultur, Folklore und Karikatur.

Seine Analyse der Auswirkung ideologischer Systeme auf den Einzelnen setzt Mike Kelley im psychologischen Bereich an. Sowohl Massenkulturphänomene als auch Kulturen jenseits des Mainstream gehören dabei zu seinem Interessenfeld, auf das er neben dem Einsatz musikalischer und textlicher Elemente mit emotional aufgeladenen Objekten, wie Kuscheltieren, Puppen, Trivialobjekten und Textilien reagiert. Die alltägliche Dingwelt, die er aufspürt und künstlerisch transformiert, werfen einen zurück in die früheste Kindheit, decken aber auch Anteile frühkindlicher psychischer Prozesse im Unterbewusstsein Erwachsener auf.

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sonic youth | DIRTY | artwork: mike kelley 1992

Mike Kelley arbeitet für seine Projekte eng mit anderen Künstlern und Musikern zusammen, wie Paul McCarthy, Jim Shaw, Tony Oursler und Sonic Youth. Das Motiv der LP Dirty stammt von ihm.

Sztulman & Wavelet: „Wann hast du Mike Kelley getroffen?“ Kim Gordon: „Erst zwei Jahre später. Ich hatte New York nach einem Jahr verlassen, ging zurück nach L. A. und dort ein Jahr lang auf das Otis Art College of Art and Design. Kurz nach meinem Abschluss besuchte ich eine Vorlesung von Dan Graham im CalArts. Mein Freund und Lehrer John Knight hatte gesagt: »Wenn du nach New York ziehst, dann solltest du Dan treffen.« Er sprach andauernd von ihm, also ging ich hin. Mike Kelley war auch dort und diskutierte mit Dan über Punkrock mitten in der Vorlesung. Ich traf Mike also dort, und dann lernten wir uns näher kennen.“ (…)

Kim Gordon: „Mike war von PAUL THEK ( Artists Artist – Sammlung Falckenberg 2008 ) beeinflusst, der als Künstler wirklich sehr interessant war. Er ging bis ins Extrem und schuf eine ganze Atmosphäre, wie auch Musik dies tut – besser als jede Architektur, weil es so ganzheitlich ist. Man denkt über das Material einfach nicht nach, wenn man einem Song zuhört, der einem wirklich gefällt, und genau das hat Paul Thek mit seinen Environments erreicht. Mike geht auch eher in diese Richtung. Er treibt alles wirklich bis ins Extreme, Groteske. Seine Werke transportieren die Illusion, persönlich zu sein, doch es geht nicht um ihn. Ich schätze diesen Aspekt seiner Arbeit sehr. Sie hat diese Motor City-Ästhetik aus Detroit.“

(Auszug aus: Christophe Wavelet/Paul Sztulman, Interview mit Kim Gordon, 2008, Katalog „Sonic Youth“, Museion).

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sonic youth | DIRTY | artwork: mike kelley 1992
| the young kelley left

Interview mit Kim Gordon über Sensational Fix und einen Mike-Kelley-Artikel im Monopol Magazin. | www.monopol-magazin.de

Auszug:

Es ist die Zeit, als viele CalArts-Absolventen die New Yorker Kunstszene mit einer frischen Dosis Pop-Art aufmischen, einer Mischung aus drastischem Humor, dreckiger Sexualität, der Aneignung von Werbe- und Filmbildern und ihrer Umkehrung in einen finsteren amerikanischen Albtraum. Als Pictures Generation sollten sie später Kunstgeschichte schreiben, damals waren sie Teil der alternativen Szene von Downtown Manhattan.

„Die ersten beiden aus dieser Szene, die es in den Mainstream schafften, waren ein weißes Neo-Disco-Mädchen aus dem East Village namens Madonna und ein afroamerikanischer Maler und Musiker namens Jean-Michel Basquiat“, sagt Thurston Moore über diese Zeit. „Abgesehen davon fand das alles abseits des Medieninteresses statt.“

Wirklich im Rampenlicht stehen Sonic Youth bis heute nicht, sie taugen einfach nicht zu Popstars. Aufgrund ihrer Originalität und Glaubwürdigkeit werden sie von Musikfans geschätzt wie sonst nur Bob Dylan – doch kaum jemand könnte auf Anhieb einen ihrer Refrains nachsingen. Sie haben fast 30 Alben eingespielt, hatten aber nie einen Top-Ten-Hit. Sie haben Nirvana einen Plattenvertrag besorgt, Sofia Coppola zum Filmemachen gebracht, sie gaben Performances mit Allen Ginsberg.

Und sie haben immer wieder mit bildenden Künstlern zusammengearbeitet, in der Tradition von Warhol/Velvet Underground und Robert Mapplethorpe/Patti Smith, doch lange bevor solches Crossover chic wurde. Mike Kelley, Dan Graham, Gerhard Richter, Raymond Pettibon, Richard Prince, Christopher Wool, Jeff Wall gestalteten Sonic-Youth-Cover, während die Bandmitglieder mit Kunst, Film, Mode experimentierten.

„Sonic Youth verschmelzen Punkrockrebellion mit anderen kulturellen Feldern in einer Komplexität, wie dies wohl keine zweite Band geschafft hat“, sagt der Kurator der Schau, Roland Groenenboom.

Man merkt es der Ausstellung, die bereits im französischen Saint-Nazaire und in Bozen gezeigt wurde, an: Was die Band an akustischem Lärm produziert, spiegelt diese Schau als eine Art visuellen noise, wobei die Ausstellungsräume so chaotisch und liebevoll eingerichtet sind wie das Schlafzimmer eines jugendlichen Fans.

VIDEO | Sonic Youth – Kool Thing aus GOO 1990

YouTube Preview ImageINTERVIEW

monopol magazin: Kim Gordon, diese Ausstellung umfasst Werke der wichtigsten Künstler der vergangenen Jahrzehnte, schon der Katalog hat über 1000 Seiten. Hatten Sie keine Angst, als Sie den Umfang dieser Ausstellung sahen?

Eigentlich nicht. Die Idee zu dieser Ausstellung kam von Roland Groenenboom, der zuvor bereits eine meiner Ausstellungen kuratiert hatte. Wir hatten in der Vergangenheit schon Angebote für eine Ausstellung, aber Roland war der Einzige, dem wir trauten. Er versteht den Kontext, er teilt unsere Interessen. Was die Vielfalt anbelangt: Auch unsere Musik folgte nie einer eindeutigen Ästhetik, weshalb die Leute und die Medien uns auch nie einordnen konnten.

monopol magazin: Welche Künstler haben Sie am meisten beeinflusst?

Mein wichtigster Einfluss waren sicher die 60er- und 70er-Jahre, Pop-Art, Fluxus, Konzeptkunst – und Dan Graham. Ich lernte ihn kennen, als ich Ende der 70er-Jahre nach New York kam. Er ermutigte mich, zu schreiben und Musik zu machen, ohne ihn hätte es Sonic Youth wohl nie gegeben. Es war inspirierend, zu sehen, dass da ein Künstler ist, der sich nicht auf seine Werke und deren Verkauf konzentriert, sondern etwas zurückgeben will an das Publikum und die Öffentlichkeit. Er ist ein Künstler, der mehr schaffen will als bloß „Kunst“.

monopol magazin: Warum haben Sie sich nach Ihrem Kunststudium für die Musik entschieden?

Anfangs war das nicht so klar. Ich arbeitete in den frühen 80er-Jahren in verschiedenen Galerien: bei Larry Gagosian und in der Annina Nosei Gallery. Ich erinnere mich, wie Richard Prince eines Tages gerahmte Fotos von Uhrenanzeigen in die Galerie brachte und ich ihn aufzog, weil die Rahmen so hässlich waren. So haben wir uns kennengelernt. Wenn mich irgendwas abgeschreckt hat vor der Kunst, dann war es meine Arbeit in den Galerien – zu sehen, wie alles kommerzialisiert und wie um einzelne Künstler gefeilscht wurde. Jemand wie Richard Prince war einfach ein Freund für mich. Richard und Robert Longo spielten damals beide in Bands, sie sind zwei dieser Figuren, die die beiden Welten von Kunst und Musik überbrücken.

Interview mit Kim Gordon über Sensational Fix und einen Mike-Kelley-Artikel im Monopol Magazin. | www.monopol-magazin.de

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SONIC YOUTH | SENSATIONAL FIX
| Kunsthalle Düsseldorf 
| bis 10. Mai 2009

| www.sonicyouth.com/ | official band website
| de-de.facebook.com/pages/Sonic-Youth/11039052947 | facebook site
| twitter.com/thesonicyouth | twitter site | live-gezwitscher

kunzmann-pop

KUNSTSCHAU Hamburg – Jens Ullheimer | PT Kunsthalle Hamburg

“MAN SON 1969. Vom Schrecken der Situation” widmet sich bis zum 26.4.2009 dem Reiz und der Gefahr der Extreme. Ausgangspunkt sind historische Ereignisse in Ästhetik und Politik, Lebenskunst und Gegenkultur der 1960er Jahre. 

Die Ausstellung verfolgt keine explizite Aufklärungsthese, keinen eindeutigen wissenschaftlichen oder sozialgeschichtlichen Ansatz, sondern sie vertraut auf die Sprache der „Künste“ und macht eine höchst umstrittene Figur zum Stichwortgeber: Charles Manson, ein dunkler Fixstern der amerikanischen Hippie-Kultur.

Rückblickend auf das Jahr 1969 wurden 35 internationale Künstler und Künstlerinnen eingeladen, die Frage der Ambivalenz der Extreme dieser Zeit weit reichender gesellschaftlicher Reformprozesse mit neuen Arbeiten aufzugreifen.

Die zeitgenössischen Positionen werden mit drei Gemälden aus verschiedenen Epochen, darunter Meister Franckes Christus als Schmerzensmann und John, der Frauenmörder von George Grosz, in Beziehung gesetzt. Hier wird der Schrecken der Situation unterschiedlich beantwortet. Im mittelalterlichen Bild verbindet er sich mit der religiösen Hoffnung des Einzelnen auf Erlösung. Zur Zeit des ersten Weltkriegs gilt der künstlerische Einsatz bei Grosz dem diesseitigen gesellschaftlichen Wandel.

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Joe Coleman - Portrait of Charles Manson, 1988 ( Ausschnitt )
Acryl auf Leinwand, ca. 80 x 60 cm
Courtesy HR Giger Collection, Gruyère, Schweiz

Joe Coleman zeigt seine Kritik in altmeisterlicher Feinmalerei durch die Groteske und mit einem Lachen. Die gemeinsame Präsentation von historischen und zeitgenössischen Positionen lässt sich überkreuzende Logiken, Parallelen und Widersprüche zwischen Geschehnissen in Europa und den USA erkennen. Ein erneuter Blick auf die Zeit der 1960er Jahre und ihre Auswirkungen erscheint viel versprechend.

Die eingeladenen Künstler und Künstlerinnen verhandeln das Thema der Ausstellung, die Ambivalenz der Extreme um 1969, aus ihrer aktuellen Warte und streifen sowohl die Person als auch die Geschehnisse um Charles Manson nur am Rande. Sie entwickeln Perspektiven, die beispielsweise Gruppenbildung als ein Geschehnis zwischen Freiheit und Zwang ansprechen, die Manipulation, Erziehung und Anpassung zum Thema machen, die den musikalischen Hintergrund der Zeit und das Phänomen einer nahezu religiösen Legendenbildung aufgreifen.

Mit: Mario Asef, Max Beckmann, Joseph Beuys, Achim Bitter, Günter Brus, Joe Coleman, Lutz Dammbeck, Dellbrügge & de Moll, Bogomir Ecker, Martin Eder, Bob Flanagan/Sheree Rose, Meister Francke, Peter Friedl, Till Gerhard, Douglas Gordon, Dan Graham, George Grosz, Rudolf Herz, Elmar Hess, Jenny Holzer, Andreas Hofer, Laura Honse, Franka Hörnschemeyer, Stephan Huber, Stefan Hunstein, Ilya Kabakov, Edward Kienholz, Susanne Klein, Elena Kovylina, Thomas Kunzmann, Sigalit Landau, Almut Linde, Teresa Margolles, Josephine Meckseper, Stefan Micheel, Aurelia Mihai, M + M, Ronald Nameth, Bruce Nauman, Rotraut Pape, Karin Missy Paule, Susi Pop, Astrid Proll, Chris Reinecke, Annamaria und Marzio Sala, Gregor Schneider, Dennis Scholl, Andreas Seltzer, Richard Serra, Cindy Sherman, Die Tödliche Doris, Susanne Weirich, Günter Zint.

Charles Manson, geboren 1934, ist eine zentrale Figur der amerikanischen Hippie-Kultur. Er gilt als Anstifter der Morde an dem prominenten Filmstar Sharon Tate und sechs weiteren Personen im August 1969.  Der Name und das Image von Manson dienen aufgrund seiner höchst umstrittenen Medien-Popularität als Stichwortgeber der Ausstellung – sein Konterfei landete im Dezember 1969, nach der Ausgabe über die Mondlandung, auf dem Titelblatt des Life-Magazins. Die Schreibweise Man Son (frei übersetzt als „Menschensohn“) ist eine von Manson gelegentlich eingesetzte Bedeutungsverschiebung seines Namens.

life-mond
the moon, the love & the terror cult | LIFE Magazine 1969

Die brisante Mischung der Manson-Family aus anarchisch-krimineller Hippie-Sekte, Rock-Musik, exzessivem Drogengenuss, gescheiterter Utopie und jugendlichem Freiheitsstreben bildet bis heute einen Kristallisationspunkt auch für kultische Verehrung im so genannten Underground und mittlerweile auch offen zugänglich im Internet.

Die Ideologie des Manson-Clans speist sich aus Schriften der Scientology Church, Kontakten zur Church of Satan, mystischen Erweckungslehren und eigenwilligen Auslegungen der Bibel. Die Beatles beispielsweise sind für Manson eine Verkörperung von vier göttlichen Engeln. Ihr Song „Helter Skelter“ wird von ihm als Motto eines Rassenaufstands fehl interpretiert und trägt später wie ein Branding zu seinem Bekanntheitsgrad bei.

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VIDEO | Satire Mashup
| Charles Manson & The Beatles “Helter Skelter” – Studio Take 2, 1968

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Am besten lässt sich die Konzeption der Ausstellung wie ein Essay begreifen, der auf den roten Faden eines gemeinsamen historischen Fluchtpunkts mit Tiefenwirkung verzichtet und sich stattdessen aus 53 einzelnen Perspektiven zusammensetzt, ähnlich dem Facettenauge einer Fliege. Die Ausstellung arrangiert räumliche Situationen der Betrachtung, die sich visuell wie akustisch überlagern können und zu direkten Vergleichen quer durch die historischen Zeiten auffordern. Die künstlerischen Beiträge bieten in Form von Gemälden, Plastiken, Installationen, Videoinstallationen und Geräuschkulissen ein eigenständiges Schauen und Verstehen an.

Kuratoren der Ausstellung: Frank Barth und Dirck Möllmann.

MAN SON 1969. Vom Schrecken der Situation
| Hamburger Kunsthalle | Galerie der Gegenwart
| bis 26. April 2009

| MAN SON – onlineSpecial
| zur Hamburger Ausstellung

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Die Mitte des letzten Jahrhunderts ist gekennzeichnet durch weltweite Kolonialkämpfe und tabubrechende Liberalisierungen. Der seinerzeit beispiellose Krieg in Vietnam rief große Protestbewegungen in Europa und Amerika hervor, die neben dem politischen Einfluss neue freiheitliche Lebensformen suchten. Insbesondere das Jahr 1969 markiert einen Zeitraum, der starke gegensätzliche Strebungen, sowohl innerhalb der Gesellschaft als auch innerhalb ihrer Protestkultur, erkennen lässt. Es war nicht nur das Datum der ersten Mondlandung am 20. Juli zu verzeichnen, sondern zugleich auch der Umschwung der öffentlichen Meinung gegen Vietnam.

Parallel zu diesen Ereignissen radikalisierten sich die westlichen Studentenbewegungen. Zukünftige Terroristen der RAF flohen im November 1969 aus Deutschland nach Paris. Ihre Gewalt gegen Sachen eskalierte später im Mord. Unter diesen Gesichtspunkten vollzog sich im Jahr 1969 in Amerika und Deutschland eine Gratwanderung, auf deren Weg manch alternativer Lebensentwurf und gesellschaftliche Utopie in ihr gewalttätiges Gegenteil verkehrt wurde – andere scheiterten oder passten sich den Gegebenheiten an. Heute sind Selbstverwirklichung, Kreativität und Flexibilität, die damaligen Leitmotive für eine individuelle Lebenskunst, Schlagworte geworden, um einen viel zitierten „neuen Geist des Kapitalismus“ durchzusetzen.

bommi-baumann-rausch-und-terrorBUCH | Bommi Baumann, Rausch und Terror. Ein politischer Erlebnisbericht

| Broschiert
| 256 Seiten
| Sprache: Deutsch
| 20,8 x 12,4 x 2,2 cm

| kaufen bei amazon

Die Geschichte der Revolte von 1968 als Kampf gegen die Nüchternheit, erlebt von Bommi Baumann, als Revolutionär 30 Jahre opiatabhängig. Er war einer der Ersten auf dem Hippie-Treck nach Nepal. Heute verteidigt die Bundeswehr die Betäubungsmittel am Hindukusch. Ein Buch über die Architektur des Drogenkapitalismus und die Zerstörung der radikalen Linken durch Heroin. Ein politischer wie persönlicher Erlebnisbericht.

Autoren:

Bommi Baumann, geboren 1948, Ex-Terrorist, gehörte in den 1970er-Jahren zu den Gründern der »Bewegung 2. Juni«. Heute trinkt er nur noch Kräutertee und raucht Mentholzigaretten. Christof Meueler, Jahrgang 1968, lebt als Journalist in Berlin und leitet das Ressort Feuilleton & Sport bei der Tageszeitung »junge Welt«.

Auszug:

Gelpke kam aus einer begüterten Schweizer Familie. Eigentlich ein kulturkonservativer Mensch. Er hatte an den ersten LSD-Testreihen von Albert Hofmann teilgenommen und mit Ernst Jünger korrespondiert. Für uns war das ein alter Mann. Er hatte als Orientalist jahrelang in Persien gelebt, um besser Opium rauchen zu können. Dort war er auch zum schiitischen Glauben übergetreten. Ende ’68 tauchte er in Berlin auf und verteilte Drogen aus einem kleinen Vertreterköfferchen. Er hat jeden vollgetextet, alles zu konsumieren. »Jetzt nimm mal. Die Dämonen müssen sich von der Kette reißen!« Verklausuliert ist das auch die Botschaft seines Buchs Vom Rausch im Orient und Okzident, einem Standardwerk von 1966, das damals alle begeistert gelesen haben.

Für Gelpke waren wir die Assassinen des 20. Jahrhunderts, die Kämpfer eines mythologisch stilisierten Geheimbunds im Orient, die das Paradies auf Erden errichten sollen – und zwar auf Grundlage von Drogen. Das hat er uns gepredigt, und das hat uns imponiert. Und wir hatten ja schon die ersten Anschläge gemacht. Das Utopieproblem besteht auch darin, dass sowohl in der christlichen wie in der sozialistischen Mythologie das Paradies ein unpräziser Begriff bleibt. Man kann sich nichts darunter vorstellen. Dagegen meinte man, das Paradies der Assassinen konkret greifen zu können: Du liegst auf seidenen Kissen unter Bananenbäumen, und vor dir erscheint ein Fluss aus Milch und Seen von Lavendel, und märchenhafte Wesen schön wie der Jüngste Tag kredenzen dir Wein aus goldenen Kelchen, und dazu erklingt zauberhafte Musik, und dahinten steht noch ein Rosenstrauch und, und, und. Das ist der Paradiesgarten – nur war unser Garten die Straße. Gelpke sagte uns: »Geht los, und fangt an zu bomben. Tötet! Tötet! Tötet! Die Zeit ist gekommen, denn diese westliche Gesellschaft ist so kaputt, dass sie mit einem letzten Gewaltstreich niedergerissen werden muss!«

| umfangreicheren Auszug aus dem Buch von Bommi Baumann lesen

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Der letzte Hippie

SUEDDEUTSCHE – Till Briegleb

Betrachtet man die Zerstückelungsmorde der Manson-Family im Jahr 1969 an den Reichen und Schönen von Bel Air aber weder rein moralisch noch leichtfertig als Body-Art-Performance der extremeren Art, ausgeführt von Medien des gesellschaftlichen Verfalls, dann lassen sich in der Biographie von Charles Manson zahlreiche Verknüpfungen geschichtlicher Ereignisse finden, die zum Verständnis seines Extremismus beitragen können – und damit liefert dieser Fall ein interessantes Feld für die Kunst, deren Methoden ja ähnliche Verbindungen zwischen gesellschaftlichen und subjektiven Ereignissen suchen.

Aus diesem Gedanken entwickelten die Kuratoren Frank Barth und Dirck Möllmann im Sockelgeschoss der Galerie der Gegenwart ein ausuferndes künstlerisches Beziehungsgeflecht, das Charles Mansons verirrten Messianismus auf die entscheidenden Ereignisse seiner Zeit, insbesondere des Jahres 1969, bezieht.

Seine krude Philosophie von gesetzloser Libertinage wird in der Ausstellung als monströse Logik ihrer Zeit beschrieben. … Diese Umsetzung als These führt allerdings dazu, dass die Ausstellung als Ganzes gelungener ist als die Exponate, aus denen sie besteht. Viele der rund 100 ausgestellten und vielfach extra für die Ausstellung entwickelten Arbeiten behandeln die historische Komplexität mit naiven Gesten.

Intellektuelle wie sinnliche, humorvolle wie historische, rein assoziative wie unmittelbare Zugänge führen den Besucher auf eine Schnitzeljagd nach Aspekten und Motiven, die ihn fordern wie überfordern kann. Und damit ist “Man Son 1969″ endlich mal wieder eine Themenausstellung, die anstrengend und nicht nur appetitlich ist.

SUEDDEUTSCHE – Artikel lesen

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Anspielungsknäuel, nicht roter Faden

TAZ – Petra Schellen

Sie zelebriert nicht das Jahr 1968, wie es nun so viele gemacht haben. Nein, die Hamburger Kunsthalle hat sich für ihre nächste Ausstellung das Jahr 1969 ausgesucht: Das Jahr, in dem die Manson-Family mordete, der erste Mensch auf dem Mond landete und Andreas Baader mit Gudrun Ensslin nach Paris floh. Die zentrale Frage: Wie konnte aus Flower-Power Gewalt werden, und was ist da eigentlich schiefgelaufen?

Diese Ausstellung wird eine Provokation. Eine Reise in den Diskurs. Ein Weg, auf den sich zwei Kuratoren gemacht haben, um Zusammenhänge zu finden, die das zunächst unspektakuläre Jahr 1969 erhellen. Um lose Enden probeweise zusammen zu bringen und scheinbar disparate Ereignisse zu verknüpfen. Diese Schau wird mutig und scheu zugleich. Sie formuliert eine These, um sie gleich darauf zu negieren.

TAZ – Artikel lesen

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sanders-mansonBUCH | The Family. Die Geschichte von Charles Manson.
von Ed Sanders

| Broschiert
| 535 Seiten
| Sprache: Deutsch

| kaufen bei amazon

Cover:  US-Originalausgabe

Die amerikanische Literatur hat seit der Beat Generation immer wieder gern mit Außenseiter-Philosophien kokettiert. Für Charles Manson diente solche Auffassung zur Rechtfertigung der Mordanschläge auf die Schauspielerin Sharon Täte und auf andere, seine «Wildnis» ist des Literarischen entkleidet, ihn, dessen Schule das Gefängnis war, trennen keine Skrupel von der Tat. So liest sich die Geschichte seines blutigen Aufbruchs in ein phantastisches Schlaraffenland, genannt «Heiter Skelter», als die böse, die satanische Version des amerikanischen Traums, der der Traum von der größtmöglichen, grenzenlosen Selbstentfaltung des einzelnen ist.

Ed Sanders, insbesondere in Amerika bekannt als Lyriker und Mitbegründer der Rockmusik-Gruppe «THE FUGS» hat in akribischen Recherchen über Jahre alles verfügbare Material zum Fall Manson zusammengetragen. Er dokumentiert die zugleich monströse und faszinierende Geschichte der Family, in der sich die Flower-Power-Hippie-Stimmung eines kalifornischen Sommers im psychedelischen Alptraum aus Gewalt und satanischen Blutritualen auflöste. Aus dem Amerikanischen übersetzt ins Deutsche von Edwin Ortmann und Hella Knappertsbusch.

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Jeder Tropfen ein Mord

FR online – Sandra Danicke

“Zugzwang”, so der Titel, ist ein Begriff aus dem von Duchamp so geschätzten Schachspiel, das auch Gegenstand einer Arbeit von Gregor Schneider ist. Zu sehen ist zwar bloß ein Spiel mit Tisch und zwei Stühlen, doch der Künstler informiert im Katalogtext, dass der Verlierer am Ende der Partie tot sein wird. Bereits der Verlust von Figuren wird mit Stromstößen bestraft, die – je nach Wichtigkeit der Figur – variieren. “Wer am Ende des Spiels den gegnerischen König schlägt, tötet damit den Gegner mit einem finalen Stromschlag.” Freilich habe man in der Kunsthalle den Stecker gezogen, beruhigt der Kurator. Dennoch fragt man sich: Was soll das?

Es sind Arbeiten wie diese, die die Ausstellung beliebig erscheinen lassen: Ein bisschen Grusel hier, ein wenig Flower-Power dort, natürlich kommt auch die RAF vor, doch vieles hat weder mit 1969, noch mit Manson zu tun. Zum Beispiel der Fettfleck auf dem Boden, der aussieht, als habe hier jemand seinen Milchkaffee verschüttet. Man erfährt, dass es sich um menschliches Fett aus einem Leichenschauhaus in Mexiko handelt, dass nun als Arbeit von Teresa Margolles minütlich aus einem Kanister tropft. Jeder Tropfen symbolisiere einen ungesühnten Mord.

Weniger pathetisch und tatsächlich unangenehm berührend wirkt der benachbarte Videoloop von Sigalit Landau: Eine nackte Frau benutzt einen Stacheldraht-reifen als Hula-Hoop. Dass sich die Szene am Strand von Tel Aviv abspielt und auf die beklemmende Situation im Nahen Osten verweist, scheint im Ausstellungskontext keine Rolle zu spielen.

FR online – Artikel lesen

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VIDEO | Rock My Religion von Dan Graham 1982-1984 |  Ausschnitt

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Der Videoessay von Dan Graham entwickelt in einer komplexen Collage aus Text, Film, Video-Footage und Konzertperformances einen Zusammenhang zwischen Religion und Rockmusik für die Jugendkulturen im Amerika der Nachkriegszeit.

Musik: Glenn Branca, Sonic Youth
Schnitt: Matt Danowski, Derek Graham, Ian Murray, Tony Oursler

Ausgehend von den Shaker-Gemeinden in den USA interpretiert Graham die gemeinschaftlichen Tanzformen von Rock ’n’ Roll bis Punk und Pogo als kathartische Rituale mit formalen Rückbezügen auf Trancepraktiken bei den Rundtänzen der Shaker, einer religiösen Sekte aus England, die ab 1774 in den USA Fuß fasste.

Graham stellt einen Zusammenhang zwischen der Enttabuisierung von Sex und Musik mit der Kommerzialisierung von Jugendkultur in den 1950er bis 1970er Jahren her und zeigt die religiösen Wurzeln im Musikbusiness auf, die von einer Sehnsucht nach Transzendenz in der Rockmusik beantwortet wird.

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Zwischen Utopie und Gewalt

DEUTSCHLANDRADIO Kultur – Anette Schneider

1969 – das waren Vietnamkrieg und Woodstock. Die Mondlandung und Morde, die der größenwahnsinnige Charles Manson Mitglieder seiner Manson-Family ausführen ließ. – 1968 ist abgefeiert, und so suchten die Kuratoren Frank Barth und Dirck Möllmann offenbar nach Eckdaten des Jahres 69, an denen sich bestimmte gesellschaftliche Widersprüche und Entwicklungen des Jahrzehnts verdichten, und zu einer Ausstellung machen ließen.

Dirck Möllmann: “Für mich ist es eine Ausstellung, die sich mit den Utopien, die in den 60ern eine Rolle gespielt haben, auseinandersetzt. Diese Kombination, sich mit einem Schwerverbrechen, einer technischen Großleistung und einer sich verändernden Popkultur auseinanderzusetzen, ist der Reiz für mich gewesen. Und natürlich die Frage: Warum heute?”

Natürlich, weil viele der damals aufgeworfenen Fragen heute noch immer nicht gelöst sind. So geht es in der Ausstellung um angepasstes und unangepasstes Verhalten, um herrschende Ordnung und Gewalt, um das, was Freiheit ist – damals wie heute.

Eine der eindringlichsten Arbeiten stammt von Lutz Dambeck, der ein kybernetisches Experiment von 1970 nachstellt: In einem großen offenen Glaskasten stapeln sich kleine Metallcontainer. Am Rand ist ein Greifarm installiert. Zwischen den Containern laufen Mäuser herum, die die Kästen immer wieder zum Umsturz bringen.

“Es geht darum, dass tierische Ordnung gegen technische Ordnung antritt. Mäuse gegen kleine Container und einen Greifarm, der die Ordnung immer wieder herstellt.”

Lernen Mäuse schneller als Menschen? Wir jedenfalls könnten längst wissen, dass die herrschende Ordnung Menschen braucht, die die Maschinen bedienen. Dass es an Menschen liegt, sie abzustellen oder “menschlicher” zu nutzen. Dass Menschen sich erfolgreich gegen die sie erniedrigenden Verhältnisse wehren können – wär’s anders, würden wir noch in der Steinzeit leben. Für diese Erkenntnis spielen jedoch nicht der reißerische Name “Manson” und eine mutwillig konstruierte Ausgangsthese eine Rolle, sondern der Name Marx. Auch der soll 1969 übrigens in vieler Munde geführt worden sein.

DEUTSCHLANDRADIO – Beitrag lesen

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MAN SON 1969. Vom Schrecken der Situation
| Hamburger Kunsthalle | Galerie der Gegenwart
| bis 26. April 2009

 

bigbrotherholdingcompKUNSTSCHAU Hamburg – Jens Ullheimer | PT Museum Ludwig Köln

Bis zum 1. März 2009 zeigt das Museum Ludwig, Köln eine Ausstellung über die Kunstszene von San Francisco 1955–1968. Die Stadt galt als Mekka experimenteller Lebens- und Kulturformen (Beat Poets, Hippiebewegung, Counterculture).

Der radikale Umbruch in Kunst und Gesellschaft um 1968 nahm seinen Ausgang in den 1950er Jahren an der Westküste der USA, rund um die Bay von San Francisco. Der dort besonders intensive und reichhaltige Austausch zwischen den Kunstgattungen führte zu einer politisch motivierten Gegenkultur zu den Konventionen der Nachkriegszeit, die neue Verbindungen zwischen Theater, Bildender Kunst, Tanz, Literatur, Musik und Film zuließ.

Nicht mehr der einzelne Künstler als produktives Subjekt steht im Mittelpunkt; an dessen Stelle tritt vielmehr der kollektive Austausch in Künstlernetzwerken und Freundschaften. Künstler wie Allen Ginsberg, Emroy Douglas, die Theatertruppe Mime Troupe, Anna Halprin, Bruce Nauman, Stan Brakhage, Yvonne Rainer oder die Band Grateful Dead kommen aus diesem Umfeld, das die Auflösung von Grenzen propagiert und völlig neue Experimente in der Kunst ermöglicht.

Künstlerliste (Stand Januar 2008)

William Allan, Bruce Baillie, Ruth-Marion Baruch, Wallace Berman, Stan Brakhage, James Broughton, Lenny Bruce, Bruce Conner, Robert Crumb, Jay DeFeo, Walter De Maria, Emory Douglas, Simone Forti, Terry Fox, Allen Ginsberg, Rick Griffith, Anna Halprin, Jess, Pirkle Jones, Lawrence Jordan, Steve Kaltenbach, Ken Kesey, Timothy Leary, La Monte Young, Michael McClure, Christopher MacLaine, Bruce Nauman, Gunvor Nelson, Robert Nelson, Yvonne Rainer, Steve Reich, Ron Rice, Terry Riley, Peter Saul, S. F. Mime Troupe, H.C. Westermann, Dorothy Wiley, and William T. Wiley

Die Ausstellung macht die Vernetzung der Künste und Künstler mit vielen Dokumenten deutlich und wird durch ein dichtes Filmprogramm sowie einem umfangreichen Materialbuch als Katalog ergänzt.

Looking for Mushrooms
| Museum Ludwig
| bis 1. März 2009

| Audioguide (mp3, 38MB zip)

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looking-for-mushrooms-koeln-2009-katalog

 

KATALOG 
LOOKING FOR MUSHROOMS
Beat Poets, Hippies, Funk, Minimal Art. San Francisco 1955-68

| 216 Seiten
| mit 216 Abb.,
| davon 141 farb.,
| broschiert
| dt. & engl. Sprache.

| kaufen bei amazon

 

Mit zahlreichen Dokumentarphotos, Originaldokumenten, Kunstwerken, Postern, Textzitaten und Zeitschriftenabbildungen liefert das Buch einen profunden Einblick in 1968er Kultur in den USA. Den Autoren gelingt ein neuer, präziser Blick in die damaligen künstlerischen und sozialen Bewegungen, die die Kunst revolutionierten. 8.11.2008 – 1.3.2009

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Kunst zwischen Pilzsuche und Politik

WDR – Sebastian Züger

Eine Retrospektive im Kölner Museum Ludwig erinnert an die kreativen Explosionen in und um San Francisco zwischen 1955 und 1968. Beat Poets, Hippies und andere gesellschaftliche Außenseiter befreiten die Kunst aus ihrer Nachkriegsstarre.

In der Bay Area traf die Radikalität schwarzer Bürgerrechtler auf den Hedonismus junger weißer Künstler. Die Ausstellung versucht, diese gegensätzlichen Strömungen aufzunehmen: unter anderem mit Fotografien von William Gedney aus der Frühphase der Hippie-Bewegung und Plakaten der Black Panther, die zum Protest aufrufen. Psychedelia und Politisierung existierten neben- und damit auch gegeneinander. Die Zeichencodes der einzelnen Strömungen differenzierten sich in den 60er Jahren zunehmend aus. Ihre Vorläufer in den Jahren zuvor wirken im Vergleich noch weitaus roher.

Die Ausstellung zeigt Skulpturen, Bilder und selbst produzierte Zeitschriften, an denen unter anderem Bruce Conner beteiligt war. Der Künstler steht exemplarisch für den genre-sprengenden Einfallsreichtum seiner Generation: Bekannt geworden ist er mit seinen plastischen Collagen auf dem klassischen, auf New York fixierten, Kunstmarkt. Später suchte er die Zusammenarbeit mit allen möglichen anderen Künstlern und Kunstformen und brach so mit den werkzentrierten, konventionellen Gewohnheiten. Eine seiner filmischen Arbeiten, die zwischen 1959 und 1967 entstand, gab der Ausstellung ihren Titel: “Looking for Mushrooms”. In Schnitt und Ästhetik erinnert Conners Filmkunst heutige Betrachter unweigerlich an moderne Musikvideos.

WDR – Artikel lesen

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VIDEO | MY NAME IS OONA, Gunvor Nelson, USA

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„Mit MY NAME IS OONA schuf Gunvor Nelson eine eindringliche und sehr lyrische Beschwörung der inneren und äußeren Welten ihrer Tochter. Der Film besteht aus einer Folge von Oona gesprochener, sich endlos wiederholender Wörter, die auseinandergenommen und mit einem Rhythmus versehen wieder zusammengesetzt sind.

Neben dem von Steve Reich koproduzierten Soundtrack, loopt und überlagert MY NAME IS OONA Bilder des Mädchens beim Spielen und in besinnlichen Momenten; man sieht sie ein Pferd streicheln und später auch reiten, sich durch einen Wald von Bäumen bewegen, und öfters in die Kamera blicken.

Der Film erzeugt ein eher verstörendes als ein idealisierendes Bild von Kindheit. Gunvor Nelson hat gesagt, dass sie kein normales ‚niedliches‘ Bild von Oona haben wollte: ‚Ich denke, dass darin ihre Welt und die Welt meiner Kindheit vermischt sind. Als Kind bist du in deiner eigenen Welt ziemlich sicher, aber der Rest ist sehr mysteriös und angsteinflößend; vielleicht warten da draußen Monster und Trolle, auch wenn du sie noch nie gesehen hast.‘“ (Steve Ankar)

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Mit dem Flammenwerfer gegen Jasmin

ARTNET – Astrid Mania

Die vorwiegend in San Francisco ansässigen Künstler wollten sich bewusst von der Kultur der Ostküste, von New York als dem beherrschenden Kunstzentrum abheben, wo dem Abstrakten Expressionismus gehuldigt wurde, dem US-amerikanischen und als demokratisch verstandenen Gegenentwurf zur Staatsästhetik der kommunistischen Staaten. Auch sollte das damals etablierte Galerien- und Händlersystem unterlaufen werden.

Was die Präsentation vor allem zeigt, ist das Verwischen der Grenzen zwischen politischem Aktivismus und künstlerischem Arbeiten. Eine große Rolle bei alldem spielte die Erfahrung mit Drogen, die sich in literarischen, musikalischen und grafischen Werken niederschlug. So kann in der Ausstellung eine Faksimile-Ausgabe des San Francisco Oracle durchblättert werden, einer Untergrundzeitschrift, die von 1966 bis 1968 erschien und deren Aussehen von der starken Farbigkeit der psychedelischen Bildwelten geprägt ist.

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VIDEO | The Hippie Temptation (CBS News)

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CBS TV Documentary about the Grateful Dead and the growing hippie scene in Haight Ashbury, San Francisco, narrated by Harry Reasoner

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Man kann der Ausstellung sicherlich vorwerfen, in Teilen wie die dreidimensionale Umsetzung des hoch informativen Katalogs daherzukommen. Doch niemand hat bisher eine befriedigende kuratorische Lösung für die museale Präsentation von gesellschaftlichen Aktivitäten und experimentellen Kunstformen gefunden, die auf Flüchtigkeit und Einmaligkeit angelegt sind. Vor allem aber wird durch die zahlreichen fotografischen und filmischen Dokumente ein ziemlich ausgewogener Eindruck von den kreativen Umtrieben jener Zeit gegeben, die ja gerade im Bereich der Kunst das statische Objekt vermeiden wollten.

… eines der großen Verdienste der Kölner Ausstellung – dass es ihr gelingt, gesellschaftliche und künstlerische Bewegungen, für die man sicher große Sympathien empfinden kann und die sich trefflich zur Legendenbildung und retrospektiven Verklärung anbieten, in einem angenehm nüchternen, faktischen Rahmen zu präsentieren. Keine Künstlermythen in Köln, sondern eine Geschichtsschau, die Funktionen, Strategien und Intentionen ausleuchtet. Manchmal ist man dankbar, daran erinnert zu werden, wozu es ganz das gute, solide Museumshandwerk gibt.

ARTNET – Artikel lesen

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Looking for Mushrooms
| Museum Ludwig
| bis 1. März 2009

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Candice Breitz - Iron Maiden Monument - Ausschnitt

KUNSTSCHAU Hamburg – Jens Ullheimer | PT Kunsthalle Kiel

Die Kunsthalle zu Kiel zeigt bis zum 29. März 2009 Schlüsselpositionen der Skulptur seit 1960. Die groß angelegte  Ausstellung ist eine Hommage an die Schwerkraft der Skulptur und ihre schöpferische Überwindung.

Die weitgehend sockellose Ausstellung lädt zum Flanieren und Staunen ein, nimmt die skulpturalen Erneuerungen anhand von 58 Schlüsselpositionen der vergangenen 50 Jahre in den Blick und zeigt, wie das schwere Material leicht, eigenwillig und subversiv wurde.

Thomas ZippDie Beschränkung auf „ein“ Material als spezifisches Medium künstlerischer Arbeit ermöglicht es, die Denkmuster zeitgenössischer Skulptur in ihrer epochalen Qualität und Vielfalt zu verdeutlichen. „Heavy Metal“ steht dabei nicht nur für das Material Metall, sondern auch symbolisch für eine Irritation in der Welt des Betrachters.

Die Ausstellung setzt in den 1960er Jahren ein: Die revolutionären Avantgarden in den Kunstzentren von Europa, den USA und Lateinamerika formulieren radikale Ansprüche an die künstlerische Freiheit. Auch die moderne Skulptur steht auf dem Prüfstand. Die Skulptur gerät in einen Strudel post-fluxushafter Auflösungserscheinungen, bis sie im Konzept des „Life-in-your-Heads“ ganz zu verschwinden drohte. Doch dann passiert das Paradoxe: Die Skulptur wird zu einem neuen, aufnahmefähigen Ausgangspunkt der künstlerischen Denkens. Auf der Suche nach einem widerständigen Medium erhält das Metall in all seinen unterschiedlichen Legierungen eine unerwartete Aufwertung.

Die Kieler Ausstellung zeigt nicht nur Skulpturen, sondern spielt mit den unerschöpflichen Möglichkeiten des Materials auch auf der kuratorischen Ebene: Der Titel „Heavy Metal“ ist in Anlehnung an die monumentale Fotografie „Iron Maiden Monument“ (2007) von Candice Breitz entstanden. Unausweichlich daher: der Heavy-Metal-Kult-Film „Full Metal Village“ (2006) der südkoreanischen Künstlerin Cho Sung-Hyung, der das Wacken-Festival dokumentiert;

VIDEO | Full Metal Village (Deutschland 2006) Regie: Sung-Hyung Cho

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Teilnehmende Künstler:
Giovanni Anselmo, Joseph Beuys, Bill Bollinger, Carol Bove, Martin Boyce, Candice Breitz, Luis Camnitzer, Anthony Caro, César, John Chamberlain, Lygia Clark, Constant, Richard Deacon, Jürgen Drescher, Wang Du, Marcel Duchamp, Aleana Egan, Olafur Elisasson, Hans-Peter Feldmann, Lucio Fontana, Günther Förg, Julio González, Antony Gormley, Subodh Gupta, Mona Hatoum, Geoffrey Hendricks, Jörg Immendorff, Jasper Johns, Donald Judd, Anish Kapoor, Stefan Kern, Alexander Laner, Bertrand Lavier, Mark Leckey, Heinz Mack, Mark Manders, Kris Martin, Jonathan Monk, Robert Morris, Bruce Nauman, Tim Noble & Sue Webster, Claas Oldenburg, Lygia Pape, Thomas Rentmeister, Michael Sailstorfer, Thomas Schütte, Richard Serra, Steven Shearer, Monika Sosnowska, Frank Stella, Jean Tinguely, Tatiana Trouvé, Günther Uecker, Henk Visch, Sonja Vordermaier. Sung-Hyung Cho (Film), Peter Hutton (Film), Thomas Zipp.

Heavy Metal – Die unerklärbare Leichtigkeit eines Materials
| Kunsthalle Kiel
| bis 29.3.2009

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heavy-metal-kunsthalle-kiel-2009-katalog

 

KATALOG | Heavy Metal
Die unerklärliche Leichtigkeit eines Materials

| gebunden mit Schutzumschlag
| Deutsch/Englisch
| 240 Seiten,
| 183 Abb.,
| davon 115 farbig
| 24,50 x 30,00 cm

| kaufen bei amazon

 

Der aufwändige, von dem Frankfurter Designbüro Ade Hauser Lacour produzierte Katalog, ordnet die internationalen Exponate denn auch nach Gewicht und beginnt mit dem Super-Schwergewicht Anish Kapoor, führt über Halb-, Super-Mittel-Schwergewichte und endet mit den Papiergewichten in Form der leichten und schwebenden Aluminiumscheiben von Lygia Pape.

Ob Eisen, Stahl, Aluminium, Blei, Bronze, Silber oder Gold – Metall ist ein künstlerisches Material, das die unterschiedlichsten Gestaltungsvarianten und Ausdrucksformen ermöglicht. Die vorliegende Publikation thematisiert erstmals die Geschichte des Metalls in der bildenden Kunst aus der ungewohnten Perspektive des Materials und zeigt auf, welch selbstverständliches, aber stets neu erkundetes Material Metall ist.

»Heavy Metal« steht dabei auch symbolisch: als verbindendes Element aller Werke, für eine Irritation der Welt des Betrachters. Selbst im Moment der größten Erweiterung ihres Gattungsbegriffs seit den 1960er-Jahren basiert die Skulptur weiterhin auf elementaren skulpturalen Wirkungen. In vielfältigen Ansätzen, die oftmals als Zusammentreffen von Widersprüchlichem wahrgenommen werden, verbinden sich hier Schwere und Leichtigkeit.

Der Band widmet sich ausführlich den vielfältigen Möglichkeiten dieses ganz besonderen Materials und präsentiert Schlüsselpositionen der Skulptur seit den 1960er-Jahren bis hin zu ganz aktuellen Arbeiten.

Ausstellung: Kunsthalle zu Kiel 6.12.2008–29.3.2009

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laner-plattenspielerPulsschlag aus Stahl

SPIEGEL online – Nicole Büsing und Heiko Klaas

Was den Reiz dieser Schau ausmacht, ist das elegante Spiel mit den Gegensätzen: Das Schwere und das Leichte, das Rohe und das Polierte, das mit großem Ernst in die Welt Gesetzte und seine spielerisch-ironische Persiflage treffen hier aufeinander.

Gerade die jüngeren Teilnehmer nehmen den gewichtigen und mitunter etwas humorlosen Skulpturen der Altvorderen Minimal- und Konzeptkünstler die Schwere. So greift der Brite Jonathan Monk die strenge Formensprache der aus rechtwinkligen Metallplatten bestehenden Felder des amerikanischen Bildhauers Carl Andre auf und präsentiert seine Version aus organisch geformten Puzzleteilen.

Der Münchner Alexander Laner hat aus einem alten Mercedes-Motor einen stinkenden Plattenspielerantrieb gebaut. Wenn man den Motor anschmeißt, erklingt ein Klavierkonzert von Frédéric Chopin – mit polternden und metallenen Nebengeräuschen. “Ein Orchester zu betreiben, wäre noch aufwändiger”, sagt Laner trocken. Auch Laner bezieht sich auf die Sechziger: Die kleine Konzertvorführung wäre ohne John Cage und die Neue Musik nicht denkbar.

SPIEGEL online – Artikel lesen

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VIDEO | Tetsuo. Japan, 1988. Regie: Shinya Tsukamoto 
AUDIO | Die Krupps – Iron Man [Kmfdm... Remix 1994]

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DVD | Cyberpunk Double Feature: Tetsuo & Electric Dragon 80.000 Volt

Anzahl Disks: 2
FSK: Freigegeben ab 18 Jahren
Spieldauer: 119 Minuten
DVD Features: DD 2.0 (Japanisch) Deleted Scenes
Kurzfilm: Phantom of regular size / Tadanobu ASANO in Berlin
Tetsuo: Kurzfilm Phantom of regular size, Deleted Scenes, Kino Trailer, Booklet, Poster
Electric Dragon: Tadanobu ASANO in Berlin, Kinotrailer, Booklet, Poster.
beide Filme mit extra japanischer Tonspur (DD 2.0) mit dt. Untertiteln

| kaufen bei amazon

Extrem wackelige Handkameras, Haarrisse auf dem Bild, perfektes Art-Design, kaum Dialoge, furiose Szenenbebilderung mit vielen Entfremdungen, auch im Sound-Design. Dazu ein revolutionärer, wummernder Elektronik-Soundtrack. Alles in allem wegweisend für die folgenden Jahre. Sei es besonders formal im Musikvideoclip-Bereich, als auch in Versatzstücken bei großen Regiekollegen.

“Tetsuo” ist ein Abstieg in eine böse, technologisierte, seelenlose Welt. Mit einem surrealen Actionende, voller Intensität und Verstand-sprengenden-Optik, endet die gewitter-artige Bilderflut. Und das nach nur 68 Minuten. Ein brillanter Techno-Experimentalfilm!
( Mitternachtskino.de )______________________________________________________________

hatoum-paravent

Gewichtige Kunststücke

DEUTSCHLANDRADIO Kultur – Anette Schneider

Lustvoll spielt die Ausstellung mit den Wirkungsmöglichkeiten des Materials Metall. Gleich im ersten Saal prallen der Gegensatz von Masse und betonter Leichtigkeit aufeinander, von Schwere und biegsam Filigranem, von Figürlichem und Abstraktem.

Besonders eindrucksvoll ist eine Arbeit der libanesischen Künstlerin Mona Hatoum, deren Kunst sich um die konkrete Gewalt in Nahost dreht. Sie entwarf einen etwa zwei Meter hohen dreiteiligen Paravent in Form einer Küchenreibe. Von weitem sieht das ebenso witzig wie dekorativ aus. Von nahem jedoch erkennt man, dass es sich um schwarzgefärbtes Eisen handelt, dessen scharfe, brutal ins Metall gerissene Öffnungen gefährlich wirken. Was eigentlich vor fremden Blicken schützen soll verkehrt sich hier ins Gegenteil: Der Paravent entpuppt sich als Bedrohung.

Abstrakten Formspielereien, Objekte, gegenständliche und figürliche Arbeiten – dank der Vielfalt der ausgestellten Werke gelingt es der Ausstellung anschaulich, Arbeits- und Wirkungsmöglichkeiten eines Materials vorzuführen, das die traditionelle Vorstellung von Skulptur nachhaltig veränderte.

DEUTSCHLANDRADIO Kultur – Beitrag lesen

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Heavy Metal
Die unerklärbare Leichtigkeit eines Materials
| Kunsthalle Kiel
| bis 29.3.2009

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